Große Worte, maue Ergebnisse

Die Klimakonferenz ist zu Ende

Schon vor der UN-Klimakonferenz hatte Entwicklungsminister Gerd Müller vollmundig verkündet: »Der Klimaschutz ist die Überlebensfrage der Menschheit.« Hier möchte der Spötter sogleich unterbrechen und fragen: Haben Sie es nicht ne Nummer kleiner? Es wurde dann immer kleiner. Ganz kleinlaut waren schließlich die Ergebnisse.

Die Zeit schreibt zusammenfassend: »Nach dem Beschluss applaudierten die Klimaverhandler, manche fielen sich in die Arme. Jubel gab es aber keinen.« Es gab auch keinen Grund zum Jubeln.

Die deutschen Grünen sprachen, wie der Tagesspiegel meldet, von einer »herben Enttäuschung«. Die zentrale Frage, was die einzelnen Staaten zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels beitragen, blieb »vollkommen unbeantwortet«, erklärten Fraktionschef Anton Hofreiter und die klimapolitische Sprecherin Lisa Badum. »Mit einem technischen Regelbuch allein spart man noch keine einzige Tonne CO2«, kritisierte auch Parteichefin Annalena Baerbock.

Was auch immer in Katowice beschlossen wurde, » … die globale Erwärmung wird dadurch kaum gebremst«, meint der Generalanzeiger Bonn. Die Schuld gibt er der Politik. Allen voran Donald Trump, der hatte den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen schon vorher eingeleitet. China hatte sich auch nicht zur Klimaschutz-Lichtgestalt entwickelt, zu der viele das Land hochloben wollten. Brasilien bekommt nun einen Präsidenten, dem zugetraut wird, ebenfalls das Abkommen zu verlassen.

Doch auch Deutschland bremst. Der Tagesspiegel meint, dass Deutschland bei der Konferenz eine große Chance vertan hätte: »Längst betreibt die Bundesregierung Klimaschutz-Scheinpolitik: Mit dem Kohleausstieg ist man keinen Schritt weiter. Wirtschaftsminister Peter Altmaier trat seiner Kabinettskollegin, Umweltministerin Svenja Schulze, sogar symbolisch vors Klima-Schienbein, als er ihr via deutsches TV zurief: Sie kann in Kattowitz machen, was sie will. Am Ende entscheidet ohnehin die Bundesregierung.«

Auf wetter.de wird geklagt, dass Deutschland die »Klimaziele aufgegeben hätte« und »Nachzügler« geworden wäre. Ann-Kathrin Schneider vom BUND sagte, Deutschland stehe in der »Schmuddelecke«.

Deshalb ist auch die Bundesregierung für ihre »nicht gemachten Hausaufgaben in Sachen Klimaschutz abgestraft worden«, wie der Stern meldet. Deutschland bekam am Rande der Konferenz den Negativpreis »Fossil des Tages« der internationalen Klimabewegung Climate Action Network verliehen – ein Preis, über den man sich »nicht freuen« sollte, wie es in der tagesschau hieß.

Gerd Müller gibt sich dennoch zuversichtlich. Gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen erklärte er: »Ich bin sicher, dass wir unseren Rückstand bei der CO2-Einsparung aufholen werden – das ist auch ein Gebot der Verantwortung und der Solidarität.« Er glaubt weiterhin an die Vorreiterrolle Deutschlands und will auch seinen persönlichen Beitrag dazu leisten; denn Klimaschutz fängt im Privaten an: »Zum Beispiel morgens beim Haarewaschen«, erklärte er: »Ich verwende kein Shampoo, das Palmöl aus nicht zertifiziertem Anbau enthält.«

 

 

 

Sven von Storch

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