Ein bedrohliches Zeichen des Verfalls

Security bei der Notaufnahme an Krankenhäusern

Security - Sicherheit. Das Schlüsselwort zur Erklärung der Stimmung im Land. Es fehlt überall an Sicherheit. Deshalb haben wir Security-Dienste im öffentlichen Nahverkehr, an öffentlichen Plätzen, Parks und Boulevards, in Schulen, bei Diskussionsveranstaltungen. Es gibt eine immer größere Nachfrage nach Sicherheitskräften. Nun auch da, wo man es zuletzt erwartet hätte: bei der Notaufnahme in Krankenhäusern.

Davon berichten die Hannoversche Allgemeine Zeitung und die Hildesheimer Allgemeine. »Ärzte und Pflegepersonal in den Notaufnahmen hannoverscher Kliniken werden immer häufiger von Patienten und deren Begleitern bedroht und sogar körperlich attackiert«, heißt es da.

Deshalb wurden nun Wachleute in den Notaufnahmen eingesetzt, etwa im Nordstadtkrankenhaus. Auch in den Notaufnahmen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Diakovere-Kliniken Friederikenstift und Henriettenstiftung sorgen Wachleute für Ruhe und Ordnung.

Steffen Ellerhoff, Sprecher des Regionsklinikums, erklärte gegenüber der Presse, es sei notwendig geworden, diese Maßnahmen zu ergreifen, um den Mitarbeitern »eine sichere Arbeitsatmosphäre zu schaffen«.

Zuvor seien verbale und körperliche Attacken keine Seltenheit gewesen. Ärzte und Pflegepersonal seien unter anderem geschubst und bespuckt worden, sogar mit Flaschen sei bereits nach ihnen geworfen worden. Deshalb sind in den Diakovere-Notaufnahmen jetzt Glasflaschen verboten. 

Das Spektrum der Übergriffe reiche von verbalen Entgleisungen bis zu tätlichen Angriffen, berichtet Ellerhoff. Dabei seien sogar Mitarbeiter verletzt worden. »Auffällig ist, dass übermäßiger Alkoholkonsum der Patienten oder deren Begleiter eine entscheidende Rolle bei der Eskalation hat.«

Ein anderer Grund wird darin gesehen, dass immer mehr Hannoveraner in die Notaufnahmen kommen, obwohl sie nur Bagatellerkrankungen haben. Das führt zu längeren Wartezeiten, der Frust darüber entlädt sich in Aggressivität gegenüber den Klinikmitarbeitern. 

Es sind Zeichen des Verfalls, die man besonders aufmerksam im Blick haben sollte, weil sie an neuralgischen Stellen auftreten. Es ist eine Stelle, an der eine grundlegende zivilisatorische Übereinkunft greifen müsste: Hier ist Not. Hier wird geholfen. Pflegekräfte und Helfer greift man nicht an.

 

 

Sven von Storch

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