Das einst reiche Venezuela steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, schreibt die kleine Zeitung. Das ist noch sehr zurückhaltend ausgedrückt: In den Supermärkten des Landes gibt es kaum noch Lebensmittel oder Dinge des täglichen Bedarfs. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben bereits mindestens 2,3 Millionen Menschen das Land verlassen. Die Opposition in Venezuela geht sogar von bis zu vier Millionen Flüchtlingen aus. Das wären mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Venezuela blutet aus. Es ist eine humane Katastrophe.
Die Fluchtbewegung hält an. Die Gründe sind Hyperinflation, Lebensmittelknappheit, fehlende medizinische Versorgung und politische Unterdrückung – in einem Wort: Sozialismus. Die Linke schweigt zu dem Desaster. Es war einmal eine Hoffnung für die Linke, doch nach und nach haben sich immer mehr vom Modell des »Sozialismus des 21. Jahrhunderts« verabschiedet.
Die ganze Region ist betroffen. Der Absturz Venezuelas, eines der ölreichsten Länder der Welt, der wirtschaftliche Kollaps und die brutale Unterdrückung der Opposition haben die politische Landschaft Lateinamerikas nachhaltig verändert. Der Massenexodus aus Venezuela hatte begonnen, als Präsident Nicolás Maduro im Jahre 2014 die Proteste gegen seine Regierung blutig niederschlagen und die wichtigsten Regierungsgegner verhafteten ließ.
Die Flüchtlinge aus Venezuela prägen das Straßenbild in Kolumbien. Rund 300 Venezolaner treffen nach einem Bericht des dortigen Radiosenders Caracol täglich neu in der Hauptstadt Bogotá ein. Sie sind inzwischen überall: Sie putzen Autoscheiben an den Ampeln, betteln in den Einkaufsstraßen, verkaufen Kleinigkeiten wie Bonbons oder Plastiktüten. »Immerhin gibt es hier etwas zu kaufen«, sagt eine von ihnen. »In Venezuela gibt es nichts mehr. Es ist die Hölle.«
Manche stehlen und begehen Überfälle. So jedenfalls meldet es die Welt. Eine direkte Auswirkung liegt darin, dass die Ausländerfeindlichkeit zunimmt. Auch die Gewalt nimmt zu. In der Grenzregion Roraima in Brasilien ist es besonders deutlich zu spüren. Die Regierung schickt nun das Militär an die Grenze. Im Jahr 2016 habe Roraima noch die drittniedrigste Mordrate unter den brasilianischen Bundesstaaten innegehabt, heißt es, und auch ein Jahr darauf noch außerhalb der Top Ten gelegen. Seitdem ist die Mordrate auf 27,7 pro 100.000 Menschen geradezu explodiert. Roraima ist damit der gefährlichste Bundesstaat Brasiliens geworden.
Insgesamt elf lateinamerikanische Länder haben nun in einer Erklärung gefordert, einen »Hilfsmechanismus« zu schaffen, um die Krise abzumildern und die Ursachen der Massenflucht aus Venezuela zu bekämpfen. Sie appellierten zudem an Venezuela, humanitäre Hilfe zu akzeptieren und den Ausreisewilligen gültige Personalausweise oder Reisepässe auszustellen.
Venezuela hat die Forderungen umgehend zurückgewiesen.


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