Die Linke bekämpft die Heimat

Wir sollen die neuen Heimatvertriebenen werden

Heimat ist neuerdings etwas, das angeblich nur noch die Rechten und Ewiggestrigen für sich beanspruchen. Deshalb muss aus linker Sicht die Heimat bekämpft werden. Es ist ein bösartiger Trend. Ein Eigentor der Linken, die uns nur etwas nehmen will, aber nichts geben kann.

Freie Welt

Die Abbildung – s.o. – zeigt einen Aufkleber, der neuerdings im Straßenbild auftaucht. Man kann ihn beispielsweise hier bestellen. Man kann sogar für 17 Euro ein T-Shirt mit demselben Motiv erwerben. Ein spezialisierter linker Versand bietet zusätzlich zu den aktuellen »gegen-die-Heimat-Artikel« auch ähnliche, schon bekannte Aufkleber mit Inschriften wie »FCK AFD«, »Refugees Welcome« oder »kein mensch ist illegal«. Es sieht ganz nach einer neuen Mode unter Linken aus. Sie sind gegen die Heimat.

Andere sind für die Heimat. In den letzten Tagen ist die »Zukunft Heimat« aus Cottbus in die Schlagzeilen geraten. Hier stellt sie sich auf Facebook vor, hier rufen sie zu einer Demonstration am 3. Februar auf.

In der Berichten über die Vorfälle in Cottbus – wie beispielsweise in diesem hier im focus – wird der e.V. in ein möglichst schlechtes Licht gerückt, als ginge eine Gefahr von ihm aus (der Bericht im focus ist noch vergleichsweise moderat und lässt die Lächerlichkeit der Vorwürfe gegen den Verein durchscheinen). Ein Großteil der Presse ist jedoch ganz auf Linie gebracht und teilt das neue Feindbild der linken Szene: Der dumme Ossi mit seiner lächerlichen Parole »Heimat«.

Es lässt sich schon seit Jahren beobachten, dass es einen Trend gibt, Heimat negativ zu werten. Das Heimatmuseum in Kreuzberg, das inzwischen »Friedrichshain-Kreuzberg Museum« heißt, ist nicht das einzige Museum, das den Namenszusatz »Heimat« verloren hat. Heimat ist nicht mehr erwünscht. Allein schon das Wort ist nicht mehr erwünscht.

Die Linke kämpft damit nicht etwa gegen ein politisches Programm, sie bekämpft die Sehnsüchte und Träume der Menschen, die sie zu Feinden erklärt haben. Die Linke führt (wieder mal) einen falschen Kampf an der falschen Front. Es ist (wieder mal) ein Kampf, der sich in Zerstörung erschöpft und kein positives Ziel hat.

Die Initiative in Cottbus nennt sich »Zukunft Heimat«. Das sollte einem Linken eigentlich in den Ohren klingeln. Oder haben sie vergessen, dass Heimat einst ihre Utopie war, ihre Vorstellung vom Sinn der Geschichte?

Ernst Bloch, der bekanntlich versucht hat, die Geschichte der Menschheit aus linker Sicht zu erzählen, hat in seinem dreibändigen Werk ‚Prinzip Hoffnung’ ausgemalt, wohin diese Geschichte, wenn sie gut ausgeht, führen könnte. Er wollte so den sozialistischen Bewegungen ein Ziel vorgeben und ihrer Utopie Strahlkraft verleihen.

»Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende ... Mensch«, schreibt Bloch ganz im Sinne der marxistischen Auffassung, dass der Arbeiter des Subjekt der Geschichte ist. Was entsteht denn nun, wenn dieser arbeitende Mensch mit seinen Bemühungen letztendlich Erfolg hat? Es heißt da in dem berühmten letzten Satz: » ... so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.«

Heimat. Das war einmal ein linker Traum.

Sven von Storch

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