Übergriffe von Schülern sind in Österreich schon länger bekannt. »Ordinär beschimpft zu werden, ist ganz normal«, heißt es in einem Artikel der Krone. Lehrer werden nicht nur beschimpft. »Eine Wiener Lehrerin wurde von einem Schüler an ihren Haaren zu Boden gerissen, ein Bub (so sagt man in Österreich) brach einer Pädagogin zwei Finger.«
Der zuständige Direktor konnte dazu nur mit den Schultern zucken und feststellen: »Es gibt derzeit keine Möglichkeit, dass ein Schüler, der mehrfach gewalttätig und unangenehm und provokant ist, die Schule verlassen muss«. In der Schule gehe es nur noch darum, was man tun könne, damit es dem einen Kind, das Gewalt ausübt, besser gehe. Wie es den anderen 24 Schülern geht, tritt dabei in den Hintergrund.
In Österreich gibt es neuerdings eine so genannte Rechercheplattform, die sich addendum nennt und nun auch zu der Situation an den Schulen recherchiert hat. Viele der Lehrer, die befragt wurden, fühlen sich, wie addendum berichtet, machtlos und von der Schulbehörde im Stich gelassen. Kaum jemand wagt den Schritt an die Öffentlichkeit. Schon gar nicht, wenn man zur sozialdemokratischen Lehrerfraktion gehört. Zu groß ist die Angst vor negativen Konsequenzen im rot-grün regierten Wien.
Die Lehrerin erzählt, sie sei gewarnt worden, mit der Presse zu sprechen. Schnell sei der Vorwurf im Raum, man würde Positionen der rechtspopulistischen FPÖ nach außen tragen. Die Schulbehörden versuchten auch in ihrem Fall, das Interview zu verhindern.
Sie hat es dennoch gewagt und erzählt: »Früher sei sie mit Inhalten noch zu den Schülern durchgedrungen, heute interessieren sich besonders muslimische Schüler kaum noch dafür«. Und weiter: »Ich glaube, der Unterschied zwischen ihrer Welt zu Hause und unserer Welt ist so groß, dass sie das gar nicht mehr auf die Reihe kriegen. Die Scharia ist für viele meiner Schüler sicherlich höherstehend. Das ist schon das Wichtigste, ein guter Muslim und eine gute Muslima zu sein.«
So ist das Problem dann doch an die Öffentlichkeit gelangt. Die Krone schreibt, dass besonders die religiösen Konflikte zunehmen würden. »Im Klassenzimmer tobt ein Kampf zwischen allen möglichen Kulturen«. Abstammung und Religion sei bei den Kindern »leider viel zu wichtig«.
Auch die Welt berichtet jetzt davon und fasst gleich in der Überschrift das Problem zusammen: »In einer Klasse von 25 Kindern muss man 21 integrieren«. Das geht nicht. Nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell nicht. »Das kann keiner schaffen«, wird eine Lehrerin zitiert, die mit Blick auf den hohen Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund fragt: »Wohin sollen wir sie denn integrieren?«
Es ist eine Frage der Mengenverhältnisse. Wien ist ein Magnet für die Migranten im Land. Während im Durchschnitt in Österreich ein Viertel aller Schüler einen Migrationshintergrund hat, ist es in Wien jeder zweite. In den Wiener Hauptschulen sind es gar 70 Prozent.
In dem Fall muss sich der Schüler, dessen Eltern schon länger in Wien leben, anpassen und integrieren.


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