Linke Zeitschrift veröffentlicht Namen und Wohnort des Beamten

Polizist von Nanterre muss wegen vorsätzlicher Tötung in Haft bleiben

Der Polizeibeamte, der am Tod des 17-jährigen Rasers Nahel M. in Nanterre beteiligt war, muss in Haft bleiben und wird wegen »vorsätzlicher Tötung« angeklagt. Sein Anwalt verlangt seine Freilassung und Polizeischutz, da er sonst nicht sicher sei.

Der 38-jährige Beamte Florian M. wurde am 2. Juni zwei Ermittlungsrichtern am Landgericht Nanterre vorgeführt und der »vorsätzlichen Tötung« beschuldigt. Florian M. ist seit Donnerstag den 29.6. im Gefängniskrankenhaus inhaftiert, nachdem er nach einer 16-Minütigen Verfolgungsjagd den 17-jährigen Raser Nahel M. in Nanterre zur Strecke gebracht hatte.

Zuvor hatte sich Nahel M. mit zwei weiteren jugendlichen Insassen in einem gemieteten, hochmotorisierten gelben Mercedes A-Klasse AMG mit polnischem Kennzeichen eine wüste Irrfahrt durch Nanterre über Busspuren, rote Ampeln und über Gehwege geleistet und zwei Fußgänger beinahe erfasst. In dichtem Verkehr musste er stehenbleiben. Als die beiden Motorradpolizisten den jungen Raser mit vorgehaltener Waffe aufforderten, den Motor auszumachen, gab Nahel Gas und fuhr Florian M. an. Dabei löste sich der tödliche Schuss, der den jungen Mann im linken Arm und Brust traf.

Bei seiner Vorverhandlung am Donnerstag sprach der Polizist per Videokonferenz aus seiner Zelle. Sein Anwalt Laurent-Franck Liénard sagte, dass sein Mandant »in der Haft weniger sicher sei, als er in der Öffentlichkeit unter Polizeischutz wäre«. Liénard befürchtet offenbar, dass der Polizeibeamte möglicherweise im Gefängnis durch Mitinsassen gefährdet sei. Er forderte die Freilassung des Beamten mit einer elektronischen Fußfessel und Polizeischutz.

»Das ist kein Krimineller oder Drogendealer«, sagte Liénard. »Das ist ein Polizist, ein Staatsdiener. Das ist jemand, der sein ganzes Leben lang dem Gesetz gewidmet hat. Er wird nicht morgen damit anfangen, es zu brechen«, so Liénard.

Laut Le Parisien, der Zugang zu den Aussagen des Beamten vor dem Generalinspekteur der Nationalen Polizei (IGPN) hatte, gab Florian M. an, dass er Nahel zunächst aufgefordert hatte, das Fahrzeug anzuhalten, als er ihn um 8 h morgens mit seinem PS-starken Miet-Mercedes auf einer Busspur fahren sah. Anschließend raste der Teenager „mit Vollgas“ davon. Er führte die beiden Motorradpolizisten auf eine lebensgefährliche Hochgeschwindigkeitsjagd durch Nanterre, bis er endlich um 8:16 h zum stehen kam.

Florian M. sagte aus, er habe Nahel angeschrien, er solle den Motor abstellen, als er ihn eingeholt hatte. Er habe wiederholt gegen die Windschutzscheibe des Wagens geschlagen, »um die Aufmerksamkeit des Fahrers auf mich zu lenken«. Florian M. sagte, er habe seine Waffe vom Fahrer weg gerichtet, um »ihn nicht zu treffen«. Dabei habe er gesehen, wie sein Kollege seinen Oberkörper in den Innenraum des Mercedes gelehnt habe. Dann spürte er, wie der Fahrer anfuhr.

Da er befürchtete, zwischen dem Auto und einer Wand hinter ihm „eingeklemmt“ zu werden und befürchtete, dass sein Kollege von dem rasenden Fahrer mitgeschleift werden könnte, habe er geschossen. Florian M. bestritt, Nahel gedroht zu haben: »Du kriegst eine Kugel in den Kopf.«

Die beiden Beifahrer, ein 17-Jähriger und ein 14-Jähriger, behaupteten, die Beamten hätten gesagt: »Stell den Motor ab, oder ich schieße« und »Ich schieße dir eine Kugel in den Kopf«.

In einem Video soll Nahel beim Stuntfahren auf einem Motorrad zu sehen sein. Der junge Mann hatte bereits 15 Strafanzeigen, darunter habe er sich fünf mal der Polizeikontrolle entzogen (refuser d’obtemperer). Letzten Monat trat er in einem Gangsta-Rap-Video auf, ebenfalls auf einem Motorrad.

Florian M. ist ein ehemaliger Soldat und erhielt einen Orden für Mut im Dienst für sein Verhalten während einer Entführung im Jahr 2021. Er erhielt insgesamt acht Belobigungsschreiben und einen Orden für seinen Dienst bei den Gelbwesten-Protesten.

Die Zeischrift Oise Hedo veröffentlichte den vollen Namen und Wohnort des Beamten. Innenminister Gérald Darmanin kündigte rechtliche Schritte gegen die Zeitschrift an. Polizeigewerkschaft Unité SGP Police FO forderte rechtliche Schritte, da »das Leben des Beamten und seiner Familie jetzt in Gefahr sind.«

In einer Erklärung forderten die Polizeigewerkschaften Alliance Police Nationale und UNSA Police die Regierung am 30.6. auf, »angesichts der wilden Horden« die »Ordnung wiederherzustellen«. »Unsere Kollegen, wollen sich wie die meisten Bürger nicht länger diesem Diktat einer gewalttätigen Minderheit unterwerfen«, so die Erklärung. »Heute kämpfen die Polizisten, weil wir im Krieg sind. Die Regierung sollte sich darüber im Klaren sein, dass wir bald Widerstand leisten werden«, so die Polizeigewerkschaften.

Am Donnerstag, 6. Juli, bestätigte das Berufungsgericht von Versailles, dass Florian M. in Haft bleiben soll. Wie die Beamten mit der Situation anders hätten umgehen sollen, war nicht klar.

 

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Sven von Storch

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