Ja. Der Schaden ist immens: Für die öffentlichen Haushalte ergibt sich pro Jahr eine Summe im dreistelligen Millionenbereich, sagt Karsten Bunk, der bundesweite Leiter der Familienkasse, den der tag24 zitiert: »Wir beobachten diesen organisierten Kindergeldbetrug seit ein, zwei Jahren«.
Auch der focus berichtet davon und schreibt, dass die Bundesregierung bereits im Jahr 2017 davon ausging, dass zahlreiche EU-Ausländer zu Unrecht Kindergeld erhielten – Kindergeld für Kinder, die es gar nicht gibt.
Es lägen »aus Stichproben und Überprüfungen Erkenntnisse über die missbräuchliche Beantragung von Kindergeld vor«, hieß es in einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage im Bundestag, die auch von der Bild zitiert wird. Erkennbar sei demnach »ein Anstieg von Leistungsmissbrauch in organisierter Form.«
Die Familienkassen haben im Jahr 2017 insgesamt 343 Millionen EuroKindergeld an Konten im Ausland überwiesen. Die Zahl der begünstigten Kinder hat sich seit 2010 massiv erhöht, der Betrag hat sich sogar verzehnfacht. Das meiste Geld geht nach Polen, nach Kroatien und nach Rumänien.
Wie funktioniert der Trick? Es werden Landsleute von organisierten Banden nach Deutschland gelockt, die sich mit Hilfe dieser Banden, die bereits Erfahrungen haben, in verschiedenen Bundesländern mit Scheinadressen anmelden. Von den Banden werden die dazu nötigen Unterlagen beschafft. Sie täuschen auch ein Miets- und Arbeitsverhältnis vor.
Die Banden sind gut organisiert und sorgen dafür, dass die in Deutschland gemeldeten, scheinbar arbeitenden Landsleute rechtzeitig anreisen, wenn sie bei Behörden vorsprechen müssen. Sie reisen danach wieder ab und leben außerhalb von Deutschland zusammen mit Frau und Kindern – wenn es denn diese Kinder überhaupt gibt. Die Kinder werden durch gefälschte Unterlagen und gefälschte Schulbescheinigungen oft nur vorgetäuscht.
Die vorgetäuschten Kinder haben Anspruch auf das so genannte EuroKindergeld. Dieses EuroKindergeld wird innerhalb von Europa gezahlt und zwar in der Höhe, wie sie dem Standard eines in Deutschland lebenden Kindes entspricht.
Gemessen an dem, was ein real existierendes Kind in Polen, Kroatien oder Rumänien an Kindergeld erhält, kriegt das fiktive Kind von den auf betrügerische Weise in Deutschland gemeldeten Eltern sogar noch viel mehr.
Das Kind, das es ja gar nicht gibt, kriegt das Geld natürlich nicht. Das Geld geht direkt an die Banden.


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