Beispiel Hannover

Verwahrlosung in Deutschland

Die allgemeine Verwahrlosung, der augenfällige Verfall des öffentlichen Lebens, der in den letzten Jahren in Deutschland zu beobachten ist, gehört zu den Erscheinungen, die es normalerweise nicht in die Nachrichten schaffen. Es gibt keinen aktuellen Anlass, der die Presse bewegen könnte, darüber zu berichten. Hier eine Bestandsaufnahme aus Hannover.

Es gibt immer nur kleine und sehr kleine Veränderungen im Alltagsleben, die nicht der Rede wert zu sein scheinen. Die Verwahrlosung ist ein schleichender Prozess. Doch schließlich addieren sich die Eindrücke zu einem Gesamtbild, das einen gruseln lässt: Deutschland vergammelt. An allen Ecken und Enden.

In der freien welt ist schon gelegentlich über die Zustände in Berlin berichtet worden. Auch die Zustände in Köln und Frankfurt haben es über die Aufmerksamkeits-Schwelle geschafft. Diesmal blicken wir nach Hannover. Stellen wir uns vor, wir hätten Besuch von Gästen, die schon lange nicht mehr in Deutschland gewesen sind. Sie würden es sofort bemerken, wenn sie einen oberflächlichen Vorher-Nachher-Vergleich machen: Deutschland wird schmuddelig, dreckig, stinkig. Der Verfall ist allgegenwärtig.

»Es gibt Orte in Hannover, die sauberer sein sollten«. Mit diesem harmlos klingenden Satz eröffnet die Neue Presse und berichtet von Vassiliou, der ein Restaurant eröffnet hat. »Als Vassiliou sein Restaurant eröffnete, gefiel ihm die Lage am Opernplatz gut: "Es ist eigentlich einer der Vorzeigeplätze in Hannover." Gegenüber beobachtet er allerdings Szenen, die etwas ganz anderes vermuten lassen: "Da wird an das jüdische Denkmal gepinkelt und sich in den Büschen erleichtert."«

»In einigen Bereichen der Innenstadt lässt es sich nur noch schwer aushalten«, resümiert die Neue Presse. »Dazu gehört der Andreas-Hermes-Platz … Vor allem im Sommer könnte es auch ein schöner Ort für Familien sein. Doch die sind kaum bis gar nicht mehr dort anzutreffen.«

Es stinkt gewaltig. »Es gibt Orte in der Innenstadt, die zu Klosetts geworden sind.« Das betreffe auch den Opernplatz, wo Obdachlose im Sommer ihre Notdurft zwischen Hecken und Büschen verrichteten.

»Das Stadtbild von Hannover hat sich in den vergangenen vier Jahren sehr negativ entwickelt«, berichtet die Inhaberin einer Boutique. Die Kunden bleiben weg. Inzwischen gibt es sogar einen neuen Ordnungsdienst, den die Stadt eingerichtet hat. Auch wenn sich einige der Geschäftsleute Hoffnungen darauf machen, so heißt es zusammenfassend, dass man nicht sagen könne, dass es besser geworden wäre.

Es wird nicht besser. Der Grad der Verwahrlosung ist wie ein Fieberthermometer, das etwas über den Gesundheitszustand der gesamten Gesellschaft aussagt.

 

 

Sven von Storch

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