Auf freie welt wurde berichtet, dass Hannover vorangeht und die Gender-Sprache verbindlich machen will. Nun hat auch die Stadt Augsburg – Bild dazu: »Gender-Gaga jetzt auch in Augsburg« – einen Leitfaden für »geschlechtsumfassende Formulierungen« herausgegeben, allerdings ohne den Gender-Stern zu berücksichtigen.
Ja, wie denn nun?, möchte man fragen. Einerseits wird moralischer Druck aufgebaut und es soll generell eine Geschlechtergerechtigkeit eingeführt werden, aber dann weiß niemand, wie genau das aussehen soll.
Die Initiativen von Hannover und Augsburg sind bundesweit auf Kritik gestoßen. Auch in der Schweiz. Stellvertretend sei aus der Neuen Zürcher Zeitung zitiert, die »sprachlich eine Schlampigkeit« feststellt, die angestrebte Umstellung »undemokratisch« nennt und vor allem beklagt, dass sich eine »Kluft zwischen politischen Eliten und der Bevölkerung« auftut. »Der Eingriff in den Sprachgebrauch gehört ins Repertoire autoritärer Regime«, heißt es, »nicht in das einer liberalen Gesellschaft«.
In der Zeit wird erklärt, wie das Unglück entstanden ist und worin die Gefahr besteht. Bedeutend ist der Leitfaden aus Hannover, » ... weil es der erste Leitfaden ist, der sich in seiner Begründung auf das im Dezember 2018 geänderte Personenstandsgesetz beruft.«
Dann folgt ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte: »Diese gesetzliche Anerkennung eines dritten Geschlechts muss nun in der Sprache der öffentlichen Verwaltung einen Niederschlag finden«.
Ja? Muss sie das wirklich? Ist das wirklich so in dem Gesetz vorgesehen? Haben sich das die Beteiligten von Anfang an klar gemacht?
Bemerkenswert ist die folgende Begründung: » … nach jahrzehntelangem Druck der Frauenbewegung ist es ja inzwischen üblich, Frauen ausdrücklich mit anzusprechen, statt sie nur mitzumeinen. Wenn man es aber zwei von drei Geschlechtern zugesteht, sich in der Verwaltungssprache wiederzufinden, kann man es dem dritten kaum verweigern.«
Es war also der jahrzehntelange Druck der Frauenbewegung, der zu der so genannten gerechten Sprache geführt hat. Auch wenn sich einige inzwischen daran gewöhnt haben – diese Sprachregelungen waren von Anfang an Murks, sie waren in sich unstimmig und die Begründungen, die zur Rechtfertigung vorgebracht wurden, waren unwahrhaftig. Nun haben wir den Salat. Mit dem dritten Geschlecht ist dem Modell der geschlechtergerechten Sprache die Grundlage entzogen.
Was wollen sie denn? Erst wollten die Frauen nicht bloß mitgemeint sein und die weibliche Form hervorheben, nun wollen sie unbedingt eine neutrale Form, bei der sie nur mitgemeint sind. Erst wurde »Studenten« durch »Studentinnen und Studenten« ersetzt, nun soll es durch »Studierende« ersetzt werden.
Der folgerichtige Schritt wäre nun, das Scheitern einzugestehen und den Versuch abzublasen, Geschlechterpolitik über die Umgestaltung der Grammatik zu regeln. Richtig wäre es. Doch dann müsste man einräumen, dass die Frauenbewegung jahrzehntelang ein unsinniges Projekt verfolgt hat. Das wird nicht geschehen. Eher wird ein geschlechtsneutrales Kamel durch ein Nadelöhr gehen.
Was aber geschehen wird, ist folgendes: Es wird Strafen geben. »Es ist weiterhin interessant«, heißt es in der Zeit, »dass der Leitfaden nicht als unverbindliche Empfehlung an die Bediensteten der Stadt Hannover verschickt wurde. Stattdessen wurde er … durch ein Personalrundschreiben bekannt gegeben, das "über eine Selbstverpflichtung hinaus(gehe)". Er dürfte damit den Status einer Dienstanweisung haben, sodass Bedienstete mit Sanktionen rechnen müssten, wenn sie den Empfehlungen nicht folgen.«
Bisher wurde man lediglich durch soziale Ächtung gestraft und musste sich den Vorwurf gefallen lassen, ein »Rechter« zu sein, wenn man nicht »gendern« wollte, was schlimme Konsequenzen haben kann. Nun könnten die Bediensteten in Hannover die Ersten sein, die mit weitergehenden Sanktionen rechnen müssen.
Es ist nicht schwer vorauszusehen, dass sie nicht die Letzten sein werden. Bei aller Kritik, die laut geworden ist, es gibt deutliche Signale, dass andere Bundesländer nachziehen und die gender-gerechte Sprache einführen wollen.


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