Miserior stellt der Branche ein miserables Zeugnis aus

Ökostrom und Menschenrechte gehen nicht zusammen

Eine aktuelle Studie des Bischöflichen Hilfswerks Misereor in Aachen kommt zu dem Ergebnis, dass die Hersteller von Windrädern und Photovoltaikanlagen nicht – oder nicht genug – auf die Einhaltung von Menschenrechten bei der Beschaffung ihrer Rohstoffe achten. Die Kritik trifft die Branche an einem empfindlichen Punkt.

Dass die Energie aus Wind- und Solaranlagen nicht so preisgünstig ist, wie vorhergesagt wurde, mag der Kunde hinnehmen, solange er den Strom für »sauberen« Strom hält, der einen Aufpreis wert ist. Doch wie sieht es mit der Sauberkeit in Hinblick auf die Menschenrechte aus?

Misereor hatte 21 Unternehmen aus der Ökostrombranche gebeten, Auskunft darüber zu geben, unter welchen menschenrechtlichen und ökologischen Bedingungen die in ihren Wind- und Solaranlagen verwendeten Rohstoffe abgebaut werden. Zusätzlich wurde abgefragt, aus welchen Ländern diese stammen, inwieweit sie ihrer menschenrechtlichen Verantwortung auf Grundlage der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte mit Bezug auf die Lieferketten dieser Rohstoffe gerecht werden und welche Maßnahmen notwendig sind, um Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Das Ergebnis war mager, sehr mager sogar. Geantwortet haben nur neun Unternehmen. Keine Rückmeldung kam etwa vom Solarmodulhersteller Solarworld aus Bonn, Solarwatt aus Dresden, AEG Power Solution oder GE Renewable Energy. Auch der Ökostromanbieter EWS Schönau blieb Misereor eine Antwort schuldig.

Unternehmen wie Enercon, Vestas oder Senvion hätten keinen Überblick, woher ihre Rohstoffe stammten und unter welchen Bedingungen diese abgebaut würden, stellt die Hilfsorganisation in ihrer Studie »Rohstoffe für die Energiewende« fest.

Primin Spiegel, Hauptgeschäftsführer bei Misereor, erinnerte daran, dass alle Akteure entlang einer Kette Verantwortung tragen. Doch gerade das Prinzip der »gebotenen menschenrechtlichen Sorgfalt« werde von Unternehmen aus der Ökostrombranche nicht oder nicht ausreichend oder gar nicht umgesetzt. »Für eine Energiebranche, die für saubere grüne Energie und Nachhaltigkeit steht, ist dies ein großes Manko«, sagte er der Wirtschaftswoche.

Auch grünes Wachstum habe seine Schattenseiten und sei nicht der makellose Königsweg aus der globalen Umweltkrise. Deshalb müsste sich auch die Ökobranche intensiv um eine faire Beschaffung von Rohstoffen bemühen.

Sven von Storch

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