Aus japanischer Sicht macht Deutschland schwere Fehler

Deutschland führt uns in den Abgrund

Japan ist sozusagen der Westen des Ostens. Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und ist einer wichtigsten Handelspartner Deutschland. Man rechnet Japan mit zur so genannten westlichen Wertegemeinschaft. Der japanische Blick auf die deutschen Verhältnisse war bisher überwiegend wohlwollend, manchmal sogar mit Bewunderung durchmischt. Traditionell standen die Deutschen in Japan in hohem Ansehen. Das hat sich geändert.

Nun gibt es Verwunderungen über den deutschen Kurs. Frank Rövekamp berichtet davon in der  Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der dramatischen Überschrift »Deutschland führt uns in den Abgrund«.

Rövekamp berichtet, dass der französische Linksintellektuelle Emmanuel Todd in Japan große Resonanz findet und mit seinen Büchern die oberen Ränge der Bestsellerlisten erobert. Schon im Jahre 2015 hatte er mit seinem Buch Das Deutsche Imperium treibt die Welt in den Untergang starke Resonanz gefunden. Darin geht es hauptsächlich um die Euro-Krise.

Diese Kritik wird auch von japanischen Autoren geteilt, etwa von Akira Ikegami und vor allem von Norihide Miyoshi mit seinem Buch Das Deutschlandrisiko – Vom Chaos einer traumtänzerischen Politik. Ikegami ist Deutschland-Experte und war lange Jahre Korrespondent der größten japanischen Tageszeitung mit einer Auflage von zehn Millionen.

Er schreibt von systematischer Selbstüberschätzung, moralischer Arroganz und von Alleingängen ohne Rücksicht auf Verluste. Als Beispiele nennt er den Umgang der deutschen Politik mit der Energiewende, mit dem Euro und mit der Flüchtlingskrise.

Er geht massiv mit der deutschen Berichterstattung über das Unglück in Fukoshima ins Gericht: »Mit deutlicher Empörung weist Miyoshi darauf hin, dass auch zwei Jahre nach der Katastrophe die Grünen-Politikerin Claudia Roth auf ihrer Facebookseite völlig an den Fakten vorbei suggerierte, der Nuklearunfall sei die Ursache für die fünfzehntausend Todesopfer gewesen.«

In dem deutschen Atomausstieg (Japan als betroffenes Land steigt bekanntlich nicht aus) sieht Miyoshi reinen Opportunismus, der die Beziehungen zu den Nachbarländern belastet und überdies gar nicht erfolgversprechend ist.

Im Februar diesen Jahres ist ein neues Buch von ihm erscheinen: Merkel und das nach rechts driftende Deutschland, heißt es. Die Mentalität, die er da beobachtet, beschreibt er so: Sie sei »mit hohen Idealen und Moralvorstellungen ausgestattet«, hätte aber »auf dieser Basis den Sinn für die Realität verloren« und sei »durch ihre Alleingänge einsam und entrückt, insbesondere im europäischen Kontext«.

Ein weiterer großer Fehler der deutschen Politik, der hier nur kurz gestreift werden kann, ist das aus japanischer Sicht problematische Verhältnis von Deutschland zu China. Hier sei Deutschland einfach »naiv«.

 

 

Sven von Storch

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