Die Weihnachtsstimmung ist zerstört

Gefährliche Paketbombe in Potsdam

Es gibt eine Entwarnung und zugleich eine neue Warnung: Die Paketbombe, die in Potsdam entdeckt wurde, galt nicht dem Weihnachtsmarkt. Vielmehr sollte der Paketzustelldienst DHL erpresst werden. Das ist kein Grund zur Beruhigung. Folgetaten sind wahrscheinlich. Die Polizei rät zu erhöhter Wachsamkeit.

Freie Welt

Gerade hatte die beschauliche Zeit der Weihnachtsmärkte angefangen, da wäre beinahe eine Bombe geplatzt. So sagt man, wenn man vom »Platzen« einer »Bombe« im übertragenden Sinne spricht. Beinahe wäre es real passiert.

In Potsdam war eine Paketbombe gefunden worden. Der Weihnachtsmarkt wurde evakuiert. Es war die Aufregung zum ersten Advent, der missglückte Start in die Vorweihnachtszeit. Inzwischen geht der Weihnachtsmarktbetrieb in Potsdam weiter.

Nun spricht die Presse – zum Beispiel in Meldungen von Reuters – von einer überraschenden Wende in dem Fall: Den Ermittlungen zufolge handelt es sich um eine Erpressung des Paketdienstes DHL.

Ausgeschlossen sei demnach, dass der Potsdamer Weihnachtsmarkt Ziel der Tat vom vergangenen Freitag war oder dass es einen terroristischen Hintergrund gibt. Man meint regelrecht, ein erleichtertes Ausatmen zu spüren: Ein Glück, diesmal war es kein Terroranschlag.

Eine Entwarnung ist das nicht. Es ist auch nicht nachvollziehbar, wieso in einer Meldung von bento von einer »mutmaßlichen Paketbombe« gesprochen wird, so als wäre die Bombe irgendwie nicht echt. Der focus schreibt: »Die bei einem Apotheker am Potsdamer Weihnachtsmarkt abgegebene Paketbombe war nach den neuesten Erkenntnissen der Polizei sehr gefährlich. Sie hätte bei einer Explosion schwerste Verletzungen zur Folge gehabt.«

Der Spiegel schreibt, dass in dem Paket nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter ein Böller und Hunderte kleine Nägel waren. »Dass es keine Explosion gab, sei offenbar einem glücklichen Zufall zu verdanken, sagte Schröter.« Die Tat sei, so der Minister weiter: »besonders verwerflich«.

Wenn nun ein terroristischer Hintergrund ausgeschlossen wird und stattdessen von einer Erpressung ausgegangen wird, dann besteht weiterhin eine Bedrohungslage für die Bevölkerung. Die Sicherheitsbehörden halten weitere Sendungen für möglich, sogar für wahrscheinlich.

Die Paketbombe steht vermutlich im Zusammenhang mit einer weiteren Tat: In einem Schreiben nehmen die Täter Bezug auf ein Paket, das schon Anfang November an einen Online-Händler in Frankfurt an der Oder geschickt worden war.

Die Täter, die im Raum Brandenburg vermutet werden, verlangen eine Millionensumme von der Deutschen Post. Die Polizei rät zu besonderer Achtsamkeit, weil solche Pakete auch an Privatpersonen geschickt werden könnten. Wir müssen also gar nicht auf einen Weihnachtsmarkt gehen, das Gefühl von einem Anschlag bedroht zu sein, kommt auch zu uns nach Hause.

Die Bild schreibt in einer Eilmeldung: »Den Ermittlern liegt ein Erpresserschreiben vor, in dem der Absender weitere Taten ankündigte.«

Sven von Storch

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