Der Wortschatz verkümmert

Den Kindern fehlen die Worte

Der Wortschatz von Schulanfängern wird immer eintöniger. Als Gründe werden die neuen Medien genannt und es wird auf die Notwendigkeit der Leseförderung verwiesen. Wenn man verschiedene Meldungen zu dem Thema liest, erfährt man noch von einem weiteren Grund für die Verschlechterung der Sprachfähigkeit: der steigende Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund.

»Wir beobachten seit mehreren Jahren, dass die Sprachgewandtheit der Kinder abnimmt«, sagte – wie die Welt berichtet – Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) – und weiter: »Das bedeutet nicht zwangsweise, dass die Mädchen und Buben nicht sprechen können, aber die Vielfalt der Wörter und die Flexibilität im Wortschatz sinkt: Die Kinder sprechen immer eintöniger.«

»Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Schulstart«, sagte Fleischmann weiter. Früher hätten die Lehrer auf viel mehr Reime, Singspiele, Rhythmik und Lieder aufbauen könnten. Heute dagegen herrsche da »teilweise viel Nachholbedarf«. Neben der Sprachgewandtheit nimmt laut Fleischmann auch die Sprechfähigkeit insgesamt ab – immer mehr Kinder haben inzwischen Lautbildungs- oder Wort- und Satzbildungsstörungen.

Die Gründe dafür sind nach Einschätzung der Pädagogin »vielfältig«. Aber so vielfältig sind sie nun auch wieder nicht. Die neuen Medien spielen eine Rolle, vermutet sie; denn da werde immer mehr mit Abkürzungen und mit einem simplen Wortschatz gearbeitet. Aber auch in den Familien werde immer weniger miteinander verbal kommuniziert und auch in den Kindergärten und Krippen werde immer weniger auf gemeinsames Singen und Reimen geachtet.

Der tag24 meldet, dass diese Beobachtung durch Zahlen aus dem Bayerischen Gesundheitsministerium bestätigt werden. So hatte im Schuljahr 2014/15 etwa jedes vierte Vorschulkind eine Sprachauffälligkeit - zehn Jahre zuvor war es nur jedes fünfte. Das zeigte sich bei Untersuchungen, die derzeit verpflichtend bei allen Kindern im Jahr vor der Aufnahme in die erste Klasse durchgeführt werden. Vom kommenden Jahr an sollen diese Untersuchungen noch früher stattfinden.

Das ist sinnvoll. Denn das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen beruht auf Entwicklungsprozessen, die weit vor dem Schuleintritt beginnen. Das optimale Förderalter liegt nach heutigen Erkenntnissen im Alter von 4 und 5 Jahren.

In der Meldung bei tag24 wird noch ein weiterer Grund für die schlechten Ergebnisse bei den Untersuchungen genannt. Es geht nicht nur um die neuen Medien und die Vernachlässigung im Elternhaus. Einer der Gründe ist laut Ministerium der steigende Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in der Schuleingangsuntersuchung.

Der Anteil wird weiterhin zunehmen.

Sven von Storch

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