Es erinnert nicht nur an den Wilden Westen mit den berühmten WANTED-Plakaten, die man aus Filmen kennt, es erinnert auch an die Zeit der Fahndung nach den RAF-Terroristen. Da waren Plakate mit Bildern und Namen der gesuchten Terroristen ausgehängt.
In diesem Stil haben Linksextreme in Leipzig Plakate angefertigt, auf denen Polizisten zu sehen sind, die in Hamburg bei dem G20-Gipfel im Einsatz waren. Die werden nun gesucht, als wären sie Terroristen.
Die Leipziger Volkszeitung berichtet unter »Lokales« davon: »„Terroristen“ steht ganz oben auf dem Plakat.« Darunter sind Bilder von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, vom Innensenator der Hansestadt, vom Polizeipräsidenten zu sehen. Darüber hinaus: Fotos von Polizeibeamten, die beim G20-Gipfel im Juli 2017 in Hamburg im Einsatz waren.
Es ist eine Art Fahndungsaufruf, den »Autonome Gruppen« gestartet haben, »um das ganz persönliche Lebensumfeld von Einsatzkräften auszuforschen«, wie es heißt. Ausdrücklich wird auf dem Plakat gefragt: »Wer kann Angaben insbesondere zu Aufenthalts- und Wohnorten der gesuchten Personen machen?«
Es ist anmaßend und widerwärtig. Es wird frech versucht, den Spieß umzudrehen: Polizisten werden zu Straftätern erklärt, die Randalierer von Hamburg sehen sich moralisch im Recht.
Ein zusätzlicher Skandal besteht darin, dass auch in dem Abgeordneten-Büro Linxxnet solche Plakate hängen, die Erklärungen der Verantwortlichen dazu sind mehr als mau. »Viele Beobachter fanden das Handeln der Polizei nicht einwandfrei, es gab Mittel der Polizeigewalt, die nicht mehr verhältnismäßig waren«, sagte die Stadträtin und Landtagsabgeordnete Juliane Nagel auf Anfrage der Leipziger Volkszeitung.
Sie sieht das Abgeordnetenbüro Linxxnet sowieso als »eine andere Form von Abgeordnetenbüro«. Weiter sagt sie: »Es ist ein Raum, der nicht nur durch Abgeordnete geprägt und genutzt wird, sondern es gibt vielfältige Ehrenamtliche, Initiativen und Gruppen, die bei uns Postfächer haben.«
Nun sind auch im Ruhrgebiet Plakate dieser Art aufgetaucht. Davon berichtet dortmund.echo, hier und hier. Auch auf Twitter finden wir Hinweise. Diesmal sind es allerdings nicht Linksextreme, die Polizisten jagen, sondern unbekannte Rechte (das wird jedenfalls vermutet), die Linksextreme mit ihren eigenen Waffen schlagen wollen und sie aus der Anonymität heraus ins Licht der Öffentlichkeit zerren wollen.
Was genau dahinter steckt, ist unklar. »Fest steht jedoch«, meldet dortmund.echo, »dass insgesamt 31 Linke mit Name, Bild und z.T. Adresse an die Öffentlichkeit gerückt werden. Sie sollen, so verkünden die unbekannten Plakatierer, allesamt in Antifa-Gruppen und linken Bündnissen aktiv sein, die fernab von Parteien agieren und das darstellen, was vielerorts als unbestimmter Sammelbegriff 'linke Szene' bekannt ist.«
Die Stimmung ist angespannt und vergiftet. Sind diese Aktionen womöglich Vorboten eines Bürgerkrieges?
(Ein Hinweis: Die Abbildungen der Fahndungsplakate sind verpixelt, die Zeitungen wollten die damit einhergehende Verletzung Persönlichkeitsrechte nicht übernehmen. Die Illustration zu diesem Text ist ein Symbolbild.)


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