Ist das Weltklima noch zu retten?

Wünsche und Warnungen von der Klimakonferenz

Im polnischen Kattowitz – Kattowice – wird zwei Wochen lang darüber beraten, wie die Beschlüsse der Pariser Klimakonferenz von 2015 umgesetzt werden sollen. Es sieht schlecht aus: Es zeichnet sich ab, dass die Klimaziele sowieso nicht erreicht werden. Was nun? Es wird umso lauter Alarm geschlagen.

Worum geht es diesmal? Um Hoffnungen, Signale und Wünsche – vor allem um den Wunsch nach globalem Zusammenhalt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat dazu auf Twitter mitgeteilt: »Gerade in schwierigen Zeiten ist die Weltklimakonferenz immer auch eine Chance für den globalen Zusammenhalt und den Multilateralismus. Ich wünsche mir, dass von Kattowitz das Signal ausgeht, dass die Weltgemeinschaft im Kampf gegen den Klimawandel handlungsfähig ist.«

Über diese Handlungsfähigkeit verhandeln nun die Vertreter aus knapp 200 Staaten und versuchen gemeinsame Regeln zu erstellen. »Jeder soll nach dieser Konferenz wissen, was er zu tun hat, wie er Fortschritte beim Klimaschutz misst und transparent macht. Und jeder soll nachvollziehen können, was der andere tut«, erklärte Schulze weiter. »So entsteht Verbindlichkeit und Vertrauen.«

Aber ist das Vertrauen nicht längst dahin? In Paris war beschlossen worden, die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. »Die bisher weltweit zugesagten Maßnahmen zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase reichen dazu aber bei Weitem nicht aus«, schreibt t-online in seinem Bericht über die Konferenz.

Dabei sind die »weltweit zugesagten Maßnahmen«, von denen die Rede ist, sowieso nicht »weltweit« zugesagt und auch nicht »weltweit« verbindlich. Die Konferenzteilnehmer müssen sich darüber hinwegtäuschen, dass gar nicht alle bei der Rettung des Weltklimas mitmachen und dass es aller Voraussicht nach kein gemeinsames weltweites Handeln geben wird.

Der Zeitplan gilt auch nicht mehr. Auch wenn die Grünen versuchen, Druck zu machen, um den Ausstieg aus der Kohle voranzutreiben. So schnell wird es nicht gehen. Das sieht auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet so, der bereits erklärt hat, der Ausstieg aus der Verstromung von Braunkohle sei eine »Entscheidung für die nächsten 30 bis 40 Jahre«.

So viel Zeit bleibt aber nach Berechnungen der Klimaexperten nicht mehr. Es kommt sogar noch schlimmer: Weltweit ist der Ausstoß an Kohlendioxid 2017 nach UN-Angaben nicht nur nicht gesunken, er ist inzwischen auf nun mehr 53,5 Milliarden Tonnen angestiegen.

Wird unter diesen Umständen von Kattowitz ein Signal ausgehen, das eine grundsätzliche Umkehr bringt und die Weltgemeinschaft zum gemeinsamen Handeln bewegen kann? Wenn nicht, dann sollen wenigstens alle ein schlechtes Gewissen haben. Für das Jahr 2100 haben sie schon ein entsprechendes Horror-Szenarium gezeichnet: Schmelzen der Eiskappen, Anstieg der Meeresspiegel, mehr Wetterextreme.

Sven von Storch

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