Werden sie von der BVG heimlich gedeckt?

Sprayer verursachen Millionenschaden

Die einen finden es cool, die anderen lästig. Für die einen ist es Kunst, für andere ist es Sachbeschädigung: Graffiti an den Wagen der U-Bahn. Nun ist der Verdacht aufgekommen, dass die BVG die Sprayer zwar öffentlich verurteilt, sie aber heimlich deckt.

»Ein neues Video der Berliner Sprayercrew 1UP wirft Fragen zum Verhältnis der Sprayer zu einigen Sicherheitsleuten der BVG auf«, schreibt die Morgenpost. »Berlin Summer Nights« heißt ein dreieinhalb Minuten lange Film, der auf Youtube für Furore sorgt. Der professionell gemachte Kurzfilm wird – so wie auch andere Videos der Sprayercrew 1 UP – als Kunstwerk angesehen und bekommt von den meisten Kommentatoren positives Feedback. So meldet es jedenfalls der Berliner Kurier. Seit Jahren treten die Sprayer immer wieder ins Rampenlicht. Inzwischen wurde ihnen gar eine eigene Ausstellung gewidmet, in Zusammenarbeit mit der Fotografin Martha Cooper entstand sogar ein Bildband.

Immer wieder treten die Aktionskünstler mit Kurzfilmen in Erscheinung. Auch in dem neuen Film beschmieren junge Männer, die vermummt sind, Wände, Züge und Bahnhöfe. Brisant ist diesmal, dass sich die Sprüher offenbar gut mit Security-Mitarbeitern verstehen! In einer Szene ist zu sehen, wie die Sprayer auf ihren Touren Security-Mitarbeiter treffen, die sich offenbar im Einsatz der BVG befinden.

Man scheint sich gut zu verstehen, grüßt sich mit Handschlag und Umarmungen. Kontrollen finden nicht statt. In einer anderen Szene treffen die Sprayer zufällig auf einen Arbeiter. Auch er unternimmt nichts. »Tagchen. Erwischt, Jungs«, sagt er und fügt sofort hinzu: »Nein, alles gut.« Die Graffiti-Sprüher können weitermachen.

Diesmal gab es nicht nur positives Feedback. »Ich glaube es nicht«, schrieb ein empörter Nutzer und kommentierte: »Jetzt sind sogar schon die Sicherheitsmänner cool mit denen?« Die Kunst hat nämlich eine Kehrseite: Seit 2003 ermittelt das Landeskriminalamt. Über 300 Strafanzeigen hat es inzwischen gegeben. Geschnappt wurde bisher niemand: Die gesuchte Crew setzt sich immer wieder neu aus verschiedenen Leuten aus dem In- und Ausland zusammen und ist schwer dingfest zu machen.

Die BVG bringt jeden besprühten U-Bahn-Wagen sofort in die Werkstatt, wo das Graffiti wieder entfernt wird. Auch das ist einer der Gründe, weshalb im täglichen Betrieb immer wieder dutzende Wageneinheiten fehlen. Die Schäden durch Graffiti-Schmierereien lagen im Jahr 2017 bei 1,3 Millionen Euro.

Dass Mitarbeiter der BVG möglicherweise einige die Sprayer unterstützen, wäre daher sehr ärgerlich. Deshalb sind sie jetzt aktiv geworden. Ob ein Fehlverhalten von BVG-Mitarbeitern oder Mitarbeitern von Subunternehmen vorliegt, würde nun intern untersucht, teilte die BVG Sprecherin Petra Reetz mit. »Wir haben in der Sache Anzeige erstattet«, sagte sie weiter. Weitere Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Video würde nun die Polizei übernehmen.

Sven von Storch

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