Eine hilflose und nutzlose Aktion

Migranten werden vor den „sieben großen Lügen gewarnt

Das Auswärtige Amt hat eine „Webseite für Flüchtlinge“ in verschiedenen Sprachen ins Netz gestellt, um damit Gerüchte, die über Deutschland im Umlauf sind, zu korrigieren. Doch damit zeigt das Auswärtige Amt nur, wie weltfremd die Politiker in Deutschland sind und dass sie nicht wissen, wie sie mit der Migrationskrise umgehen sollen.

Freie Welt

Ein nicht näher genannter Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte dazu: »Das Ziel ist es, die Deutungshoheit im Netz nicht den Schleusern zu überlassen«. So meldet es Spiegel Online und verweist auf die Seite: RumorsAboutGermany.info.

Die Menschen, die ohnehin in schwieriger Lage sind, sollen, so heißt es weiter, sich keine falschen Vorstellungen machen. »Deshalb setzen wir der brodelnden Gerüchteküche objektive Informationen entgegen.«

Auch der Deutschlandfunk berichtet von der neuen »Kampagne gegen Fake-News« und auch der Stern stellt die »sieben größten Lügen der Schleuser« vor, denen die Bundesregierung entgegentreten will.

Hier sind sie:

Lüge 1

»Die Schiffe für die Überfahrt sind sehr groß, haben einen Pool und sogar ein Kino an Bord.«

Lüge 2

»Deutschland hat allein für Flüchtlinge aus Afghanistan 800.000 Plätze reserviert.«

Lüge 3

»Wir haben eine 25jährige Erfahrung. Der Transport nach Europa ist hundert Prozent legal und erschwinglich.«

Lüge 4

»Große deutsche Unternehmen brauchen ständig neue Arbeitskräfte, daher nimmt Deutschland 5.000 Migranten täglich.«

Lüge 5

»Jeder Flüchtling erhält ein Willkommens-Geld von 2.000 Euro.«

Lüge 6

»Deutschland bietet ein Haus für jeden Flüchtling.«

Lüge 7

» ... und wenn es dir in Deutschland nicht gefällt, dann geben sie dir ein Visum für Kanada.«

Sicherlich gibt es eine brodelnde Gerüchteküche. Aber kann man jemanden mit sachlichen Informationen umstimmen, wenn er ernsthaft glaubt, dass es die Schleuserunternehmen schon seit 25 Jahren gibt? Dass sie sicher und legal sind? Dass sie Passagen anbieten, die erschwinglich sind? Auf Schiffen, die mit einem Swimmingpool und einem Bord-Kino ausgestattet sind? Wer solchen Gerüchten glaubt, dem ist sowieso nicht zu helfen.

Auf der Internetseite ist ein Bild zu sehen: ein überfülltes Schlauchboot. Solche Bilder kursieren sowieso im Netz (ähnlich wie das Bild von youtube). Das soll nun die sachliche Wirklichkeit darstellen, die den Ausreisewilligen präsentiert wird, als wüssten sie es nicht selber und hätten solche Bilder nicht längst schon gesehen.

Es ist ein Skandal: Das Auswärtige Amt rät den Abenteurern nicht davon ab, sich auf die kriminellen Schlepper, die als »trafficker« bezeichnet werden, einzulassen. Das sollen sie ruhig tun. Sie sollen nur ihren unrealistischen Versprechungen nicht glauben. Die Botschaft lautet: steigt in solche Boote, aber erwartet kein Kinoprogramm.

Es ist, als würde jemand einen gestohlenen Gebrauchtwagen kaufen wollen und das Auswärtige Amt würde sagen: Du kannst so ein Auto gerne kaufen, aber du darfst dem Händler nicht glauben, dass es eine Spitzengeschwindigkeit von 300 schafft.

Anders gesagt: Die Sache selber wird nicht in Frage gestellt, es werden nur ein paar Lügen kritisiert, die an Stellen auftauchen, auf die es nicht ankommt. Wer das liest, wird sich denken: Okay, ich riskiere es. Auch auf die Gefahr hin, dass ich in Deutschland kein Visum für Kanada kriege. Kein Haus. Keine 2.000 Euro auf die Hand. Es lohnt sich dennoch.

Der Begriff »Deutungshoheit« ist verräterisch. Er zeigt, dass die Aktion nicht durchdacht ist. Denn die Schleuser haben überhaupt keine Deutungshoheit, die man ihnen streitig machen könnte. Die wichtigste Information, die ein Migrant braucht, ist längst in die Welt. Sie besagt, dass es bereits viele erfolgreich nach Deutschland geschafft haben und hier ein beneidenswertes Leben führen. Einzelheiten interessieren nicht.

Genau diese Information hat die Hoheit. Daran gibt es nichts zu deuten.

Sven von Storch

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