Die regionale Bild-Zeitung aus Chemnitz nennt es ausdrücklich »schwerste Verbrechen«. Es geht um Mord, Totschlag, Vergewaltigungen und um Schlägereien. Die Zahlen sind dem Innenministerium vorgelegt worden.
Zunächst die Zahlen aus dem Jahre 2016: Mord: 3, Totschlag: 7, Körperverletzung: 960, gefährliche Körperverletzung: 671, Bedrohung: 281, Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung: 7, sexueller Missbrauch von Kindern: 10, Drogendelikte: 268.
Dazu kommen Hunderte Fälle von Diebstahl, Nötigung und Widerstand gegen Polizisten. Das Ministerium betont, dass es sich bei neun der zehn Taten »Mord und Totschlag« lediglich um versuchte Tötungsdelikte handelt.
Schwerste Verbrechen also, die in den täglichen Presseberichten der sächsischen Polizei fast nie auftauchen. Warum nicht?
Eine Sprecherin des Ministeriums sagte dazu: »Welche Sachverhalte die Ermittlungsbehörden für pressefrei erklären, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.« Dabei seien unter anderem öffentliches Interesse und der Schutz der Persönlichkeitsrechte abzuwägen.
Die Welt nennt Zahlen vom Bundeskriminalamt, die nicht nur die Region betreffen. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 registrierte das Bundeskriminalamt 39.400 Fälle von Straftaten in Erstaufnahme- oder Sammelunterkünften. Laut einem 32-seitigen Lagebild zählte das BKA in dem Zeitraum 17.200 Fälle von Körperverletzungen, 6.500 Diebstahldelikte, 2.400 Rauschgiftdelikte, 510 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (einschließlich Versuche) und – besonders dramatisch – 139 Tötungsdelikte (einschließlich Versuche) in Flüchtlingsheimen.
Zurück nach Chemnitz. Hier hat sich im 1. Halbjahr 2017 die Kriminalität in Flüchtlingsunterkünften weiter fortgesetzt. Das belegt eine Antwort von Minister Markus Ulbig (CDU) auf eine Anfrage der AfD: Schon bis Ende Juni gab es mehr als 500 Körperverletzungen, sowie weitere Fälle von Totschlag, Diebstahl, Sachbeschädigung, außerdem Fälle von schwerer Brandstiftung.
Dabei leben inzwischen deutlich weniger Menschen in den Unterkünften. Dennoch ist die Kriminalitätsrate weiterhin hoch. Was könnten die Gründe sein?
Räumliche Enge und psychische Ausnahmesituationen. Das vermutet jedenfalls eine Sprecherin des Ministeriums. Das könnte einen gewissen Effekt haben. »Ein solcher Effekt wird bei heterogener ethnischer und kultureller Herkunft der Bewohner noch verstärkt«, sagt die Sprecherin weiter.
Am Wochenende, so meldet die BZ, brannte es in NRW, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern in Flüchtlingsunterkünften. 21 Personen wurden verletzt. Es gebe keine Hinweise, so die BZ weiter, dass die Brände von Außenstehenden gelegt wurden.
Ein Brand in einer Flüchtlingsunterkunft gilt in der Presse als Beispiel für Gewalt von Rechts.


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