»Trotz bereits detailliert ausgearbeiteter Pläne wurde das geplante zentrale Silvesterfest auf dem Schlossplatz nun abgesagt. Die Stadt begründet die überraschende Entscheidung mit Sicherheitsbedenken, nötige weiträumige Absperrungen und aufwendige Einlasskontrollen.« So heißt es kurz und knapp auf Bayern online.
Die schwäbischen Landsleute, die das naturgemäß mehr interessiert als die Bayern, wollen es etwas genauer wissen. Was ist los im Ländle? In Stuttgart hatte man sich nämlich tatsächlich einiges vorgenommen. Es sollte nicht gespart werden.
In der Adventszeit wollte die Landeshauptstadt mit mehrere meterhohe Lichtskulpturen, die zwischen dem Königsbau und Neuem Schloss aufgebaut werden sollten, glänzen – im wahrsten Sinne des Wortes: glänzen. Die Kosten, die dafür angesetzt sind, gehen in die Millionen. Stuttgart wollte sich zum Jahresende imposante Glanzlichter aufsetzen und sich nicht lumpen lassen.
Zu Silvester war dann ein gigantisches Feuerwerk vor gigantischer Kulisse geplant. Es sollte nicht – wie sonst leider üblich – wild geböllert werden, die Stadt wollte selber böllern. Und zwar richtig.
Für die große Show hätte man das Gelände weiträumig absperren müssen, um zu vermeiden, dass von außen mit Raketen oder Böllern auf die Menge geschossen werden kann. Das Zünden von Feuerwerkskörpern auf dem Festgelände sollte natürlich untersagt werden.
Safety first. Es sollte viel für die Sicherheit getan werden. »Ziel der Verantwortlichen in Stuttgart ist es nach eigenem Bekunden, es allen Bürgern – von Senioren bis zu Familien – wieder zu ermöglichen, auf dem zentralen Platz der Stadt ohne Angst ins neue Jahr reinzufeiern«, meldeten die Stuttgarter Nachrichten schon im Juni. Denn – das wurde aber nur »hinter vorgehaltener Hand« gesagt – »das sei in den vergangenen Jahren kaum noch möglich gewesen.«
Nun sollte es also wieder möglich werden. Die Veranstalter taten, was sie konnten, sie gaben sich Mühe, doch sie sahen sich letztlich doch nicht in der Lage, das Unmögliche möglich zu machen. Deshalb wurde die ganze Feier abgesagt. Die schöne, teure Lichtanlage soll nun auch nicht – wie ursprünglich geplant – bis zum 6. Januar glänzen dürfen. Sie wird schon zum Jahresende abgebaut. Da man das Gebiet nicht absperren kann und sich nicht vor wilden Böllern zu schützen weiß, will man wenigstens die teuren Leuchten keiner unnötigen Gefahr aussetzen.
Die Zeiten, in denen man in Deutschland noch unbefangen Silvester feiern und sich auf das kommende Jahr freuen konnte, sind vorbei.


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