Sie halte es für sinnvoll, »wenn jeder, der in diesem Land lebt, verpflichtet würde, mindestens einmal in seinem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht zu haben«, sagte Chebli zu Bild am Sonntag. Die sogleich meldete: »SPD-Politikerin fordert KZ-Pflichtbesuch für Deutsche und Migranten«.
Das gelte »auch für jene, die neu zu uns gekommen sind«, sagte Chebil weiter. »KZ-Besuche sollten zum Bestandteil von Integrationskursen werden.« Gerade bei der dritten Generation von Zugezogenen hat sie Probleme entdeckt: »Sie tut sich deutlich schwerer mit der Identifikation mit Deutschland als meine. Das hat nicht nur, aber auch etwas mit Diskriminierungs- und Ablehnungserfahrungen zu tun.«
Diese »Diskriminierungs- und Ablehnungserfahrungen« sollen durch verpflichtende Besuche in einem KZ abgebaut werden. »Wir müssen aber damit aufhören, deutsche Identität immer in Abgrenzung zum anderen zu definieren«, meint Chebil. »Wir brauchen eine positive Definition, die alle einschließt.« Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen als gemeinsamer Kampf gegen Diskriminierung könne Bestandteil einer solchen positiv besetzten Identität sein.
Ist das nicht eine vereinfachte Darstellung? Damit reitet sie auf der fatalen alte-Nazi-gleich-neue-Nazi-Welle. Der Vorwurf »Nazi« wird vorschnell als Pauschalvorwurf aus der Hüfte geschossen, aber er trifft auf die Geschmähten und Verurteilten von heute nicht zu und verharmlost die Untaten der echten Nazis von damals.
Die beschworenen Gemeinsamkeiten leuchten nicht ein. Die Judenverfolgung unter den Nazis und die von Chebil angeführte Diskriminierung im Alltag, die Asylanten heutzutage erleben, haben kaum etwas gemeinsam. Muslime wiederum haben damals nicht gemeinsam mit den Alliierten gegen die Nazis gekämpft. Sie gehörten bekanntlich nicht zu den Siegermächten, die der Judenverfolgung ein Ende gesetzt haben.
Der Antisemitismus wurde im Nahen Osten 1945 nicht beendet und lebt nun in Deutschland durch den Zuzug von Israel-Feinden wieder auf. Dieser neue Antisemitismus wird fahrlässig unterschätzt, weil allein schon eine sachliche Bestandsaufnahme die unkontrollierte Zuwanderungs-Politik in Frage stellen würde. Diesen neuen Antisemitismus, der nur für uns neu, in den Herkunftsländern dagegen tief verwurzelt ist, mit KZ-Tourismus aufzufangen, ist naiv.
Die Leserbriefe in der Welt zeigen dann auch ein zwiespältiges Echo. Leser befürchten, dass solche KZ-Besuche, die damals auch in der DDR vorgeschrieben waren, entweder gar nichts bewirken oder sogar das Gegenteil erreichen können.
In einem Gastbeitrag auf philosophia perennis wird der Vorschlag als »halbherzig« bezeichnet. »Man fragt sich, welche Strategie sie eigentlich verfolgt. Mal gibt sie die strenggläubige Migranten-Vertreterin, wenn sie ihren analphabetischen Vater, der nach 40 Jahren in Berlin bis heute nicht richtig deutsch spricht, als gut integriert bezeichnet, die Scharia allen Ernstes als verfassungskompatibelbezeichnet ... Dann wieder gibt sie die ultralinke Sozialdemokratin, wenn sie sich gendergemäß und möglichst öffentlich über harmlose Komplimente erregt.«
Zuletzt war Chebil in die Schlagzeilen geraten, weil sie die Bemerkung, dass sie »schön« sei, als sexistisch empfunden hatte.
Zeigt sich in ihrem Vorschlag womöglich eine muslimische Vorstellungswelt? Ein gläubiger Moslem soll einmal im Leben zur Festigung seines Weltbildes und zur Bestärkung seiner positiv besetzten Identität nach Mekka pilgern.
Bento hält es für eine gute Idee. »Alle müssen mal ein KZ besuchen? Super Idee!« Von dieser »Superidee« gibt es auch ein kurzes Video auf youtube.


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