Ein Herrenmenschen-Modell mit verändertem Vorzeichen

Deutsche Opfer haben für die Tagesschau keine überregionale Bedeutung

Die Tagesschau ist immer noch so etwas wie die offizielle Stimme Deutschlands. Immer noch ist sie bei vielen als Autorität anerkannt. Sie gilt als seriös. In die Kritik geraten ist sie in letzter Zeit, als sie über Morde an Deutschen nicht berichtet hat, weil sie die als unbedeutend einstufte. Die Meldung über einen tatsächlich vergleichsweise unbedeutenden Angriff auf einen Syrer offenbart ein Herrenmenschen-Denken mit verändertem Vorzeichen.

»Ein 20-jähriger Zuwanderer ist in einem Park in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern krankenhausreif geprügelt worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde der junge Mann am späten Mittwochabend von drei Tätern ausländerfeindlich beschimpft und zu Boden geschlagen.« So meldete es die tagesschau.

Und weiter: »Der schwer verletzte junge Mann, der nach eigenen Angaben aus Syrien stammt, wurde zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Ihm wurden unter anderem die Nase gebrochen, dazu kommen Hämatome in Gesicht und Oberkörper. Die Polizei ermittelt und sucht Zeugen.«

Die Polizei ermittelt also noch und sucht nach Zeugen. Dennoch weiß die tagesschau jetzt schon, dass es sich um ein »ausländerfeindliches« Verhalten handelt.

Dem Blog sciencefiles ist das sofort aufgefallen. »Bei dem "ausländerfeindlichen Übergriff", denn dass es sich um einen solchen handelt, das weiß die Tagesschau lange bevor die Polizei überhaupt ein Ermittlungsergebnis veröffentlicht hat (im Gegenteil sucht die Polizei noch Zeugen, wie die ARD mitteilt), sei ein 20jähriger getreten, geschlagen und "bepöbelt" worden. Der junge Mann sei schwer verletzt, so erfahren wir.«

Das gab Michael Klein, der den Blog betreibt, zu denken: »Erinnern Sie sich noch an den Allgemeinmediziner Joachim Tüncher? Er wurde von einem Asylbewerber aus Somalia erstochen. Damals hat die ARD-Tagesschau NICHT berichtet.«

Das wurde auch gerechtfertigt, auf blog.tagesschau erklärte sich der ARD-Chefredakteur Kai Gniffke: »Wir berichten in der Tagesschau über Dinge von gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz. Dinge, die für die Mehrzahl der rund 83 Millionen Deutschen von Bedeutung sind. Dabei können wir nicht über jeden Mordfall berichten.«

Er fragt sich dann, ob man berichten sollte, wenn es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Asylbewerber handelt. Er findet man sollte es nicht tun. Man sollte es nur dann tun, »wenn Asylbewerber überproportional an Tötungsdelikten beteiligt wären. Das ist, soweit wir recherchieren können, nicht der Fall.«

Das ist gleich mehrfach faul: Warum sollte man eine Berichterstattung davon abhängig machen, dass Asylbewerber »überproportional« an Tötungsdelikten vertreten sind? Wie kann man sich vor der Erkenntnis verschließen, dass sie es sogar tatsächlich sind? Es gäbe also eine Rechtfertigung, darüber zu berichten, nach seinen eigenen Maßstäben.

Und warum wird über einen unabgeschlossenen Fall eines attackierten Syrers als Ereignis von überregionalem Interesse berichtet?

Michael Klein von sciencefiles hat dafür nur eine Erklärung: Die Ideologie der Herrenrasse ist in Deutschland nicht tot, sie lebt und hat eine überraschende Wendung genommen.

Sven von Storch

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