Am 7. März 2022 traf sich der US-Staatssekretär für Südasiatische Angelegenheiten, Donald Lu mit dem pakistanischen Botschafter in den USA, Asad Majeed Khan, im Pakistan House in Washington, D.C., und drohte mit US-Sanktionen, falls Premierminister Imran Khan nicht abgesetzt werde.
Am nächsten Tag, dem 8. März, stimmte die pakistanische Nationalversammlung für einen Misstrauensantrag gegen Premierminister Imran Khan.
Am 27. März zeigte Imran Khan die Geheimbotschaft des Botschafters, der angeblich belegte, dass die USA einen Staatsstreich zur Entfernung Khans gefordert hatte (Foto oben).
Bereits 2021 hatte Imran Khan der Biden-Regierung und der stellvertretenden Außenministerin Victoria Nuland vorgeworfen, ihn stürzen zu wollen. Ironischerweise wurde Khan im Oktober 2022 eine erneute Kandidatur verboten, weil er diese diplomatische Geheimbotschaft über eine »ausländische Verschwörung« offengelegt hatte, wie The Dawn berichtete.
Imran Khan ist ein ehemaliger Cricket-Star und der beliebteste Politiker Pakistans. Nach der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 im Ukraine-Krieg hatte er eine neutrale Haltung eingenommen.
Im November 2022 überlebte Imran Khan einen Mordanschlag bei einer politischen Kundgebung, bei dem er verletzt wurde und einer seiner Unterstützer getötet. Im Mai 2023 wurde er wegen »Korruption« von paramilitärischen Truppen verhaftet. Am 5. August 2023 wurde er zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.
Bei einer Kundgebung am 6.3.2022, am Tag vor dem US-Treffen mit dem pakistanischen Botschafter,hatte Premierminister Khan europäische Forderungen nach pakistanischer Unterstützung für die Ukraine zurückgewiesen: »Sind wir eure Sklaven? Was haltet ihr von uns? Dass wir eure Sklaven sind und alles tun werden, was ihr von uns verlangt?« fragte Khan. »Wir sind Freunde Russlands und wir sind auch Freunde der Vereinigten Staaten. Wir sind Freunde Chinas und Europas. Wir gehören keiner Seite an.«
Der diplomatische Geheimdepeche des pakistanischen Botschafters in Washington, Asad Majeed Khan, wurde nun von pakistanischen Quellen an The Intercept geleakt.
Darin drückte der US-Diplomat Donald Lu seine »Enttäuschung« über den Besuch von Premierminister Imran Khan in Moskau am 24. Februar aus, am Tag des russischen EInmarschs in die Ukraine. »Er wies darauf hin, dass dies die USA verärgert hat, und erklärte, warum Herr Khan seinen Besuch hätte verschieben sollen«, berichtete das pakistanische The Dawn.
»Leute hier (in Washington) und in Europa sind ziemlich besorgt darüber, wieso Pakistan eine so aggressiv neutrale Position (zur Ukraine) einnimmt, wenn das möglich ist. Uns kommt es nicht so neutral vor«, so US-Staatssekretär Lu laut The Intercept.
»Ich denke, wenn das Misstrauensvotum gegen den Premierminister erfolgreich ist, wird alles in Washington vergeben sein, weil der Russlandbesuch als Entscheidung des Premierministers gesehen wird«, sagte Lu laut The Intercept. »Andernfalls wird es schwierig werden.«
Am 2. März wurde Donald Lu vor dem Senatsausschuss für auswärtige Beziehungen befragt und sagte Senator Chris Van Hollen (D - Maryland): »Premierminister Khan hat kürzlich Moskau besucht, und deshalb versuchen wir herauszufinden, wie wir mit dem Premierminister nach dieser Entscheidung umgehen sollen.«
Im Gespräch mit Darren Beattie von Revolver News sagte Imran Khan im Juli aus dem Hausarrest, dass die Geheimbotschaft für seinen Gegenspieler, den ehemaligen Armeechef General Qamar Javed Bajwa bestimmt war, den er für die Orchestrierung seiner Absetzung verantwortlich macht. In Pakistan gilt das Militär als das eigentliche Machtzentrum, nicht die demokratisch gewählte Regierung. »Am nächsten Tag wurde das Misstrauensvotum in die Nationalversammlung eingebracht. Innerhalb von wenigen Wochen war die Regierung gestürzt«, so Khan.
Im August 2022 behauptete Imran Khan, der pensionierte Armeechef General Bajwa habe ihm gesagt, er habe »Audio- und Videomaterial von meinen Parteimitgliedern«, wie WION News berichtete. »Ich erfuhr, dass (Bajwa) ein doppeltes Spiel spielte... und Shehbaz Sharif zum Premierminister machen wollte. Bajwa ist mir in den Rücken gefallen.«
Journalist Darren Beattie bezeichnete Donald Lu als »Laufbursche« und suggerierte, dass seine Vorgesetzte Victoria Nuland »eine Rolle gespielt haben könnte.« Beattie wies darauf hin, dass Premierminister Imran Khan sehr kritisch gegenüber der Drohnenangriffskampagne von Barack Obama im »Krieg gegen den Terror« gewesen war, bei der über 400 Drohnenangriffe im verbündeten Land Pakistan stattfanden, die von Victoria Nuland im US-Außenministerium verteidigt wurden.
Am 28. Januar 2023 besuchte die derzeitige amtierende stellvertretende Außenministerin Victoria Nuland Indien, Sri Lanka und Nepal, zwei Wochen nach dem Besuch von Staatssekretär Donald Lu vom US-Außenministerium.
»Khan wurde aufgrund haltloser Anschuldigungen hin verurteilt, nach einem Prozess, in dem seine Verteidigung nicht einmal Zeugen vorbringen durfte. Er hatte zuvor einen Mordanschlag überlebt, ein ihm verbundener Journalist wurde ermordet und Tausende seiner Unterstützer wurden inhaftiert. Obwohl die Biden-Regierung erklärt hat, dass Menschenrechte im Mittelpunkt ihrer Außenpolitik stehen werden, schauen sie jetzt weg, während Pakistan sich auf dem Weg zu einer vollwertigen Militärdiktatur befindet«, so Arif Rafiq vom Middle East Institute zu The Intercept.


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