Für den Herbst erwarten die Fachleute der Bundesbank »neue Höchststände bei der Inflationsrate«, so der Monatsbericht. Mit dem Auslaufen der Maßnahmen des Entlastungspakets im September dürfte diese nochmals spürbar steigen. Für zusätzlichen Kostendruck sorgten in den nächsten Monaten laut Bericht die Anhebung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns und die Abwertung des Euro. Außerdem solle im Oktober eine Umlage auf die Gastarife eingeführt und gleichzeitig der Mehrwertsteuersatz auf Gas gesenkt werden.
»Insgesamt könnte die Inflationsrate im Herbst eine Größenordnung von 10 Prozent erreichen«, so die Experten der Bundesbank.
Die Wirtschaftsleistung in Deutschland war im Frühjahr 2022 »auf der Stelle getreten«, so die Bundesbank. »Im zweiten Quartal stagnierte das saisonbereinigte reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemäß Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorquartal.«
Im Sommerquartal werde die deutsche Wirtschaftsleistung nach derzeitiger Einschätzung daher abermals stagnieren, prognostiziert die Bundesbank. Der vom Marktforschungsinstitut GfK ermittelte Konsumklimaindex und der ifo-Geschäftsklimaindex seien beide deutlich zurückgegangen.
»Zweistellige Inflationsraten wurden in Deutschland das letzte Mal vor über 70 Jahren gemessen«, sagte der Präsident der Deutschen Bundesbank Joachim Nagel im Interview mit der Rheinischen Post. »Im vierten Quartal 1951 waren es nach den damaligen Berechnungen 11 Prozent.«
Das Thema Inflation werde 2023 nicht verschwinden, sagte Nagel der RP. Lieferengpässe und geopolitische Spannungen dürften fortwirken. … Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass die Inflation höher ausfällt als bislang prognostiziert und wir im nächsten Jahr im Schnitt eine sechs vor dem Komma haben.«
Wenn sich die Energiekrise zuspitzt, erscheine eine Rezession im kommenden Winter wahrscheinlich, so Nagel.


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