Die Empörung war nicht nur im Netz groß – auch außerhalb der digitalen Welt, wie die tagesschau berichtete. Die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam meinte, eine Verbindung von Anne Frank und einem Zug führe zu Assoziationen mit den Juden-Deportationen während des Zweiten Weltkriegs.
Diese Verbindung sei schmerzlich für Menschen, die die Deportationen miterlebt haben und verursache neuen Schmerz bei jenen, die mit den Folgen der Deportationen leben müssen.
Auch die Anne-Frank-Bildungsstätte in Frankfurt am Main äußerte sich skeptisch. Meron Mendel, der Direktor der Einrichtung, meinte, es dürfe nicht vergessen werden, dass Anne Frank wie Millionen andere europäische Juden in Zügen der Reichsbahn - einer Vorgängerin der Deutschen Bahn - deportiert worden sei.
In einem Beitrag von Maria Ossowski für rbb 24 hieß es knapp: »Ein ICE mit dem Namen Anne Frank ist geschmacklos.« Und weiter: »Züge sind eine Metapher, ein Symbol für den Massenmord an den europäischen Juden. Das Foto mit den Gleisen vor dem Tor von Auschwitz steht ikonographisch für den Holocaust.«
Auch die Frankfurter Allgemeine hat sich dazu geäußert und bezeichnet den Vorschlag der Bahn als »Signalstörung«.
Die Bahn hatte ihre Kunden um Vorschläge gebeten. Die Resonanz nach vier Wochen war, wie die Bahn meldete, überwältigend: über 19.400 Einreichungen mit über 2.500 verschiedenen Namensvorschlägen waren eingegangen.
Eine Jury wählte davon 100 Namen aus und davon 25, die in die engere Wahl kommen sollten. Darunter finden sich Namen wie: Konrad Adenauer, Geschwister Scholl, Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Fritz Walter, Bertha Benz, Karl Marx, Hedwig Dohm, Vicco von Bülow, Albert Einstein und Alexander von Humboldt.
Ausgerechnet der besonders häufig genannte Vorschlag – Anne Frank – erregte die Gemüter. Die Bahn teilte mit, sie sei sich ihrer Verantwortung bewusst und setze sich kritisch mit der Geschichte ihrer Vorläuferorganisationen auseinander.


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