Demokratische Abgeordnete ruft zu »Mehr Konfrontation« auf

George Floyd Prozess_ Schuldspruch wegen Mord

Die Jury in Minneapolis hat den Polizisten Derek Chauvin des Mordes an George Floyd schuldig befunden. Während damit landesweite Rassenunruhen vermutlich ausbleiben werden, bleiben ernste Fragen zur Rechtmäßigkeit des Urteils. Die Verteidigung kündigte Berufung an.

Von deutschen Medien weitgehend unbeachtet hatte der Prozess große Zweifel an der Mordanklage gegen Derek Chauvin ausgelöst. So hatte u.a. die Verteidigung ein Video gezeigt, das dokumentierte, dass Chauvin nicht auf Floyds Hals, sondern auf seiner Schulter kniete.

Davor hatte Floyd am 25.5.2020 in Minneapolis etwa 45 Minuten sich der Verhaftung widersetzt und dabei eine vermutlich tödliche Dosis des Opiats Fentanyl geschluckt, vermutlich um sie der Polizei vorzuenthalten. 2019 hatte Floyd bei einer ähnlichen Verhaftungssituation bereits große Mengen Opiate geschluckt und musste im Krankenhaus notbehandelt werden.

Der Gerichtsmediziner Dr. Andrew Baker sagte aus, dass Floyd an Herzstillstand aufgrund der Polizeimaßnahmen gestorben sei, in Verbindung mit einer Herzvorerkrankung und Konsum von Methamphetamin und Fentanyl. Der Forensiker der Verteidigung Dr. David Fowler urteilte jedoch, dass Floyds Herzvorerkrankung in Zuammenhang mit dem Drogenmissbrauch hauptursächlich für dessen Tod war, nicht der Polizeieinsatz.

Der Polizeigewalt-Experte Barry Brodd hatte am Dienstag vergangener Woche ausgesagt, dass der von Derek Chauvin verübte Druck auf George Floyd keine tödliche Wirkung gehabt haben könne. Am Samstag wurde Brodds ehemalige Haustür von »Aktivisten« mit Blut von einem abgetrennten Schweinekopf besudelt. (Es war das falsche Haus.)

»Ich hoffe, das Urteil wird das Richtige sein«, sagte Präsident Joe Biden am Vorabend der Juryentscheidung, eine seltene Einmischung des Präsidenten in eine laufende Juryklausur.

Richter Peter Cahill hatte die Abgeordnete Maxine Waters gerügt, da sie am Sonntag in Minnesota Demonstranten aufgefordert hatte, »mehr Konfrontation zu suchen« und »nicht lockerzulassen«. Chauvins Anwalt Eric Nelson beantragte daraufhin ein neues Verfahren, da die Jury von den Gewaltdrohungen beeinflusst werden könnte. Richter Cahill lehnte die Aussetzung des Verfahrens ab, nannte Waters' Kommentare jedoch »abstoßend« und »respektlos«. Eine Rüge von Waters wurde im Senat mit den Stimmen der Demokraten abgelehnt.

Die scheinbaren Gewaltaufrufe einer gewählten Abgeordneten könnten das Verhalten der Jury beeinflussen und Derek Chauvin Grund für eine erfolgreiche Berufung geben, so Richter Cahill. Verteidiger Nelson hatte gefordert, die Jury schon während der Verhandlung in Klausur zu schicken, aber Cahill hatte dies abgelehnt.

Wenige Stunden nach Waters' Kommentaren wurde in Minneapolis auf Beamte der Nationalgarde aus einem fahrenden Auto geschossen. Niemand wurde verletzt.

Rechtsexperte Alan Dershowitz kommentierte, »Wir müssen davon ausgehen, dass die Jury gehört hat, was Maxine Waters gesagt hat, was (Aktivist Al) Sharpton gesagt hat, was (Anwalt Ben) Crumb gesagt hat.« Der Anwalt für Floyds Familie Ben Crumb hatte vor der Juryverkündung gesagt, man müsse »Druck aufbauen«, notfalls »außerhalb des Gerichtssaales«.

»Die Juroren wussten, dass es Gewaltausbrüche geben wird, wenn sie keinen Schuldspruch aussprechen,« so Dershowitz. »Jeder Polizeichef Amerikas wusste das.« Die Namen der Juroren seien an die Öffentlichkeit gelangt, so Dershowitz. »Wenn sie das 'falsche' Urteil verkündet hätten, wären sie wie einer der Zeugen behandelt worden … mit Blut besudelt. Daher denke ich, dass dieses Urteil gekippt werden könnte.«

Die Verkündung des Strafmaßes finde in etwa 8 Wochen statt, so Richter Cahill. Chauvin könnte wegen »Mord zweiten Grades« bis zu 40 Jahre in Haft gehen.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.