Am 8. März

Frauentag soll gesetzlicher Feiertag werden

Bei dem Landesparteitag der SPD am Samstag stimmte eine große Mehrheit für die Einführung eines Frauentages als gesetzlichen Feiertag für Berlin. Schon im Vorfeld war heftig für so einen Frauentag getrommelt worden. Doch es ist lediglich eine Kompromisslösung von fragwürdiger Bedeutung.

Es war gar nicht einfach, sich zu einigen. »Es ist offenbar gar nicht so leicht, den Berlinern das Geschenk eines zusätzlichen Feiertages zu machen«, kommentiert die Morgenpost. Seit Monaten wurde nun schon in der rot-rot-grünen Koalition darüber gestritten, welcher historisch bedeutsame Tag am besten geeigneten sei, die Wähler zu beglücken und zudem ein politisch gewünschtes Signal auszusenden.

SPD-Chef Müller favorisierte bisher den Revolutionstag 18. März (1848), die Linke war für das Kriegsende 8. Mai (1945). Im Gespräch waren außerdem der Reformationstag am 31. Oktober, um mit dem Nachbarland Brandenburg gleichzuziehen oder der 9. November. Was sollte man nehmen? Nichts davon! Als Kompromiss bot sich der 8. März ab.

Der Durchbruch wurde möglich, weil sich die Linke nun doch für den 8. März entschied, wie die Welt meldete. Die Grünen waren noch unentschlossen, sie würden sich gerne mehr Zeit lassen und am liebsten mit Experten beraten, wie der Tagesspiegel weiß. Aber die Zeit drängt. Bis zum 24. Januar müsste das Abgeordnetenhaus einen Beschluss fassen, damit der Feiertag schon 2019 arbeitsfrei wird.

Nun hat sich – das war entscheidend – auch die SPD für den 8. März erwärmt und so konnten am Wochenende die Weichen gestellt werden, wie rtl meldet.

Mehrere Redner betonten, der Tag sei deshalb als Feiertag besonders geeignet, weil er »für den Kampf um Gleichstellung« stehe, der noch nicht beendet sei.

Vielleicht sollte man bei der Gelegenheit darauf hinweisen, dass der Kampf um Gleichstellung nie das Anlagen der Frauentage war, die bisher stattgefunden haben. Ein kurzer Rückblick:

Am 19. März 1911 gab es den ersten Frauentag, angeregt vom Kampftag für das Frauenwahlrecht, der am 28.2. 1909 in den USA stattgefunden hatte. Der Termin änderte sich im Laufe der Jahre, einmal fiel er auf den 5. Mai, den Geburtstag von Karl Marx; im Jahre 1917 gab es gleich mehrere Tage, die Rote Woche fand vom 5. bis zum 12. Mai statt. Auf der Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau wurde im Jahre 1921 der Termin für künftige Frauentage auf den 8. März festgelegt, um damit an einen Textilarbeiterstreik in Sankt Petersburg zu erinnern

In der Weimarer Republik konnte der Weltfrauentag erst im Jahre 1926 seine Wiederauferstehung feiern – etwas später also, dafür aber in doppelter Ausführung: in der kommunistischen Version mit dem 8.3. als Termin und in der sozialdemokratischen Version ohne festen Termin.

Es gab immer wieder neue Themen. Zunächst ging es um das Wahlrecht. Die Proteste richteten sich dann gegen die Gewährung von Kriegskrediten. Nachdem 1918 das Wahlrecht durchgesetzt und der Krieg beendet war, wurde der Frauentag zunächst ausgesetzt. Themen späterer Aktionstage waren die Forderungen nach regelmäßiger Schulspeisung und nach legaler Abtreibung. 1946 wurde der Frauentag wieder eingeführt, aber nur in der SBZ. Er sollte helfen, den Zwei-Jahres-Plan zu erfüllen.

Es gibt keinerlei Kontinuität. Weder im Termin, noch in den Themen, um die es an so einem Frauentag gehen soll. Da wird einfach aus der Geschichte ein Konstrukt zusammengeschultert, wie es zu den aktuellen Forderungen der Frauenpolitik passt, ob das im Sinne der Vorkämpferinnen gewesen wäre oder nicht.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.