Wir müssten eigentlich aufatmen. Die tagesschau meldet, dass es heute deutlich weniger Straftaten gibt. »Die Zahl der registrierten Verbrechen in Deutschland ist nach einem Medienbericht im Jahr 2017 um fast zehn Prozent gesunken«, heißt es.
»Insgesamt weise die polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr 5,7 Millionen Straftaten aus, berichtet die Welt am Sonntag.« Nicht nur die Welt am Sonntag. Die Meldung machte die große Runde durch den deutschen Blätterwald. Auch der focus meldete, dass die Zahl der Verbrechen 2017 um fast 10 Prozent gesunken sei.
Eine Erfolgsmeldung. Zehn Prozent! Das kann man sich leicht merken. Da kann man womöglich sogar eine gewisse Veränderung spüren. Dennoch irgendwie verträgt sich die frohe Botschaft der neu erstellten Statistiken nicht so recht mit der gefühlten Statistik, die wir uns selbst erstellen und mit dem unausweichlichen Eindruck, dass die Verbrechen nicht etwa seltener werden, sondern häufiger.
Hadmut Danisch stöhnt auf: »Mord, Totschlag, Überfall«, heißt sein Blogbeitrag, in dem er beklagt, dass er gar nicht mehr nachkommt, die vielen Meldungen über Morde und Überfälle aus der letzten Zeit zu registrieren und zu sammeln. Es ist ihm inzwischen zu viel.
Nicht nur ihm. Danisch verweist auf eine Meldung aus England, in der die times.co.uk jemandem vom Royal London Hospital in east London zitiert, der aussagt, dass es inzwischen zu seinem täglichen Brot gehört (»the bread and butter« of his work), Kinder mit Schuss- oder Stichwunden zu behandeln. Er sieht voraus, dass es noch mehr wird.
Wenn wir einen nüchternen Blick auf die Zahlen und auf die Größenverhältnisse werfen, müssen wir zugeben, dass bei ca. 80 Millionen Menschen ein Mord pro Tag nicht ungewöhnlich ist. Schon 2011 hatten wir eine entsprechende Relation, wie Danisch, dessen Blog nicht zufällig »Ansichten eines Informatikers« heißt, aufzeigt. Danisch kann mit Zahlen umgehen.
Er zeigt aber noch etwas. Die Zahlen geben immer nur Quantitäten wider, keine Qualitäten. Hier hat eine Veränderung stattgefunden. Die Qualität der Taten hat sich geändert. Das stellt keine Statistik dar: »Früher waren Morde in der Regel noch das, was man aus den Krimis kennt«, schreibt Danisch. »Irgendwie habe ich aber den Eindruck, dass die Kultur-, Ehren-, Gewaltlust- und Platzhirschmorde massiv zugenommen haben. Und weit überproportional oft haben Morde einen Migrationshintergrund.«


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