Lügt die Trump-Regierung über Epstein?

Mike Benz_ Jeffrey Epstein arbeitete seit 1981 mit der CIA zusammen

Warum tut sich die Trump-Regierung mit der Offenlegung der Akten um den verstorbenen Kinderhändler Jeffrey Epstein so schwer? Eine mögliche Erklärung: Epsteins Karriere ist schon seit 1981 eng mit der CIA verwoben, so US-Geheimdienstexperte Mike Benz.

Seit der Verhaftung und dem rätselhaften Tod des verurteilten Kinderschänders Jeffrey Epstein 2019 ranken sich Gerüchte um seine Verbindungen zu den Geheimdiensten. Der US-Bundesstaatsanwalt und spätere Wohnungsbauminister Alex Acosta hatte bei seiner Anhörung 2018 ausgesagt, ihm sei vermittelt wurde, er solle Epstein mit Samthandschuhen anfassen, da dieser »vom Geheimdienst« sei.

Ursprünglich hatte die Trump-Regierung versprochen, die Epstein-Kundenliste zu veröffentlichen, die mutmaßlich sehr viele prominente und mächtige Namen enthält. Axios hat am Montag ein Memo des Justizministeriums veröffentlich, nach dem es gar keine Kundenliste gebe. Trump-Anhänger reagierten mit einem wütenden Shitstorm im Internet und sprachen von Verrat (Freie Welt berichtete).

Bei einer Kabinettssitzung am Dienstag mit Justizministerin Pam Bondi an seiner Seite wurden Trump und Bondi nach dem Memo, Alex Acostas Aussage und möglichen Geheimdienstverbindungen Epsteins gefragt. Trump warf sich für Bondi in die Bresche und reagierte wütend: »Reden Sie im Ernst immer noch über Jeffrey Epstein? Das ist doch ein alter Hut«, sagte Trump: »Interessieren sich die Leute immer noch für dieses Ekelpaket? Das ist unglaublich. (zu Bondi:) Wollen Sie mit dieser Frage Ihre Zeit verschwenden? Ich fasse es nicht, dass wir angesichts unserer ganzen Erfolge, und der (Hochwasser-)Tragödie in Texas darüber reden. Das kommt mir unanständig vor.«

Bondi erklärte, ihre Aussage im Februar, die Epstein-Liste liege »auf ihrem Schreibtisch« habe sich auf die Akte bezogen, der nun keine solche Liste zu entnehmen sei. Die von ihr erwähnten »10.000 Videos« von Epstein seien Kindersexvideos aus dem Internet gewesen, die »niemals veröffentlich werden«. Zu einer möglichen Geheimdienstverbindung Epsteins lägen ihr keine Infos vor, so Bondi.

Der US-Cybersicherheits- und Geheimdienstexperte Mike Benz vom Foundation for Freedom Online erklärte im Gespräch mit Moderator Jesse Kelly den Hintergrund.

»Gleich zu Beginn seiner Karriere in den frühen 1980er Jahren, nachdem er 1981 die Investmentbank Bear Stearns verlassen hatte, arbeitete Jeffrey Epstein mit der CIA zusammen. Epstein gründete in seiner Ein-Zimmer-Wohnung in New York ein Ein-Mann-Unternehmen namens Intercontinental Assets Group. Er gab sich als internationaler Kopfgeldjäger für reiche Menschen aus, um Gelder über Grenzen zu bewegen und Vermögen ins Ausland zu schaffen. Er gründete dieses Unternehmen bereits 1981, das im Wesentlichen königlichen Familien und vermögenden Personen half, Geldanlagen oder Vermögenswerte aus geheimen Offshore-Konten wieder unbemerkt in die USA zu bewegen und unterstützte sie dabei, ihre Vermögenswerte so zu strukturieren, dass es schwierig bis unmöglich war, diese Vermögenswerte aufzuspüren.«

Ein Jahr später, 1982, habe sich Epstein einen gefälschten österreichischen Pass besorgt, der seinen Wohnsitz in Saudi-Arabien angab, so Epstein. Dieser gefälschte Pass wurde nach Epsteins Verhaftung 2019 vom FBI gefunden, als sie Epsteins Safe aufbohrten. Die Staatsanwaltschaft habe diesen Pass während des Prozesses gegen Ghislaine Maxwell eingebracht, so Benz.

»Dieser gefälschte Pass war so gut, dass er vier verschiedene Grenzkontrollen passieren konnte. Er hatte einen falschen Namen, aber Jeffrey Epsteins Foto, sodass er beliebig reisen konnte. Warum Saudi-Arabien? Nun, weil einer von Jeffrey Epsteins Hauptkunden für seine 1981 gegründete Firma Adnan Khashoggi war, der CIA-Waffenlieferant für die Iran-Contra-Affäre«, so Benz.

Der saudische Milliardär und Waffenhändler Adnan Khashoggi ist der Onkel des 2018 ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi und des 1997 mit Prinzessin Diana in Paris tödlich verunglückten Dodi al-Fayed. Er wurde 1988 in der Schweiz wegen organisierter Kriminalität und Betrug verhaftet und an die USA ausgeliefert, aber 1990 freigesprochen.

1982 hatten die Demokraten im US-Kongress das Boland-Gesetz verabschiedet, um der Reagan-Regierung zu verbieten, US-Gelder für den Sturz der sandinistischen Regierung Nicaraguas zu verwenden, so Benz. Ronald Reagans Nationaler Sicherheitsrat, das Außenministerium und die CIA wollten dieses Gesetz umgehen, jedoch sei die CIA unter Jimmy Carter entmachtet worden und in seinen verdeckten Aktivitäten stark eingeschränkt.

»Hier kommen Jeffrey Epstein und sein Auftraggeber Adnan Khashoggi ins Spiel«, so Benz. Israel und die USA hätten im Rahmen der Iran-Contra-Affäre durch den saudischen Waffenhändler Adnan Khashoggi, der seit 30 Jahren mit der CIA zusammenarbeitete, Waffen an den Iran verkauft, so Benz. Dies sei in den eidesstattlichen Erklärungen des Pariser Büros der ehemaligen Großbank Bank of Credit and Commerce International (BCCI), zum Vorschein gekommen.

Die CIA habe die BCCI genutzt, um Waffen an die Mudschaheddin in Afghanistan zu liefern, sagte Benz. Die CIA habe durch BCCI ein islamistisches Terrornetzwerk geschaffen, aus dem später Al-Qaida und ISIS entstanden seien. »Der Leiter der Pariser BCCI-Filiale sagte unter Eid aus, dass Adnan Khashoggi ihm persönlich erzählt habe, dass er für die CIA arbeitet und Jeffrey Epstein sein Geldhändler war.«

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges habe Jeffrey Epstein in den frühen 80er Jahren Kontakte zum CIA-Netzwerk der Iran-Kontra Affäre gehabt, so Benz. 1985 habe Jeffrey Epstein ebenfalls Kontakt zum Chef des damals größten Einzelhändlers der USA, Limited Brands (Victoria’s Secret, Bath & Body, Abercrombie & Fitch u.a.) gehabt: Leslie Wexner aus Columbus, Ohio.

»Les Wexners Steueranwalt Arthur Shapiro wurde 1985 bei einem mafiaartigen Anschlag ermordet, einen Tag bevor er vor einem Sonderausschuss der Finanzbehörde IRS aussagen sollte. Die Finanzbehörde hatte die Finanzen des Wexner-Imperiums untersucht, das sieben Jahre im Verzug war. Kurz nach Shapiros Ermordung scheint Jeffrey Epstein Les Wexner getroffen und eine langfristige Vollmacht für das gesamte Wexner-Unternehmen erhalten zu haben«, so Benz.

1993 habe Jeffrey Epstein persönlich den Verkauf der CIA-eigenen Fluggesellschaft Air America aus Miami verhandelt, die im Rahmen des Iran-Contra-Waffen- und Drogenhandels aufgeflogen war. Air America wurde zu Southern Air Transport und von Miami nach Columbus, Ohio verlegt, wo das Wexner-Imperium ansässig war, um Drogen zwischen Ohio und Hongkong zu schmuggeln, so Benz.

»Danach machte das US-Außenministerium Jeffrey Epstein persönlich zum Mieter eines der zweitgrößten Wohnhäuser in ganz New York City«, so Benz. »Diese Wohnung wurde vom Islamischen Regime im Iran beschlagnahmt, als die USA Sanktionen gegen das Regime verhängten, und dann persönlich vom US-Außenministerium an Jeffrey Epstein vermietet.« Das Außenministerium als persönlichen Vermieter zu haben sei ja sehr ungewöhnlich, so Benz.

Epstein hat das ehemalige Domizil des stellvertretenden iranischen Generalkonsuls in der 34 East 69th Street in Manhattan zwischen der Madison und der Park Avenue ab 1992 für 15.000 $ im Monat gemietet. Ab 1995 habe Epstein die Wohnung für 20.000 $ im Monat an den Anwalt Ivan Fisher untervermietet, Verteidiger in den Heroin-Skandalen »French Connection« und »Pizza Connection«, in denen die CIA verwickelt war. Dies war erst bekannt geworden, als das US-Außenministerium 1998 Epstein deswegen verklagte.

Jeder Aspekt der Jeffrey Epstein-Geschichte sei »im Rahmen der Umstrukturierung der Geheimdienste nach den Skandalen der 1970er Jahre zu verstehen, als der CIA direkte Aktivitäten untersagt wurden«, so Mike Benz, und die CIA-Aktivitäten in »zivile« Organisationen wie USAID, die National Endowment for Democracy (NED), Internews, dem US Institute of Peace und einem Netz privater Auftragnehmer und Finanziers ausgelagert wurden.

»Jeffrey Epstein war bei der Entstehung dieses Apparates dabei. Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass es keine CIA-Akten über diesen Mann gibt. Die Tatsache, dass das Justizministerium nun das FBI vorschiebt, obwohl das ganz offensichtlich ein CIA-Thema ist, ist kein gutes Zeichen für die Transparenz« der Trump-Regierung, so Benz.

 

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Collin McMahon ist Autor von George Soros‘ Krieg, Der Zensurkomplex und Trump gegen den Deep State. Neu erschienen: Eroberung – Wie der politische Islam Deutschland unterwandert mit Irfan Peci.

Sven von Storch

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