Ganz unabhängig davon, was Politiker fordern und was Gerichte entscheiden – die Kopftuchfrage wird auf der Straße entschieden und da, wo man am wenigsten eingreifen kann: in den immer größer werdenden islamischen Gemeinden.
Auf dem Blog philosophia perennis wird ein Aspekt angesprochen, der in der Kopftuch-Debatte (die gar keine wirkliche Debatte ist) bisher zu kurz gekommen ist: Das islamische Kopftuch sei nicht vergleichbar mit einem Bäuerinnenkopftuch. Es habe erst recht nichts mit dem modisch-lasziven Kopftuch inzwischen versunkener Zeiten zu tun, auch wenn die Modeindustrie den Hijab als Objekt zum Aufhübschen und als neuen modischen Trend entdeckt hat.
Nein: das Kopftuch spaltet. Es teilt die Menschen in die Gute und in die weniger Guten. In die Reinen und in die Unreinen. In die Beschützten und in die Schutzlosen. Nur ohne Kopftuch wären Frauen wirklich gleich. Ohne Kopftuch wären Frauen und Mädchen wirklich gleichwertig, es wäre dann nicht mehr die eine reiner als die andere, wobei die Reinere erst durch ihre aufgesetzte vermeintliche Reinheit, die andere als unrein und damit als Freiwild für ihre männlichen Glaubensgenossen markiert.
Das Kopftuch hat eine aggressive Ausstrahlung. In dem Blog heißt es: »Unter dem islamischen Kopftuch in Deutschland steckt in aller Regel nicht das unschuldige, gläubige Liebchen, sondern eine, den Ungläubigen, also uns gegenüber, sehr eingebildete und herablassende Frau.«
Da ist sogar von einem »Kopftuchfaschismus« die Rede. Das mag übertrieben wirken, als ein Wink mit der Faschismuskeule, einer anderen Formulierung auf dem Text mag man jedoch bedenkenlos zustimmen: Das Kopftuch, heißt es, ist das »Leichentuch«, das den »Weg mitten ins Herz unserer liberalen Gesellschaft bereitet«.


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