Nun liegen Zahlen vor

Stasi hatte systematisch Pakete aus dem Westen geplündert

Dass die Stasi sich an der Paketpost aus dem Westen bereichert hat, dürfte keine Überraschung sein. Das hatte man bereits geahnt. Nun liegen Zahlen über das Ausmaß des staatlichen organisierten Raubzugs vor.

Die Berliner Zeitung hat es gemeldet, der mdr hat es in einer Sendung enthüllt: Allein in den letzten vier Jahren, in denen die DDR noch existierte, seien 32 Millionen D-Mark in Bargeld und Waren im Wert von 10 Millionen Mark der DDR aus den Paketen gestohlen worden, die vom Westen in den Osten geschickt wurde. Das MDR-Fernsehen beruft sich dabei auf die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Der letzte DDR-Minister für Post- und Fernmeldewesen, Hans-Jürgen Niehof, gab zu: »Was man aus den Paketen irgendwie gebrauchen konnte, wurde entweder der Devisenerbringung zugeführt oder es fand sich in der Waldsiedlung bei den Politbonzen in Wandlitz wieder.« Niehof war nach der Volkskammerwahl im März 1990 ins DDR-Ministerium für Post- und Fernmeldewesen als stellvertretender Minister berufen worden.

Er erklärte, dass man zwar schon ab 1967 viele Westpakete durchleuchtet habe, aber erst ab dem Jahre 1972 seien die Postsendungen systematisch ausgeraubt worden.

Geplündert wurden nicht nur Irrläufer, die angeblich nicht zugestellt werden konnten, sondern genauso korrekt beschriftete Pakete, die von der Stasi einfach als »unzustellbar« deklariert wurden. Es handelt sich um mehrere hunderttausend Pakete pro Jahr, die für die Bevölkerung gedacht waren, die der Staat gestohlen hat.

Die Paketkontrollen fanden in Freienbrink statt. Da befand sich auch das geheime Zentrallager der Staatssicherheit. Mittlere und höhere Führungskräfte konnten da die Waren aus den Paketen im Kurs 1:1 kaufen.

Sven von Storch

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