Alexander Wendt war mit seinem Presseausweis als Berichterstatter vor Ort: »Es geht schon mal leicht weißrussisch los«, schreibt er auf Publico: »Wer mit der U 1 zum Startpunkt der Frauendemonstration zum Halleschen Tor in Berlin will, die 15 Uhr starten soll, der hat ab 14.45 Uhr Pech. ‚Wegen einer Demonstration hält der Zug nicht an der Station Hallesches Tor, sondern fährt durch‘, verkündet der Fahrer einen Bahnhof vorher per Mikro. Dabei hat die Demonstration zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begonnen, die Teilnehmer sammeln sich erst.«
Die Sperrung der U-Bahn war unnötig. Damit wurde es allerdings den Teilnehmern schwer gemacht, überhaupt anzureisen. Es war nicht die einzige Behinderung.
Wendt berichtet weiter: » ... versuche ich zu der eigentlichen Frauenrechtsdemo durchzukommen, was sich als schwierig erweist. Erst muss ich durch einen Kordon junger Leute mit schwarzen Kapuzen, dann mit Presseausweis durch eine Polizeiabsperrung und ein Gitter. ‚Schäm dich, schäm dich‘, skandieren die Schwarzkapuzen, als sich das Gitter für mich öffnet.«
Die Demonstration fand unter Polizeischutz statt. Im Hintergrund waren ständig »Nazis Raus!«-Rufe zu hören. Die Gegendemonstrationen sorgten von Anfang an für eine latent aggressive Stimmung.
Wer sich im Netz orientieren wollte, fand mehr Treffer zu den Gegendemonstrationen als zum Frauenmarsch selber. Wendt hatte gleich bemerkt, dass schon bei den Ankündigungen eine deutliche Tendenz zu erkennen war: »Alle Berichte betonen, es habe sich um einen ‚rechten Frauenmarsch‘ gehandelt, das Wort Frauenmarsch wird auch fast durchgängig in Anführungszeichen gesetzt.«
Wendt bemerkt: »Die Berliner Zeitung nennt Leyla Bilge eine ‚selbsternannte Frauenrechtlerin‘, beantwortet aber leider nicht die Frage, welches Amt in Deutschland Frauenrechtlerinnen ernennt. Womöglich das gleiche Amt, das Qualitätsjournalisten zertifiziert?« So sind halt die Standardformulierungen.
Auch Hadmut Danisch sieht sich die Formulierungen, die von der Presse und von den Linksextremen verwendet werden, genauer an und nimmt sich dazu den Text auf Indymedia vor.
Eine gute Analyse, die ebenfalls an der Sprache ansetzt, findet sich auf Faktum unter dem bescheidenen Titel »Notizen zum Frauenmarsch von Berlin«, das über die Sprachbetrachtungen hinaus auch den Verlauf der Demonstration und ihr Scheitern zusammenfasst. »Es ist erschreckend, dass aufgrund von linker Präsenz – Grüne, Linke, Antifa – Grundrechte von Menschen eingeschränkt werden«, heißt es da.
Ein Blick auf die Art der Darstellung und Ankündigungen bei Indymedia oder taz – »Das ist Fake-Feminismus« – lohnt sich schon deshalb, weil man da ersehen kann, wie sich der Sprachgebrauch aus der extrem linken Ecke mit all den offensichtlichen Verdrehungen und falschen Benennungen bis in die Mainstream-Medien durchgesetzt hat.
Die stellen es durchgehend so dar, als wäre die Blockade des Frauenmarsches ein Sieg für die Demokratie gewesen. Typisch ist die Meldung von rbb. Man beachte dabei das Wort »Allerdings«. Es heißt da: »Sie wollten für Frauenrechte demonstrieren. Allerdings ist der sogenannte Frauenmarsch aus dem AfD-Umfeld organisiert worden und richtete sich vor allem gegen die ‚fatale Flüchtlingspolitik der Altparteien‘. Daher formierte sich am Samstag massiver Protest gegen die Demo.«
Auch in anderen Darstellungen reicht schon eine AfD-Nähe, um den ganzen Marsch als »rechten Marsch« zu diskreditieren.
Wendt macht dazu eine kleine Fußnote: »Während die eigentliche Organisatorin Bilge in den meisten Berichten nur kurz gestreift wurde, verzichtete kaum ein Medium auf den Hinweis, der Pegida-Gründer Lutz Bachmann aus Dresden sei bei der Demonstration dabei gewesen. Dabei fehlt der Hinweis regelmäßig, dass er weder zu den Anmeldern noch zum Organisationsteam gehörte.«
Kaum waren die Demonstranten losgezogen, war der Zug ins Stocken geraten. Die Polizei sperrte die Straße, um ein Aufeinandertreffen mit der Gegendemonstration zu verhindern. Die Blockade war zwar nicht rechtmäßig. So wurde sie aber dargestellt.
Vera Lengsfeld schreibt dazu: »‘Die Gegendemonstrationen seien zwar inzwischen als solche anerkannt und somit prinzipiell legal‘, zitiert die Welt zustimmend einen Sprecher.«
Vera Lengsfeld fragt: »Wer hat ‚Gegendemonstrationen‘, bei denen die linksradikale Antifa, auch mit Gewalt Andersdenkende an der Ausübung ihrer verfassungsmäßigen Rechte hindert, für ‚prinzipiell legal‘ erklärt? Sollte ein Medium, das seine Aufgabe als Hüter der Demokratie ernst nimmt, nicht diese kritische Frage stellen?«
»Statt dessen unterstützt die Welt schon in der Überschrift die Sache der Feinde des Grundgesetzes. ‚Gegendemonstranten versperren rechtem „Frauenmarsch“ den Weg‘ lautet die Überschrift ihrer Tendenzberichterstattung.«
Warum ließ die Polizei nicht räumen? Warum machte sie den Weg nicht frei, wie es ihre Aufgabe gewesen wäre? Als Grund wird vermutet, dass die Polizei deshalb nicht gegen die Gegendemonstranten vorging, weil unter ihnen prominente Politiker der Grünen wie etwa Christian Ströbele waren.
Die Epochtimes schreibt: »Fakt ist, dass an diesem Samstagabend in Berlin die Demokratie und die Meinungsfreiheit durch illegale linke Blockierer in die Knie gezwungen wurden. Ob die Berliner Polizei Order von oben für ihre Passivität erhielt, werden die nächsten Tage ergeben müssen, die sicherlich eine politische Aufarbeitung mit sich bringen werden.
Aus dieser Sicht ist der ‚Marsch der Frauen‘ von Frauenrechtlerin, Ex-Muslimin und AfD-Politikerin Leyla Bilge vielleicht doch noch erfolgreich gewesen.«
Hier kann man sich selbst ein Bild machen. In diesem Video ist die Stimmung eingefangen. Man kann auch in etwa abschätzen, wie viele es waren. Die Angaben schwanken zwischen 450 und 3000.


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