Wie mit Zahlen manipuliert wird

Falschmeldung_ „Jeder vierte Flüchtling hat einen Job

Gute Nachrichten rauschten durch den Blätterwald. Jeder vierte Flüchtling, der seit 2015 nach Deutschlang gekommen ist, habe inzwischen einen Job, hieß es. Eine gute Gelegenheit, sich die manipulativen Tricks der Mainstream-Medien etwas genauer anzusehen.

Die tagesschau hat es gemeldet, viele haben es übernommen: »25 Prozent der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge haben inzwischen eine Arbeit. Das geht aus einem Medienbericht hervor.« Das ist griffig: 25 Prozent. Das macht einen guten Eindruck.

Was heißt es, dass die Zahlen aus einem »Medienbericht« hervorgehen? Der »Medienbericht« beruht auf einer Studie, auf einer Auswertung von Daten, die sich sciencefiles etwas genauer angesehen hat. Hier und hier.

Die erste Frage, die sich Wissenschaftler stellen, lautet: 25 Prozent von welcher Menge? Etwa von der Gesamtmenge der Flüchtlinge, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind? Wirklich? Hat man die alle berücksichtigt? War das überhaupt möglich? Hat man überhaupt die Zahlen zur Verfügung?

An dieser Stelle entsteht bereits die erste Unschärfe, die uns nicht mehr auffällt, weil wir es so gewohnt sind. Es wurde lediglich eine so genannte repräsentative Umfrage gemacht, und zwar vom IAB Nürnberg, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das regelmäßig Zahlen veröffentlicht: Die 25 Prozent beziehen sich auf die Menge der Befragten. Im Jahre 2016 waren das beispielsweise 4.800. Man müsste sich nun genauer ansehen, nach welchen Kriterien diese 4.800 Befragten ausgesucht wurden. Genau das wird nicht getan. Vielmehr wird so getan, als stünde diese Auswahl für alle.

Auf sciencefiles wird es folgendermaßen umformuliert: »Richtigstellung der Pressemeldung:
Nicht jeder vierte Flüchtling, der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge, sondern 25% der im Jahr 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge, die in einer Stichprobe des IAB befragt wurden, haben einen Job.«


Die nächste Frage ist, was es überhaupt für Jobs sind? Gehört jede Form von Tätigkeit dazu, auch eine geringfügige Beschäftigung oder ein vergütetes Praktikum? Bedenken muss man auch, wie viele in Integrationskursen stecken und daher nicht arbeitslos gemeldet sind.

Nach einer Bereinigung der Zahlen, wie sie sciencefiles vornimmt, sind nicht 25 sondern 13 Prozent einer befragten Testgruppe auf dem Arbeitsmarkt untergekommen. In einem Bericht der FAZ, der sich besondere Mühe gibt, die Situation schön zu lügen, wird sogar zugestanden, dass »die Zahl der Sozialhilfeempfänger unter arabischen und afrikanischen Flüchtlingen noch immer sehr hoch“ ist. „Eine knappe Million lebt von den staatlichen Leistungen.«

Es wird auch gefragt, wo die Flüchtlinge arbeiten. »Vor allem in der Gastronomie, aber auch auf dem Bau oder als Sicherheitsleute. Bemerkenswert auch, dass gerade die jungen Männer arbeiten gehen. Also jene, die immer nur als Problemgruppe wahrgenommen werden. 28.000 machen gerade eine Ausbildung.«

Nimmt man allein die beiden gemeldeten Zahlen und setzt sie ins Verhältnis, dann macht es keinen guten Eindruck. In der Frankfurter Allgemeinen heißt es unverdrossen: »Dennoch sind die Zahlen der Arbeitsagentur eine gute Nachricht. Sie zeigen, wie groß der Arbeitswille bei einer Mehrzahl von Flüchtlingen ist, wie sehr sie sich darum bemühen, in Deutschland anzukommen.«

 

 

 

Sven von Storch

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