Neue Eskalation von Peinlichkeit und Verlogenheit

Claudia Roth wirbt mit Buntstiften für ein buntes Deutschland

Totalitäre Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie ständig neue Kampagnen initiieren und ihren Untertanen Bekenntnisse abverlangen. Claudia Roth wirbt neuerdings mit Buntstiften für ein buntes Deutschland. Es ist ein politischer Offenbarungseid.

Claudia Roth hat sich bunt angezogen und zeigt neckisch eine Packung Buntstifte vor.  Es soll symbolisch sein. Man fragt sich unwillkürlich, wie weit jemand seine Ansprüche heruntergeschraubt haben muss, um sich von so einem Video beeindrucken zu lassen.

So bunt wie diese Stifte, sagt sie, so bunt ist unser Land. Die Vielfalt macht uns »stark und reich«. Sie erklärt uns dann, dass schon im Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Das möchte sie näher ausführen.

Nun folgt eine Kostprobe der leidigen Rhetorik von Negativ-Sätzen, die so typisch für das feministische Lamento sind. Aufgezählt wird, was alles »nicht« ist, was also »nicht« im Grundgesetz steht. Als hätte jemand behauptet, dass es da stünde und als wäre unser bisheriges Leben daran orientiert gewesen.

Es geht, wie Claudia Roth betont, nämlich nicht nur um die Würde des »deutschen Menschen«, nicht nur um die Würde des »männlichen Menschen«, nicht nur um die Würde des »christlichen Menschen«, nicht nur um die Würde des »heterosexuellen Menschen«, nicht nur um die Würde des »jungen Menschen« oder um die Würde des »nicht-behinderten Menschen«.

Stimmt. Menschenrechte und Menschenwürde sind unteilbar. Die Aufteilung erfolgte erst durch die Feministen mit ihrer Formel »Menschenrechte sind Frauenrechte«. Die besagt nämlich, dass es keine Rechte für Männer gibt, deshalb soll auch im Namen der Menschlichkeit die Männlichkeit überwunden werden.

Nur wer sich von der Allgemeingültigkeit der Menschenwürde abgewandt hat, verwendet Begriffe wie »männliche Menschen« oder »heterosexuelle Menschen«. So reden Leute, die ständig neue Trennungen vornehmen und damit neue Feindschaften schaffen.

Roth betont ausdrücklich die Würde von »Q«, die Würde von »Sternchen« und die Würde von »Dazwischen«, als hinge die Würde dieser Menschen, die diesen neu geschaffenen Gruppierungen zugeteilt wurden, davon ab, dass man ihre Gruppenzugehörigkeit erwähnt.

O-Ton Roth: »Ich möchte, dass viele in unserem Land die Realität als Reichtum verstehen, auch als Herausforderung, weil sie uns reich macht. Weil sie uns inspiriert. Weil es nicht eine homogene, amorphe Gesellschaft ist.«

Dann wechselt sie vom Bekenntnis zum Appell. Sie möchte, dass wir ihr helfen, dass wir sie unterstützen. Warum eigentlich? Ist gerade Wahlkampf? Warum muss eigentlich eine Kampagne, die von Regierungsseite losgetreten wird, um unsere Unterstützung bitten? Sie haben doch schon die Möglichkeit, Geldmittel locker zu machen und die richtige Denkungsart optimal zu verbreiten. Was wollen sie denn noch?

Sie wollen unseren Zuspruch. »Unterstützen sie diese Idee eines Lebens in Deutschland«, ruft sie uns zu, »eines bunten Deutschlands, wo niemand Angst haben darf«.

Das ist verräterisch. Sie sagt nicht »... wo niemand Angst haben muss«, sondern »... wo niemand Angst haben darf«. Es könnte also schon sein, dass jemand Angst hat. Aber das darf er dann nicht. Nicht in einem bunten Deutschland.

Sie zählt auf, wer Angst haben darf. Damit sagt sie gleichzeitig, wer nicht Angst haben darf. Auch hier ist es aufschlussreich, sich deutlich zu machen, was gesagt und was verschwiegen wird.

Das bunte Deutschland von Claudia Roth ist ein Land voller Reichtum, voller Herausforderungen und Aufgaben; ein Land, »wo es meine Aufgabe ist, sich vor die Jüdin zu stellen, weil sie Angst hat, in die Synagoge zu gehen. Wo es meine Aufgabe ist, mich vor die Muslima zu stellen, weil sie Angst hat, in die Moschee zu gehen. Wo es meine Aufgabe ist, mich vor Sinti und Roma zu stellen, weil sie Angst haben vor dem wachsenden Ziganismus.«

Weiter geht es mit ihrem persönlichen Wunschkonzert. »Ich will, dass die Menschen hier glücklich sind« – wer will das nicht? Bitte melden!

»Ich will das Deutschland Heimat ist«, verkündet sie. Damit greift sie ein aktuelles Reizwort auf, das erklärungsbedürftig ist. Sie erklärt es dann auch auf ihre ganz spezielle Art, damit es auch derjenige versteht, der keinen Wert auf sinnvolle Sätze und auf korrektes Deutsch legt: »Heimat für jeden Menschen, weil Heimat, die sagt, da gehörst du dazu, da wirst du gebraucht und da bist du glücklich.«

Zum Schluss noch ein Spruch für das Poesiealbum. Dazu hält sie noch mal die Buntstifte ins Bild. »Diese Farben, die so vielfältig sind wie diese Gesellschaft, bringen Ihnen das Glück auch ins Herz«.

Auf diesem Niveau sind wir also angekommen. Hier können Sie, wenn Sie wollen, der Kampagne auf facebook folgen und sie unterstützen.

Sven von Storch

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