Hilft ein Sicherheitssystem mit Fingerabdrücken?

Es gibt zunehmend Gewalt an unseren Schulen

Die Schulen sind zum Austragungsort von Gewalt geworden. Das wurde lange unter dem Deckel des Schweigens gehalten. Nun ist es raus. Was tun? Es gibt den Vorschlag ist, dass sich Schüler mit ihrem Fingerabdruck identifizieren müssen, um sich damit Zugang zur Schule zu verschaffen.

An etwa jeder dritten Grundschule in Deutschland sind Lehrkräfte in den vergangenen fünf Jahren laut einer neuen Studie körperlich angegriffen worden. Das meldet die Morgenpost. In einer anderen Ausgabe berichtete die Morgenpost, dass eine Studie ergeben hat, dass in jeder vierten deutschen Schule Lehrer in den vergangenen fünf Jahren von Schülern körperlich angegriffen wurden. Die Zeitung spricht von einem »düsteren Bild«.

Darüber wurde lange Zeit geschwiegen. Der Senat in Berlin wollte zunächst keine Übersicht über die Gewaltvorfälle geben. Etwa ein Jahr lang mussten Abgeordnete dafür kämpfen, wobei sie auch den Berliner Verfassungsgerichtshof anrufen und für jede einzelne Schule eine Einzelanfrage stellen mussten.

Doch nun, so meldet es der Tagesspiegel, ist es ans Tageslicht gekommen. Insgesamt ergibt sich, dass die Gewaltdelikte an den Schulen in den vergangenen vier Jahren um über zehn Prozent zugenommen haben – von 8.760 im Jahr 2014 auf 9.820 im Jahr 2017.

Der Bildungspolitiker Paul Fresdorf sagte, es sei »hochgradig bedenklich«, dass der Senat die Zahlen derartig unter Verschluss gehalten habe. Doch nun ist es raus. Was nun? Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert eine spezielle Polizeieinheit, um besonders gefährdete öffentliche Schulen zu schützen. Ist das die Lösung?

Es gibt bereits eine rege Zusammenarbeit mit der Polizei. Über 200 Kooperationen mit der Polizei sind bekannt. Schulen sind inzwischen verpflichtet, Krisenteams einzurichten, die bei Gewaltfällen sofort tätig werden können.

Die Morgenpost erwähnt in diesem Zusammenhang einen Vorschlag, der schon im April die Runde machte: »Die Spandauer CDU will Schulen sicherer gestalten und macht einen ungewöhnlichen Vorstoß: Der Eingang zum Schulgelände soll mittels Fingerabdruck-Scanner elektronisch kontrolliert werden. So soll ermöglicht werden, dass alle Schüler und Lehrer in ihre Schule kommen, nicht aber Fremde. Der Fingerabdruck aller Zugangsberechtigten wäre dann elektronisch gespeichert und könnte vom Gerät erkannt werden. Der Vorschlag ist Teil des Leitantrags ‚Zukunft. Schule‘, den die Spandauer CDU am Freitagabend auf ihrem Kreisparteitag beschlossen hat.«

»Auch an den Spandauer Schulen häufen sich Gewaltvorfälle«, heißt es zur Begründung. Elektronische Zugangskontrollen mittels Fingerprint könnten schulfremde Personen besser vom Schulgelände und somit Gewalt von außen fernhalten. Zudem könnten Eltern bei Bedarf per SMS darüber informiert werden, dass das Kind sicher in der Schule angekommen ist.

Der Vorschlag findet keine ungeteilte Zustimmung. Der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, lehnt die Idee strikt ab. »Ich bin grundsätzlich dagegen, dass von unbescholtenen Kindern Fingerabdrücke gespeichert werden«, sagte er. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Daten missbraucht werden.

Das also sind die Schulprobleme von heute: Es droht Gewalt. Es könnten aber auch Daten missbraucht werden. Immerhin sind die Zeiten, in denen niemand davon wissen durfte, vorbei.

 

 

 

Sven von Storch

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