Nigel Farage: Warum meine Bank mir gekündigt hat

Wir bewegen uns auf ein Stasi-artiges Social-Credit-System zu

Der britische TV-Kommentator und ehemalige UKIP-Chef Nigel Farage hat umfangreiche Dokumente eingesehen, die begründen, warum seine Hausbank Coutts ihm Ende Juni das Konto geschlossen hat. Der Bericht erinnere ihn an die »Stasi«, so Farage, und führe rein ideologische Gründe auf, warum er ein »Rufschädigungsrisiko« darstelle, so Farage im Daily Telegraph:

Von Nigel Farage

Endlich ist die Wahrheit darüber ans Licht gekommen, warum die Coutts Bank beschlossen hat, meine Konten Ende Juni zu schließen.

Mein Schicksal wurde am 17. November 2022 auf einem Meeting des »Rufschädigungsrisikorats« der Bank besiegelt. Die Führungskräfte einigten sich darauf, dass ich, sobald meine Hypothek ausläuft, »entbankt« werden sollte. Ich weiß das, weil ich Zugang zu meinen persönlichen Daten beantragt habe. Daher habe ich den 36-seitigen Überwachungsbericht eingesehen, der bei diesem Treffen verwendet wurde, um diese außergewöhnliche Maßnahme im reinsten Stasi-Stil zu rechtfertigen. Dieser Bericht ist schockierend, um es offen zu sagen.

Zunächst einmal hatte Coutts' Entscheidung, mich zu stornieren, nichts mit meinen Finanzen zu tun. Entgegen den rufschädigenden Äußerungen, die die BBC und die Financial Times in diesem Monat über meine Vermögenswerte gemacht wurden, die angeblich unter die Kontoführungsschwelle der Bank gefallen seien, wird im Bericht mehrmals festgestellt, dass meine »wirtschaftliche Lage« solide sei und meine Mittel »ausreichend, um mich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als Kunde zu zu behalten".

Es wird darin sogar anerkannt, dass ich als Kunde finanziell ein positiver Nettobeitrag zur Bank bin. Wer auch immer bei Coutts dachte, es sei klug, freundlich gesinnten Medien Lügen über mich zu zu erzählen, hat sich leider geirrt.

Ich glaube, dass Coutts mich aus persönlichen und politischen Gründen ins Visier genommen hat, denn der Bericht liest sich eher wie die Klageschrift der Staatsanwaltschaft in einem Prozess gegen einen  Schwerverbrecher. Es wurde ein monatlicher Pressespiegel ´über mich durchgeführt. Meine Social-Media-Konten wurden überwacht. Alles, was als "problematisch" angesehen wurde, wurde protokolliert. Ich wurde von mein er Bank beobachtet.

Dieser Bericht ist der Beweis dafür, dass jeder Coutts-Kunde, der auch nur ansatzweise konservative Ansichten hat, mit Verachtung gestraft wird. Meine Freundschaft mit der Familie von Novak Djokovic, der bei seiner Überzeugung standhaft blieb, selbst zu entscheiden, ob er sich gegen Corona impfen lassen will möchte, wird auf in der Stasi-Akte meiner Bank erwähnt, ebenso die Tatsache, dass ich einen Witz von Ricky Gervais geteilt habe und meine Überzeugung, dass Großbritannien die Europäische Menschenrechtskonvention verlassen sollte.

Was haben diese Dinge mit meinem Bankkonto zu tun?

Der Brexit wird 86-mal erwähnt

Der Ton dieser Akte ist durchweg beschuldigend und vorwurfsvoll. Die Tatsache, dass der Brexit 86-mal erwähnt wird, sagt uns vielleicht alles, was wir wissen müssen.

Zwischen 2014 und 2016, als ich erstmals bei Coutts ein Konto hatte, gab es nie Probleme. Nachdem der Brexit Realität wurde, änderte sich alles. Dies kann nur auf meinen Status als führender Verfechter der Unabhängigkeit Großbritanniens von der EU zurückgeführt werden.

Russland wird ganze 144 Mal erwähnt. Ich habe immer gesagt, dass nach dem Brexit und Donald Trumps Sieg in USA 2016 die globalistische Elite sich alle Mühe gegeben hat, diejenigen zu untergraben, die an vorderster Front stehen und alles bedrohen, was den Status quo gefährdet. Dabei wurde sie von den Mainstream-Medien in Großbritannien und Amerika angefeuert.

Wladimir Putins Russland war die offensichtliche Wahl für ihre Rufmordkampagne. Tatsächlich wird der Labour-Abgeordnete Sir Chris Bryant zweimal mir seiner Falschbehauptung erwähnt - die er im letzten Jahr im Parlament gemacht hat, aber außerhalb des Parlamentes nie wiederholt hat - dass ich in einem Jahr "von der russischen Regierung" 548.573 Pfund erhalten hätte.

Dennoch stellt der Coutts-Bericht zähneknirschend fest, dass keinerlei Beweise für meine Verbindungen zu Russland gefunden wurden. Und wenn es welche gegeben hätte, hätten sie sie gefunden, so gründlich haben sie gesucht.

Eine weitere hanebüchene Verleumdung ist meine Darstellung als »rassistisch und fremdenfeindlich«. Ich würde argumentieren, dass dies mehr über die Denkweise dieser elitären Gestalten aussagt, die in der Londoner Bankenbranche arbeiten, als über mich.

Die Wahrheit ist, dass in den letzten Jahren die meisten privaten Unternehmen  und öffentlichen Institutionen von einer neuen Form des extremen Linksliberalismus erfasst wurden, die ironischerweise extrem illiberal ist.

»Mit den Ansichten von Coutts nicht im Einklang«

Die außergewöhnlichsten Kommentare von allen sind die Passagen des Berichts, in denen von mir behauptet wird, dass ich »mit den Ansichten von Coutts nicht im Einklang stehe“ und mir gekündigt werden müsse, weil ich die »Vielfalt, Politik und Ziele« von Coutts nicht unterstütze. Als ob Großbritannien ein politisches Regime sei und ich ein Dissident.

Was sollen wir von diesem Wort »Ziele« halten? Sicherlich besteht das Ziel eines kommerziellen Unternehmens darin, mit Integrität zu handeln und Gewinne für die Anteilseigner zu erzielen - im Falle von Coutts übrigens für uns alle. Denn der größte Aktionär ist der Staat, der einen Anteil von 38,6 Prozent an dieser Bank und der breiteren RBS-Gruppe, einschließlich NatWest, besitzt.

Vergessen wir nie: Im Jahr 2008 haben die Steuerzahler die Banken wegen der Gier und Dummheit ihrer Führungskräfte gerettet. Jetzt sind Banken wie Coutts damit beschäftigt, politische Spielchen zu spielen, anstatt sicherzustellen, dass wir eine angemessene Rendite erhalten. Ihre Verachtung für die Öffentlichkeit kennt keine Grenzen.

Wie ist Coutts in dieses schreckliche Dilemma geraten? Ich bin sicher, die Antwort lautet, dass man sie noch nie deshalb zur Rechenschaft gezogen hat. In den letzten Jahren haben Tausende Kunden aller Banken ihre Anträge auf Kontoeröffnung abgelehnt bekommen, oder bestehende Konten geschlossen.

Dies geschieht aus verschiedenen Gründen. Vielleicht nimmt ein Unternehmen aus Sicht der Bank zu viel Bargeld ein. Eine andere Möglichkeit besteht darin, als politisch exponierte Person oder als Mitglied ihrer erweiterten Familie eingestuft zu werden. Aber bestehende Regeln bedeuten, dass die Banken eine "De-Banking" niemals erklären müssen.

Ich bin wahrscheinlich die erste Person des öffentlichen Lebens, die das Verhalten unserer Bankenindustrie auf diese Weise in Frage stellt. Es ist offensichtlich, dass Coutts dachte, es könnte sich aus meinem »De-Banking« herausreden, dass es und vielleicht gut für ihr Image sei. Falsch gedacht.

Ich finde es außergewöhnlich, dass es in der modernen Unternehmenswelt Großbritanniens anscheinend wichtiger ist, »politisch korrekt« zu sein als Gewinne zu erzielen. Genau wie in Amerika Bud Light die Wahrheit des Mottos »go woke, go broke« erleben musste, könnte dies auch für britische Banken zutreffen.

»Sie könnten der Nächste sein«

Leider ist Coutts nicht das einize Unternehmen, dass »unannehmbare« Kunden loswerden will. Ich wurde inzwischen von 10 weiteren Banken abgelehnt. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, jemals wieder ein britisches Bankkonto zu besitzen. Zum Glück gibt es im 21. Jahrhundert über Fintech-Unternehmen andere Möglichkeiten, meinen persönlichen Zahlungsverkehr abzuwickeln. Es ist zwar kein Bankkonto, aber ich werde überleben.

Aber hier geht es nicht nur um mich. Sie könnten der Nächste sein. Refinitiv, die britische Schufa, überprüft Social-Media-Beiträge auf Facebook und anderswo . Wenn dieser Problematik nicht Einhalt geboten wird, bewegen wir uns auf ein Social Credit System à la China zu, bei dem nur diejenigen, die die »richtigen« Ansichten haben, an der Gesellschaft teilnehmen dürfen.

 Was Coutts betrifft, so bin ich nach wie vor sehr verärgert über die Behandlung, die ich erfahren habe - und ich werde die weiteren Schritte mit meinen Anwälten besprechen.

 

 

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.