Ein Beleg für den Vertrauensverlust

Die Zeitungsverkäufe brechen ein

Neue Aufstellungen zeigen, dass die Zeitungsverkäufe im ersten Quartal des Jahres 2018 dramatisch eingebrochen sind. Wie sehen die Zahlen aus?

Die Zahlen werden von meedia.de veröffentlicht und nur knapp kommentiert. Eine reißerische Schlagzeile gibt es dennoch. Sie gilt ausgerechnet dem Blatt, das auch nichts Besseres verdient hat als eine reißerische Schlagzeile – da heißt es:

Die Bild am Sonntag büßte 10,8% bei den Abos und im Einzelverkauf ein, Bild sogar 12,3%.

Nur noch bei 1,42 Mio. Exemplaren liegt die verkaufte Auflage der Bild. Man bedenke: Die Zahl lag mal bei stolzen 5 Millionen. Nun geht es weiter bergab. Die neuen Zahlen weisen noch einmal fast 200.000 verkaufte Zeitungen pro Tag weniger aus als im ersten Quartal 2017. Damit ist die Bild Spitzenreiter bei den Negativschlagzeilen.

Auch für die anderen überregionalen Tageszeitungen sieht es nicht gerade besser aus. Die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine verzeichnen zwar nur ein verhaltenes Minus von 2,2% und 2,0% und die taz nur eins von 0,8%, doch die Verluste bei der Welt (-8,5%) und bei dem Neuen Deutschland (-7,1%) sind deutlich genug.

Hier eine kleine Übersicht. Die erste Zahl zeigt die Zahl der Abos und Einzelverkäufe. Die zweite Zahl zeigt die Verluste absolut, die dritte Zahl die Verluste in Prozenten.

Bild (+Fussball Bild)     1.422.828     – 198.703      – 12,3

Süddeutsche Zeitung      298.466      – 6.569          – 2,23

Frankfurter Allgemeine    199.971      – 4.042          – 2,0

Welt (+ Welt Kompakt)     84.460      – 7.811          – 8,5

taz.die tageszeitung          43.555      – 350             – 0,8

Neues Deutschland .          23.372      – 1.790          – 7,1

(Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA)

Leichte Gewinne gibt es nur bei drei kleineren Blättern: Die Junge Freiheit steigerte sich um 11 Abonnenten und Einzelkäufe, Das Parlament um 220 und die Jüdische Allgemeine Wochenzeitung um 78.

Die Seite meedia.de zeigt auch eine Analyse für die Regionalzeitungen. Da sieht es ähnlich aus. In Bremen und Hamburg ging es für den Weser-Kurier und das Abendblatt um die 4% bergab, die Mopo hingegen rutschte mit einem dramatischen Minus von 14,2% weiter Richtung Abgrund. Nur noch 42.057 Abos und Einzelverkäufe sind übrig.

In Nordrhein-Westfalen sticht das 12,4%-Minus des Express Köln/Bonn heraus. Doch auch die 7,0%, die die Westdeutsche Zeitung verlor, sind heftig. Nur in Bayern sind die Verluste gering.

Sicherlich gibt es viele Gründe, die u.a. auch mit der viel zitierten Digitalisierung zusammenhängen. Doch die Krise der Presse ist nicht nur mit technischen Neuerungen zu erklären und zu entschuldigen. Sie ist auch ein Ausdruck für die Vertrauenskrise. Die wiederum haben die Zeitungsmacher selbst zu verantworten.

Sven von Storch

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