»Als Frau wage ich mich nicht mehr in dieses Viertel. Dort verfolgt mich ein Spalier von Augen, das ist unangenehm«. So zitiert sie der focus. Das Viertel hat sich stark verändert. »Die Geschlechtertrennung nimmt dort zu«, beklagt sie, »auch die Anzahl der getragenen Kopftücher«. Damit würden sich die Frauen einem »patriarchalischen Islamverständnis« beugen. Ramadani sieht in dem Gebrauch des Kopftuches weder eine emanzipatorische Kraft noch eine harmlose Mode: »Ich kenne keine wirklich selbstbestimmte und unabhängige Kopftuchträgerin«, sagt sie.
Man kann die Gründe für die Veränderungen klar benennen. Man kann sie in Zahlen ausdrücken. Der Ausländeranteil in Berlin-Wedding ist, wie auch der focus weiß, hoch, sehr hoch sogar. lm Juni 2017 lebten nach Behördenangaben etwa 85.500 Menschen im Wedding, davon sind 29.000 Ausländer. Darunter sind viele türkisch und arabischstämmige Menschen. Und es werden mehr. Damit verändert sich das Lebensgefühl.
Ramadani ist durchaus umstritten. Sie war Mitbegründerin des Vereins 'Femen Germany', hat sich dabei jedoch vergleichsweise zurückhaltend gezeigt. In einem Interview mit der Berliner Zeitung äußert sie sich überraschenderweise kritisch zu der Mob-Kampagne #metoo und betonte, dass sich Frauen durchaus wehren können.
Jedenfalls in einem Umfeld, das nicht vom Islam geprägt ist. Ist jedoch das Umfeld vom Islam geprägt, dann sieht das anders aus. Ramadani hat ein Buch dazu geschrieben, es heißt 'Die verschleierte Gefahr'. Darin kritisiert sie muslimischer Mütter, die unreflektiert genau die frauenfeindlichen Werte an ihre Kinder weitergeben, unter denen sie selbst gelitten haben.


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