Höchste Inflationsrate seit 70 Jahren

Bundesbank-Chef_ Rezession und 10% Inflation im Herbst wahrscheinlich

Die Deutsche Bundesbank erwartet eine Inflationsrate von 10% oder mehr im Herbst, eine Rezession sei im kommenden Winter wahrscheinlich, so Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Das wäre die höchste Inflationsrate seit 1951.

Für den Herbst erwarten die Fachleute der Bundesbank »neue Höchststände bei der Inflationsrate«, so der Monatsbericht. Mit dem Auslaufen der Maßnahmen des Entlastungspakets im September dürfte diese nochmals spürbar steigen. Für zusätzlichen Kostendruck sorgten in den nächsten Monaten laut Bericht die Anhebung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns und die Abwertung des Euro. Außerdem solle im Oktober eine Umlage auf die Gastarife eingeführt und gleichzeitig der Mehrwertsteuersatz auf Gas gesenkt werden.

»Insgesamt könnte die Inflationsrate im Herbst eine Größenordnung von 10 Prozent erreichen«, so die Experten der Bundesbank.

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland war im Frühjahr 2022 »auf der Stelle getreten«, so die Bundesbank. »Im zweiten Quartal sta­gnierte das saisonbereinigte reale Bruttoinlands­produkt (BIP) gemäß Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vor­quartal.«

Im Sommerquartal werde die deut­sche Wirtschaftsleistung nach derzeitiger Ein­schätzung daher abermals stagnieren, prognostiziert die Bundesbank. Der vom Marktfor­schungsinstitut GfK ermittelte Konsumklima­index und der ifo-Geschäfts­klimaindex seien beide deutlich zurückgegangen.

»Zweistellige Inflationsraten wurden in Deutschland das letzte Mal vor über 70 Jahren gemessen«, sagte der Präsident der Deutschen Bundesbank Joachim Nagel im Interview mit der Rheinischen Post. »Im vierten Quartal 1951 waren es nach den damaligen Berechnungen 11 Prozent.«

Das Thema Inflation werde 2023 nicht verschwinden, sagte Nagel der RP. Lieferengpässe und geopolitische Spannungen dürften fortwirken. …  Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass die Inflation höher ausfällt als bislang prognostiziert und wir im nächsten Jahr im Schnitt eine sechs vor dem Komma haben.«

Wenn sich die Energiekrise zuspitzt, erscheine eine Rezession im kommenden Winter wahrscheinlich, so Nagel.

Sven von Storch

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