Berlin hält dennoch an umstrittenen Methoden fest

Schüler können nicht mehr richtig schreiben

48 Prozent der Viertklässler erreicht nicht einmal die Mindeststandards der Rechtschreibung. Unter den Kindern nicht deutscher Herkunft sind es sogar 61 Prozent. Eines der Gründe dafür ist die Methode des so genannten freien Schreibens. Senatorin Sandra Scheeres will daran festhalten.

Die FDP hat bereits ein Verbot der Schreibmethode dieses »Schreibens nach Gehör« gefordert, die CDU hat sich inzwischen dem Verbot angeschlossen. In Hamburg und Baden-Württemberg wurde die Methode, vor der Linguisten und Hirnforscher bisher vergeblich gewarnt hatten, bereits verboten.

Es ist längst bekannt: Wenn man eine falsche Schreibweise nicht korrigiert, setzt sie sich fest. Eine alte Formel für den pädagogischen Hausgebrauch lautet daher: »Bockmist sitzt!«

Am letzten Donnerstag hatte Schulsenatorin Sandra Scheeres gemeinsam mit dem Bildungsforscher Jörg Ramseger eine neue Anleitung für Lehrer vorgestellt und dabei betont, dass sie an der Methode des Schreibens nach Gehör festhalten will. Gleichzeitig sagte sie: »Es geht nicht, dass Lehrkräfte Falsches falsch stehen lassen« – ein Satz mit doppelter Falschmeldung, der offenbar der Losung folgt: »doppelt gemoppelt hält besser«.

Ja, wie denn nun? Das mögen sich die Eltern fragen, die sowieso schon genervt sind, dass Schüler als Versuchskaninchen für pädagogische Experimente herhalten müssen. Es sind immer wieder Experimente, die sich dem Abwärtstrend anpassen und allesamt in eine Richtung gehen: in Richtung der Verschlechterung des Niveaus.

Die bz berlin weist in diesem Zusammenhang auf das missglückte Experiment mit dem »Jahrgangsübergreifenden Lernen« – genannt: JüL – hin. Dabei wurden die Klassenverbände eins bis drei aufgelöst. Die Älteren sollten die Jüngeren unterrichten, die Lehrer sollten nur noch als Moderatoren in Erscheinung treten. Erwartungsgemäß funktionierte das nicht. Jül wurde still und heimlich wieder aufgehoben.

So könnte es auch dem Schreiben nach Gehör ergehen. In Berlin hält man offenbar an dem fest, was ins Bild einer Pleitestadt passt.

Nun kommt noch die Erziehung zu Vielfalt und Toleranz hinzu.

Sven von Storch

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