Natürlich können die Kleinen noch nicht so antworten, wie es Erwachsene können, aber sie sollen so früh wie möglich lernen, ihre Zustimmung zu geben. Eltern sollten innehalten und mit dem Kind Augenkontakt herstellen und es fragen: »Ich werde jetzt deine Windeln wechseln, ist das okay?«
Das hatte die Sexualpädagogin Deanne Carson im australischen Fernsehsender ABC news vorgetragen. Kinder sollten damit vor sexuellem Missbrauch geschützt werden. Eine kuriose Idee, mag man denken, nicht mehr.
Doch es passierte mehr, wie die Welt berichtet. Die Resonanz war heftig. Ein Sturm der Entrüstung brach los. Carson wurde als »linke Verrückte« beschimpft, sie erhielt sogar Morddrohungen. Man spricht inzwischen von »Nappygate«. »Nappy« heißt Windel. Seit Watergate wird immer dann ein »-gate« angehängt, wenn sich etwas zu einem großen Skandal entwickelt. So war es. Bei sexuellem Missbrauch und bei Kinderrechten hört der Spaß auf.
Die Aktivistinnen meinen es bitterernst. Das Publikum ist zunehmend genervt von der Entwicklung, die sich abzeichnet: Heute müssen bei jeder Gelegenheit die Rechte anderer beachtet werden. Heute sollen wir bei jeder Gelegenheit daran denken, dass sexueller Missbrauch vorliegen könnte. Heute müssen wir bei jeder Gelegenheit die Zustimmung der möglichen Opfer einholen, damit die sich später nicht beklagen.
Carson, die sich selbst als Stimmen der »mutigen Überlebenden von sexuellem Missbrauch« sieht, hat ihren Facebook-Account gelöscht und mitgeteilt: »Die Arbeit, die wir mit Kindern, Lehrern und Eltern machen, ist ein internationales Erfolgsmodell zur Prävention von Missbrauch. Sie lehrt Kindern ihre Rechte und ihre Verantwortung und verbindet sie mit Menschen, die helfen können.«
Wenn man sie beschimpft, dann würde damit die Stimme einer »mutigen Überlebenden« von »sexuellem Missbrauch«, wie sie sich nennt, »zunichte« gemacht.


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