Nun haben es auch die großen Medien bemerkt

Sieben Messer-Attacken täglich allein in Berlin

Wieder gibt es ein neues Wort, das den gegenwärtigen Zustand in Deutschland kennzeichnet: Messer-Angst. Was tun wir dagegen? Wir warten auf Zahlen und halten eine Armlänge Abstand.

Freie Welt

Es schien fast, als hätten wir uns an Meldungen über Messer-Attacken gewöhnt und wären inzwischen abgebrüht. Einmal hatte es eine Messer-Attacke immerhin bis in eine Talkshow gebracht. Erinnert sich noch jemand an den Bürgermeister von Altena?

Dann war Flaute. Die meisten Messer-Attacken blieben unterhalb der Wahrnehmungsschwelle und galten als lokale Einzelfälle, über die nicht groß berichtet werden musste

Nun kann man allein vor der Menge nicht mehr die Augen verschließen. Die als »Revolver-Blatt« bekannte Bild-Zeitung hat sich angesichts der neuen Entwicklung zu einem »Messer-Blatt« gewandelt und bringt große Bilder von Opfern, sowie erschreckende Zahlen:

»In Hessen steigt die Zahl der Messer-Attacken seit 2014 jährlich an, von 926 auf zuletzt 1194 Fälle.

In NRW kam es seit September 2017 bereits zu 572 Messer-Angriffen. Das ergab eine Auswertung von Polizeiberichten durch die SPD-Landtagsfraktion, die eine gesonderte Aufnahme von Stichwaffen-Angriffen in die Kriminalstatistik fordert.

In Leipzig war die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen, bei denen ein Messer eine Rolle spielte, laut Polizeilichem Auskunftssystem Sachsen im Jahr 2017 (138 Fälle) um 300 Prozent höher als im Jahr 2011 (33 Fälle).

In Berlin gab es 2017 pro Tag im Schnitt sieben Messer-Attacken. Im gesamten Jahr 2737. Das sind rund 100 mehr als im Jahr zuvor, 300 mehr als vor zehn Jah­ren. Von 1828 Tatverdächtigen waren 271 noch jugendlich, 80 Kinder unter 14 Jahren.«

Der Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Oliver Malchow äußerte sich dazu: »Unser Eindruck ist, dass seit mehreren Monaten Fälle zunehmen, bei denen Jugendliche Messer einsetzen oder damit drohen … Es vergehen kaum Tage, an denen nicht Meldungen über gefährliche oder tödliche Messerangriffe bekannt werden.«

Nun hat auch das ZDF das Thema entdeckt und stell die vorsichtige Frage: »Steigt die Zahl der Messerattacken?« – so als wäre die Antwort noch unklar.

In der Sendung ZDF heute heißt es: »In der letzten Zeit gibt es viele Messerattacken. Zumindest scheint es so. Statistiken helfen jedoch nicht weiter, da die Art des Angriffs darin nicht genau aufgeschlüsselt wird. Nordrhein-Westfalen will das jetzt ändern und setzt auf Fakten.«

Dann werden wir wohl noch ein Weilchen auf die Fakten warten müssen und uns so lange damit abfinden müssen, dass es nur so »scheint«, als gäbe es in letzter Zeit viele Messer-Attacken.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in NRW, Michael Mertens, setzt auf Zahlen: Tichys Einblick hat mitgeschrieben, was er dem ZDF gesagt hat: »Es werden immer mehr Messer mitgeführt, Attacken ausgeführt und wir brauchen dringend valide Zahlen, damit wir nicht aus der Bauchebene heraus diskutieren, sondern genaue Gründe haben, warum sowas äh mitgeführt wird.«

Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen Herbert Reul will nicht nur auf Zahlen warten, er will zumindest die Polizisten besser schützen: »Polizisten schützen wir dadurch, dass wir sie mit Schutzwesten ausstatten«, sagte er. Für alle anderen hat er auch einen Tipp: »Und Bürgerinnen und Bürger werden einfach sensibler sein müssen. Man muss nicht unbedingt Menschen nah an sich heranlassen.«

Sven von Storch

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