»Warum fasst die deutsche Presse Scholz mit Samthandschuhen an?«

Hersh zu Nord Stream_ Mein Präsident hat euch Deutschen das angetan

Im Gespräch mit dem österreichischen eXXpress wunderte sich Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh, wieso die deutsche Presse nach dem Verhalten von Kanzler Scholz »nicht durchdreht«, so Hersh, der den USA die Verantwortung für den Nord Stream Anschlag und Olaf Scholz deren Vertuschung vorwirft.

Die Außenpolitiker der Biden-Regierung seien »alles studierte Leute, aber auch sehr dumme Leute«, sagte Hersh dem eXXpress, die nicht wüssten, was sie tun. Zu Beginn sei der Ukraine-Krieg in den USA »sehr beliebt« gewesen, so Hersh, aber »er (Biden) wird damit nicht wiedergewählt oder wieder nominiert werden.« Der Krieg sei extrem teuer für die USA, so Hersh, »und die öffentliche Meinung wendet sich gegen ihn.«

Die USA hätten 2 volle Kampfbrigaden in Polen und Rumänien stationiert, so Hersh, das seien 25.000 Mann, und jede Woche würde mehr Kriegsmaterial ankommen. »Warum macht er das? Will er Krieg mit Russland? Oder will er so tun, als sei das alles eine NATO-Angelegenheit? Irgendwas ist hier im Busch, und es ist nichts Gutes.«

Deshalb berichtet Hersh, erklärte er: Um eine weitere Eskalation abzuwenden. »Bei vielen Leuten ist das nicht sehr beliebt, was ich tue, bei meinen alten Arbeitgebern der New York Times und Washington Post, aber ich bekomme von anderen Leuten sehr viel Unterstützung.«

Präsident Biden hat »ein echtes Problem« so Hersh. »Er lügt jetzt« über den Nord Stream Anschlag. »Er hat diesen Anschlag angeordnet. Alle Beteiligten wissen das,« so Hersh, der »sehr viel mehr weiß, als ich verraten kann, um meine Quellen zu schützen. Er hat es getan, mit vollem Wissen.«

Biden habe den Europäern klipp und klar gesagt, »wenn ihr mich in der Ukraine nicht unterstützt, werde ich dafür sorgen, dass ihr kein russisches Gas bekommt.«

Die Washington-Reise des deutschen Bundeskanzlers im März 2023 sei »ein Spektakel« gewesen, so Hersh: »Scholz kam ohne deutsche Reporter an Bord seines Flugzeugs, ohne Staatsbankett, ohne öffentliche Pressekonferenz, hat er sich für ein kurzes Meeting mit dem Präsidenten ins Weiße Haus geschlichen. Hoffentlich haben sie ihm wenigstens ein vernünftiges Hotel gegeben, und nicht ein schäbiges Motel-6. Er hatte ungefähr zehn Minuten mit dem Präsidenten, und dann ist er wieder nach Deutschland zurückgeflogen.«

Es sei ihm ein Rätsel, »wieso die Presse in Deutschland nach dieser Aktion nicht durchdreht«, so Hersh. »Warum fassen sie ihn (Scholz) mit Samthandschuhen an? Er ist doch kein Schoßhündchen. Er ist der Regierungschef eines wunderschönen Landes, mit einer enormen industriellen Basis.«

Die größte Chemiefirma der Welt, BASF, verhandele jetzt mit China darüber, die Produktion dorthin zu verlagern, weil sie in Deutschland keine Energiesicherheit habe, so Hersh. »Was passiert im Herbst, wenn es wieder kalt wird? Die deutschen Gasreserven sind jetzt alle aufgebraucht, die Preise steigen jetzt wieder. In Frankreich kostet der Strom jetzt fünfmal soviel wie vor einem Jahr. Was passiert dort im  Sommer, wenn es heiß wird? Die Klimaanlagen laufen alle mit Erdgas.«

»Mein Präsident hat euch Europäern und den Deutschen das angetan«, so Hersh. »Er wird politisch dafür einen hohen Preis zahlen. Er wird nicht wieder nominiert werden, und er hat das alleine sich selbst zuzuschreiben. Das einzige, dass ihm jetzt bleibt ist, zu Lügen, und zu sagen, ich war das nicht.«

Die Geschichte einer Privatyacht, die laut Zeit und ARD von Rostock aus von einer »pro-ukrainischen Gruppe« gechartert wurde, um Nord Stream zu sprengen, sei »unglaublich dumm«, so Hersh. »Das ist eine verrückte Geschichte ohne Quellen.«

»Wenn 90 Prozent der Redakteure gefeuert würden, wären wir viel besser dran,« sagte Hersh über seine US-Kollegen. »Sie haben Angst, etwas Kritisches über Joe Biden zu schreiben, weil Sie glauben, dass sie damit den Republikanern wieder ins Weiße Haus helfen würden.«


Die Ukraine werde den Krieg nicht gewinnen, warnte Hersh. »Biden hat es sehr schwierig gemacht, eine Beziehung mit Russland zu haben. Russland wird diesen Krieg gewinnen, und das erreichen, was sie wollen, und dann werden wir mit ihnen immer noch im Clinch liegen. Es wäre sehr viel besser, Handelspartner zu sein. Ich fürchte, mein Präsident hat einen schrecklichen Fehler begangen. Wir sind jetzt auf einem sehr gefährlichen Weg.«

 

Seymour Hersh im Interview mit Marc Friedrich: Wer hat Nord Stream gesprengt?

 

 

Sven von Storch

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