Ein Arzt gibt auf und enthüllt

Aus Flüchtlingen wurden Medizintouristen

Jahrelang hatte sich ein Arzt in Deggendorf um Flüchtlinge gekümmert. Nun schmeißt der hin: Das Klientel der Flüchtlinge habe sich verändert, erklärt er. Wo er früher verwundete Menschen behandelt habe, werde er jetzt von Medizintouristen auf der Suche nach einer neuen Hüfte belästigt.

Die Bild verkündet es auf die gewohnt reißerische Art: »Da kommen jetzt Leute, die wollen Viagra«, heißt es.

Die Bild zitiert einen Arzt, der sich in der Zeit offenbart hatte. Er hat nun die Konsequenzen gezogen und hat sich entschlossen, keine Asylbewerber mehr zu behandeln, er spricht von einer »schleichenden Eskalation« und sogar von »Medizintourismus«.

Auch der focus berichtet von den Zuständen in den so genannten Transitzentren. In diesen Zentren sind Flüchtlinge untergebracht, denen nur eine geringe Bleibeperspektive eingeräumt wird, weil sie aus Ländern kommen, in denen ihnen weder Krieg noch Verfolgung drohen. Im Deggendorfer Zentrum beispielsweise leben vor allem Asylbewerber aus Sierra Leone und Aserbaidschan.

Bewohner dieser Transitzentren bekommen keine Sprachkurse und dürfen nicht arbeiten, sie haben aber Anspruch auf medizinische Grundversorgung. Manche Asylbewerber verlangten ein neues Gebiss oder eine neue künstliche Hüfte. Oder sie kämen »motorisch völlig unauffällig« in das Behandlungszimmer und klagten über starke Schmerzen, für die sie dringend Schmerzmittel benötigten.

Der Arzt schätzt, dass fünfzig Prozent der Asylbewerber Forderungen dieser Art stellten.

Sven von Storch

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