Schockierende Aussage im Messerstecher-Prozess

In meiner Kultur darf man töten

Ende März hatte ein minderjähriger Syrer auf die 24-Jährige Vivian K. eingestochen. Der Prozess in Hannover findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vivian K. ist dennoch dabei, sie ist geschockt, als der Messerstecher über seinen Anwalt erklären lässt, dass es in seiner Kultur üblich sei, Menschen zu töten.

Der lebensgefährliche Angriff hatte sich vor etwa einem halben Jahr aus nichtigem Anlass ergeben. Vivian K. hatte versucht, einen Streit zu schlichen und wurde dabei schwer verletzt: Eine 10-Zentimeter-Klinge brach ihre Rippen, verletzte Leber, Magen, Niere, Darm. Sie lag im Koma, Milz und Teile der Bauchspeicheldrüse wurden entfernt.

Schon damals hatte der Fall Wellen geschlagen. Die Gewerkschaft der Polizei hatte seinerzeit die Tat zum Anlass für die Forderung genommen, Messerangriffe in die Polizeistatistik aufzunehmen. Zuvor war es nur möglich, Schusswaffen zu erfassen. Das Innenministerium hatte daraufhin bekannt gegeben, dass die Polizeibeamten künftig auch Messer als Tatwaffe angeben können.

Nun kam es zum  Prozessauftakt in Hannover. In der Bild wird ausdrücklich gewürdigt, dass Vivian K. so tapfer war, dem Angreifer gegenüberzutreten: Sie wollte dem Mann, der sie beinahe umgebracht hätte, in die Augen sehen. Der Täter, Abdullah A., der sich selbst als »Musterflüchtling« bezeichnet, hielt lediglich an der schriftlichen Erklärung fest, die sein Anwalt vor schon dem Prozess abgegeben hatte.

Die Erklärung hat es allerdings in sich. Darin heißt es: »Der Beschuldigte kennt es aus seiner Kultur so, dass Konflikte mit dem Messer ausgetragen werden. Er beschreibt die regionalen Bräuche wie folgt: Wird man beleidigt, darf man zustechen. In schweren Fällen darf man die Person töten.« Und: »Er führt aus, dass sein Verhalten nach den religiösen Anforderungen nicht zu beanstanden war und begreift nicht, weshalb er in Haft sitzen muss.«

Schon unmittelbar nach der Tat hatte es heftige Diskussionen gegeben, wie der NDR seinerzeit berichtete. Es ging um Familiennachzug. Der CDU-Politiker Dirk Toepffer hatte gesagt: »Der schwerwiegende Angriff auf offener Straße sollte allen zu denken geben, die den Familiennachzug als liebgewonnenes Allheilmittel für die Integration ansehen«.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte das sofort zurückgewiesen. Man solle »die Kirche im Dorf lassen«, hatte er kommentiert. Die Tat habe mit dem Nachzug »in erster Linie nichts zu tun«.

 

 

Sven von Storch

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