Aufregung um einen abgelehnten Syrer

Der Arbeitsmarkt und die Flüchtlinge passen nicht zusammen

Ein Syrer wurde bei einer Autowerkstatt abgelehnt. Das löste sogleich einen Skandal aus. Eine nüchterne Bestandsaufnahme zeigt jedoch, dass die Flüchtlinge grundsätzlich nicht zum deutschen Ausbildungssystem passen.

Freie Welt

Was ist passiert? Ein Syrer bewirbt sich um eine Stelle in einem Autohaus. Er erhält eine Absage. Das allein sei noch kein Skandal, findet t-online, aber die Begründung sei es schon, t-online spricht von einer »unfassbaren Absage«. Ein Mitarbeiter des Autohauses schrieb: »Ich möchte Ihnen eher die Empfehlung aussprechen, in Ihr Land zurückzugehen, da der Krieg beendet ist und Sie dort dringend benötigt werden, um es wieder aufzubauen.«

Das löste einen derartigen Wirbel aus, dass sich das Autohaus schließlich entschuldigte und darum bat, den Fehler eines Einzelnen nicht das ganze Unternehmen verantwortlich zu machen, der Syrer solle bitte kommen. Das Autohaus schrieb also: »Darüber hinaus würde ich mich darüber freuen, wenn der Bewerber uns eine zweite Chance einräumt und unsere Einladung zu einem Bewerbungsgespräch annimmt.«

Der Fall hat gute Chancen eines Tages im Museum für Gegenbeispiele ausgestellt zu werden – ein Museum, das Christian Morgenstern einst einrichten wollte. Es handelt sich um die Ausnahme zur Regel, um einen klassischen Einzelfall, der den Blick auf die Gesamtsituation trübt. Mehr noch: Es entsteht ein falscher Eindruck.

Wie sieht es wirklich aus? Im focus wird von einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zum »Bildungsstand von Geflüchteten« berichtet, die festgestellt hat, dass die Bildungssysteme grundsätzlich nicht zusammenpassen. In den Herkunftsländern der Geflüchteten, wie sie genannt werden, gilt das Prinzip »Learning by Doing«, in Bäckereien, Frisörsalons oder Werkstätten ist es immer noch weit verbreitet. Bei Berufen wie Augenoptiker oder Zahntechniker, für die man in Deutschland eine gezielte Ausbildung braucht, muss man in Syrien oder dem Irak vorher an einem technischen Institut studieren.

Die Welt sagt es direkt »Flüchtlinge passen nicht zum deutschen Ausbildungssystem« und nennt Zahlen: In diesem Jahr bleiben rund 49.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, dabei hatten knapp 25.000 Flüchtlinge bei Jobcentern und Arbeitsagenturen Interesse an einer Berufsbildung angemeldet. Die Zahl hat sich sogar verdreifacht und wird demnächst noch weiter stark ansteigen – dennoch: Es findet keine nennenswerte Integration statt. Die Forscherin Kristina Stoewe erkennt hier ein klares »Passungsproblem« und stellt fest, dass Betriebe und junge Menschen einfach nicht zueinander finden.

Woran liegt es? In den Herkunftsländern lassen sich viel weniger Berufe erlernen als hierzulande. In Syrien und dem Irak werden an den technischen Sekundarschulen beispielsweise lediglich 20 Möglichkeiten angeboten. In Deutschland können Schüler zwischen 330 anerkannten Ausbildungsberufen wählen.

Das ist noch nicht alles. Sprachprobleme kommen hinzu. Außerdem werden in den Herkunftsländern – mit Ausnahme vom Iran – immer weniger Kinder eingeschult. Die Einschulungsquote liegt in Eritrea bei 40 Prozent, in Somalia sogar bei nur bei 20 Prozent. Der Religionsunterricht nimmt in den Lehrplänen sehr viel Zeit in Anspruch – selbst in der Berufsausbildung.

Kurz: Es passt grundsätzlich nicht. Stoewe fordert nun, die potenziellen Azubis künftig besser über das deutsche Bildungssystem, die Ausbildung und den Arbeitsmarkt hierzulande zu informieren.

Gute Idee – oder? Da stellen sich schon einige Fragen: Sollte man die »Flüchtlinge« informieren, bevor sie kommen? Oder erst wenn sie hier sind? Und was sollen die »potenziellen Azubis« dann machen?

Ein Gegenvorschlag: Wir sind es, die sich besser informieren sollten. Das fängt schon mit den richtigen Benennungen an. Wir sollten sie nicht länger »Flüchtlinge« oder »Geflüchtete« nennen und auch nicht »potenzielle Azubis«. Flüchtlinge kommen nicht, um hier Arbeit zu finden, Flüchtlinge wollen wieder zurück; potentielle Azubis, also Arbeits-Immigranten, sollten in der Tat wissen, was sie hier erwartet und nur dann kommen, wenn sie eine realistische Perspektive haben.

 

 

Sven von Storch

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