Die Technik versagt. Die Politik auch

Deutsche Soldaten sitzen in Mali fest

Fast 90 deutsche Soldaten warten seit Tagen auf eine Rückflugmöglichkeit aus dem westafrikanischen Krisenstaat in den Heimaturlaub. Die Technik versagt. Auch die Politik. Hat der Einsatz überhaupt eine Perspektive?

Freie Welt

Etwa 1000 deutsche Soldaten sind in Mali eingesetzt. Was machen sie da eigentlich? Verteidigen sie die Heimat? Hat etwa ein Verteidigungsminister oder eine Ministerin die Parole ausgegeben, dass unsere Sicherheit nicht nur am Hindukusch, sondern neuerdings auch in der südlichen Sahara verteidigt wird? Führen wir da einen Angriffskrieg? Oder gehört das im weitesten Sinne mit zur Landesverteidigung? Werden da Fluchtursachen bekämpft? Oder werden welche geschaffen? Kann jemand, der vor deutschen Soldaten in Mali flieht, in Deutschland Asyl beantragen und Sozialleistungen fordern? Wie lange wollen deutsche Soldaten da bleiben?

Die Fragen mögen sich zynisch anhören – doch im Ernst: Weiß jemand, was unsere Soldaten in Mali machen? Ist das ausreichend vermittelt worden? Haben die Soldaten in Mali das Gefühl, dass die deutsche Bevölkerung hinter ihnen steht, dass sie von zuhause aus unterstützt werden oder müssen sie eher das Gefühl haben, dass weder sie selber noch die Öffentlichkeit wissen, was ihr Einsatz für eine Perspektive hat?

Die Presse weiß vor allem von Pleiten zu berichten. Das lässt den Einsatz der Bundeswehr als tragische Lachnummer erscheinen. Die Soldaten können nicht weg, sie sitzen fest, weil der Rücktransport nicht funktioniert.

Der focus meldet: »Insgesamt 89 in Mali eingesetzte deutsche Soldaten warten seit Tagen auf eine Rückflugmöglichkeit aus dem westafrikanischen Krisenstaat in den Heimaturlaub. Eigentlich hätten die Soldaten schon vor einigen Tagen nach vier Monaten Einsatz nach Deutschland fliegen sollen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Sonntag. Aber ein für die Abholung eingeplanter A400M ist defekt.«

Bei t-online erfahren wir immerhin, dass die Bundeswehr »an einem Stabilisierungseinsatz der UNO in Mali beteiligt« ist. Bei einer Meldung aus der Bild hat man den Eindruck, dass es sich um eine Art Abenteuerurlaub handelt oder um eine mit Militär-Deko aufgemotzte Folge vom ‚Dschugelcamp’: »Pa­trouil­len bei 45 Grad im Schat­ten. An­schlags­dro­hun­gen durch Is­la­mis­ten. Mala­ria-Mü­cken und gif­ti­ge Skor­pio­ne. Mo­na­te­lang leis­te­ten Bun­des­wehr­sol­da­ten ihren Dienst unter knall­har­ten Be­din­gun­gen in Mali.«

Sind sie wirklich auf einer Mission, oder ist es eher ein lästiger Auftrag, bei dem die Sinnhaftigkeit nicht erkennbar ist? Ist irgendjemand im Bundestag von der Mali-Mission überzeugt oder mangelt es an der Überzeugung genauso wie an der Technik?

Bei der Deutschen Welle erfahren wir etwas von den Hintergründen. Es wird berichtet, dass es bereits Tote gab. »Erst im Juli 2017 war in Mali ein Kampfhubschrauber vom Typ Tiger der Bundeswehr abgestürzt und ausgebrannt. Zwei Soldaten starben. Die Ursache war ein technischer Defekt.«

Hoffen wir, dass es nur eine kleine Pleite ist. Hoffen wir, dass nur in diesem speziellen Fall der Rückzug nicht klappt. Hoffen wir, dass sich der Einsatz in Mali nicht zu einer never ending story entwickelt und ein Rückzug immer schwieriger wird.

 

 

Sven von Storch

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