Ein neuer Erlass verbietet die „inklusive“ Sprache

Frankreich stoppt die Gender-Sprache

Auch in Frankreich soll die so genannte Geschlechtergerechtigkeit über die Amtssprache durchgedrückt werden. Dem hat nun ein neuer Erlass des Premierministers einen Riegel vorgeschoben – mit einem guten Argument: Die angeblich inklusive Sprache schließt in Wirklichkeit Minderheiten aus.

Freie Welt

Wir haben das Problem schon lange. Die Welt blickt zurück: »33 Jahre sind vergangen, seitdem die Linguistin Luise F. Pusch ihr weg- und irrwegweisendes Buch über 'Das Deutsche als Männersprache' veröffentlicht hat.«

Die Bezeichnung »irrwegweisendend« ist zutreffend. Seit über 30 Jahren sind Streithennen diesen Weg gegangen; seit über 30 Jahren haben Vorkämpferinnen für eine feministische Sprachzerstörung hartnäckig und unerbittlich einen Kulturkampf gegen das Gemeingut der deutschen Sprache geführt. Die Widersprüchlichkeit und Verlogenheit ihrer Initiative war dabei an Anfang an offensichtlich. Dennoch wurden die feministischen Sprachverhunzungen als Machtspiel durchgesetzt – und alle beugten sich, alle machten mit.

Dabei haben vermutlich gar nicht so viele ein Buch von Luise F. Pusch gelesen (hätten sie es getan, hätten sie sich vermutlich nicht so sehr für eine geschlechtergerechte Sprache engagiert, denn die Argumente von Pusch sind – sagen wir mal so – nicht sehr überzeugend). Es ging auch so.

Ohne Theorie. Nur mit Gefühl. Frauen fühlten sich irgendwie ungerecht behandelt von der Sprache, die nun nicht mehr »Muttersprache«, sondern »Männersprache« genannt wurde. Die Frauen wollten unbedingt »sichtbar« gemacht werden, obwohl Sprache etwas anderes ist als Fernsehen. Texte sind nun mal keine Fotos. Sprache macht nicht etwa etwas sichtbar, sondern etwas vorstellbar. Die Bilder, die durch Sprache ausgelöst werden, befinden sich im Kopf des Lesers oder Zuhörers.

Was für ein Krampf die ganze Sache war, zeigt ein kleiner Rückblick: Erst sollten wir Doppelnennungen verwenden, also statt »Studenten« sollten wir »Studentinnen und Studenten« sagen und damit einen Doppelfehler zu machen, der nicht leicht zu erkennen ist – besser gesagt: wir sollten an einer von zwei möglichen Stellen einen Fehler machen.

Entweder sollten wir eine falsche Aufzählung verwenden (nämlich dann, wenn wir es so verstehen, dass die Teilmenge »Studentinnen« in der Gesamtmenge »Studenten« enthalten ist, dann müsste es heißen: Studenten, einschließlich der Studentinnen) oder wir sollten einen falschen Gebrauch von dem so genannten generischen Maskulinum machen (»Studenten« ist nicht gleichbedeutend mit »männliche Studenten«, der Plural ist nicht exklusiv. Dennoch wird er so gebraucht. Wenn wir die Geschlechter benennen und unterscheiden wollten – wozu jedoch bei Nicht-Feministen kein Anlass besteht –, müssten wir sagen: weibliche und männliche Studenten).

Nun hatten wir den Salat: Die Doppelnennung ließ sich nicht konsequent durchführen und brachte bei zusammengesetzten Hauptwörtern ein Chaos (denken wir an das Studentinnen- und Studentenwerk), auch bei neutralen Formen wie »jede/r« oder »jedeR« oder »ein/e« und die Kurzformen wie Student/innen, Student(innen) oder StudentInnen konnten auch niemanden wirklich überzeugen.

Nun begann das feministische Foulspiel. Die Frauengruppen in den politischen Parteien machten sie mehr und mehr zur offiziellen Schreibweise. Schließlich wurde sie für den Schriftverkehr in der Verwaltung zur Vorschrift. Diese Vorgaben, die mehr und mehr mit Sanktionen verbunden waren, nannten sie scheinheilig »Sprachwandel«.

Die Sprache hatte darunter zu leiden: Sie büßte Eleganz, Genauigkeit und ihre Verbundenheit zur Tradition ein. Ein enorm hoher Preis wurde gezahlt. Die Risiken und Nebenwirkungen waren höher als mögliche Wirkungen.

Die Wirkungen sollten darin bestehen, dass wir grundsätzlich die Geschlechter als getrennt voneinander sehen sollten – so krass von einander getrennt, dass sie nicht einmal mehr einen gemeinsamen Begriff haben. Außerdem sollen wir bei jeder Gelegenheit auf das biologische Geschlecht hinweisen, auch dann, wenn es gar nicht darauf ankommt wie etwa bei den »Kontoinhaberinnen und Kontoinhabern«.

Das (falsche) Argument war, dass Frauen in einer Sprache, die nicht geschlechtergerecht ist, ausgeschlossen werden, dass sie unsichtbar gemacht werden, dass sie marginalisiert werden, dass sie diskriminiert werden – und davor müsse sie das Antidiskriminierungsgesetzt schützen.

Es kam noch schlimmer. Es kam Gender. Die Sprache musste nun nicht nur geschlechtergerecht sein, sondern gendersensibel. Eine Doppelnennung reichte nicht mehr. Denn damit würden – wenn man sich auf den Irrweg von Luise F. Pusch begibt und ihn konsequent weitergeht – diejenigen ausgeschlossen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen wollen.

Also kam das Gender-Sternchen, der Unterstrich oder das Partizip: Student*innen, Student_innen oder Studierende. Für Fortgeschrittene gab es noch Vorschläge wie »Professex«, »Profes-sex« oder »Profesecs«.

In Frankreich hat es nun für den Sprachgebrauch in der Verwaltung einen Leitfaden gegeben. Leitfäden wie wir sie auch kennen und besser als »Leidfäden« bezeichnen sollten. In Frankreich nimmt man Pünktchen statt Sternchen. Doch die Pünktchen haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Nun wurde der Sache ein Riegel vorgeschoben.

Frankreichs Premierminister Édouard Philippe hat nun, wie le figaro meldet, seine Beamten aufgefordert die so genannten inklusiven Formen nicht mehr zu verwenden. 

Der Grund ist einleuchtend. Die Sprache ist gar nicht inklusiv, sie spaltet und schließt aus. Der französische Verband der Blinden und Sehbehinderten hatte ein Ende der Pünktchen gefordert. Die brächten eine unlesbare und unverständliche Sprache hervor, die für die Bildschirmleser, wie sie Blinde verwenden, nahezu nicht mehr zu dechiffrieren sei. Die Blinden wurden ausgeschlossen von der inklusiven Sprache.

Wir kennen das Problem auch. Wir müssten nur zuhören. Wie bitte sollten wir ein Sternchen oder einen Unterstrich oder ein steil aufragendes Binnen-I aussprechen?

Vielleicht wird bald schon als Ausdruck für ein gutes Leben nicht mehr die Formel »leben wie Gott in Frankreich« nötig sein, es reicht schon »leben wie ein Beamter in Frankreich« zu sagen. Oder »sprechen und schreiben wie ein Beamter in Frankreich«. Die haben es gut.

Sven von Storch

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