Der Bildungssenatorin Sandra Scheeres von der SPD war eine Petition überreicht worden, die sich »Pro Berliner Neutralitätsgesetz« nennt. Ein linksliberales Bündnis hatte in kurzer Zeit 1.500 Unterschriften gesammelt. Unterschrieben hatten u.a. Prominente wie Alice Schwarzer, Seyran Ates, Necla Kelek oder Lea Rosh.
Ziel der Petition ist es, das Berliner Neutralitätsgesetz beizubehalten. Das Gesetz verbietet Lehrern, Polizisten und Justizbediensteten das Tragen religiöser Symbole wie Kopftuch, Kruzifix oder Kippa.
Das Gesetz ist gut zwölf Jahre alt und ist inzwischen unter erheblichen Druck geraten, seit das Landesarbeitsgericht Lehrerinnen, die wegen ihres Kopftuches an Grundschulen abgelehnt worden waren, eine Entschädigung wegen Diskriminierung zugesprochen hatte. Auch das Bundesverfassungsgericht hatte sich zuletzt gegen ein pauschales Kopftuchverbot ausgesprochen. Was nun?
Nun haben sich auch noch Leiter von betroffenen Schulen eingemischt, haben aus der Praxis berichtet und dabei offenbart, dass die Probleme noch viel gravierender sind, als bisher angenommen und dass es längst nicht mehr nur um die Frage der Kopftücher geht.
»Es gibt bereits heute viele Beispiele von religiösem Mobbing an Schulen«, sagte beispielsweise Hildegard Greif-Groß, die Leiterin der Peter-Petersen-Grundschule in Neukölln. Konkret berichtete sie davon, dass Schüler wegen eines Brotes mit Schweineschinken von streng muslimischen Mitschülern zur Rede gestellt würden, weil der Koran das verbiete.
»Selbst Gummibärchen werden als nicht sauber angesehen«, sagte sie. Denn dort sei tierische Gelatine von Rindern drin, die nicht »halal« geschlachtet wurden. Davon berichtet die Berliner Zeitung.
Der Druck in der Schülerschaft ist enorm. Schon Grundschülerinnen, so berichtet Greif-Groß weiter, würden immer öfter von Familie und Mitschülern unter Druck gesetzt, ein Kopftuch aufzusetzen. »Da gibt der Opa dann 100 Euro dafür.«
Wir soll sich die Schulleitung dazu verhalten? Greif-Groß warnt jedenfalls vor einer »Ghettoisierung von Schulen« in Brennpunkt-Kiezen wie Neukölln-Nord, Wedding und anderswo. So einer Ghettoisierung sieht sie voraus, sollte die Religion dort in Zukunft eine größere Rolle spielen. »Es darf nicht sein, dass wir dann in bestimmten Gegenden eine arabische, eine türkische und eine europäische Schule haben«, sagte sie.
Wenn man der Meinung ist, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, dann kann man beruhigt in die Zukunft sehen. Wenn nicht, dann nicht.


Add new comment