YouTuber Gonzalo Lira (alias Coach Red Pill) wurde am 1. Mai 2023 in Charkiw, Ukraine, von einem schwer bewaffneten SEK-Team der ukrainischen SBU-Geheimpolizei wegen des Verbrechens der »Rechtfertigung russischer Aggression« verhaftet, was übersetzt "Kritik am Krieg und der Selenski-Regierung« bedeutet. Am
6. Juli wurde er gegen Kaution freigelassen und versuchte, das Land auf seinem Motorrad Richtung Ungarn zu verlassen, worüber er unterwegs ein Video veröffentlichte.
Am 1. August wurde er erneut verhaftet und in Einzelhaft (SIZO) in Charkiw inhaftiert.
Gonzalo Lira war mit einer Ukrainerin verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte (geb. 2014 und 2015) und zog 2020 in die Ukraine. Sie waren zum Zeitpunkt seiner Verhaftung getrennt.
Als Russland im Februar 2021 in die Ukraine einmarschierte, fand sich der YouTuber mitten in einem Krieg. Zum Kriegsausbruch befand er sich im umzingelten Kiew, wo er im selben Hotel wie die ausländischen Journalisten der Systempresse wohnte, die er heftig kritisierte und »Systemschweine« nannte.
Der – mittlerweile ebenfalls inhaftierte – deutsche YouTuber Shlomo Finkelstein hat den Fall Gonzalo Lira hier zusammengefasst.
In seinen Videos kritisierte Lira nicht nur die Mainstream-Medien, sondern vor allem die ukrainische und die US-Regierung und insbesondere die ehemalige Unterstaatssekretärin für politische Angelegenheiten (2021-2024) Victoria Nuland, die er für verantwortlich am Kriegsausbruch zeichnet.
Der Autor reichte am 15. Januar 2024, vier Tage nach Gonzalo Liras Tod in ukrainischer Haft, einen Informationsfreiheits-Antrag für sämtliche Kommunikation bezüglich seines Todes von zwischen Victoria Nuland und der US-Botschafterin in der Ukraine Bridget A. Brink ein.
Elf Monate später schiebt das Außenministerium diese Anfrage immer noch hinaus und schrieb nun, dass die Anfrage erst am 31. März 2026 abgeschlossen sein würde.
Nach meiner Anfrage kündigte Außenminister Antony Blinken am 5. März überraschend den Rücktritt der damaligen stellvertretenden Außenministerin Victoria Nuland an.
Im September trat Nuland dem Vorstand der Auslandsstiftung des US-Staatsapparats National Endowment for Democracy bei.
Nun hat die konservative NGO Judicial Watch, die sich auf Informationsfreiheitsanfragen spezialisiert, eine allgemeinere Anfrage zum Fall Gonzalo Lira eingereicht, der sich nicht speziell auf die Kommunikation zwischen Nuland und Botschafterin Brink konzentriert.
Das Außenministerium hat im Mai, Oktober und November 2024 769 stark redigierte Seiten an Judicial Watch ausgehändigt.
Diese Dokumente zeichnen ein Bild vom Totalausfall des US-Außenministeriums, Gonzalo Liras Leben zu retten, und die anschließenden Versuche, den Skandal zu managen.
Die US-Botschaft erfuhr am 11. Mai per Post von der ukrainischen Geheimpolizei SBU von der Verhaftung von Gonzalo Lira am 1. Mai.
Lira werde »wegen Verstoßes gegen Artikel 436-2 (Ukrainisches Strafgesetzbuch) angeklagt: »Rechtfertigung, Anerkennung als legitim, oder Leugnung der bewaffneten Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine, oder Verherrlichung ihrer Teilnehmer«. Mr. Lira betreibt eine YouTube-Seite, auf der er zahlreiche Videos postet, die die ukrainische und die US-Regierung kritisieren, denen er die Schuld für den Krieg in der Ukraine zuschreibt«, so ein Mitarbeiter der US-Botschaft am 3. August an Botschafterin Bridget Brink.
Nach Liras Versuch, die Ukraine Richtung Ungarn zu verlassen, und seiner erneuten Verhaftung am 31. Juli sprach die US-Konsularabteilung American Citizen Services (ACS) am 4. August 2023 mit Lira am Telefon und »versuchte, Mr. Lira nach seiner geistigen und körperlichen Gesundheit zu befragen. Mr. Lira unterbrach diese Untersuchung wiederholt mit ausführlichen Monologen über die Bedrohung seines Leben und seiner Sicherheit, da er glaubte, dass die ukrainische Regierung aktiv intrigieren würde, ihn von Insassen im Gefängnis töten zu lassen«, heißt es in einer E-Mail der Botschaft (unsere Hervorhebung).
Die Namen des Botschaftspersonals wurden in der Informationsfreiheitsanfrage redigiert.
Die E-Mails machen deutlich, dass die Botschaft der Hilfe von Lira keine hohe Priorität einräumte und seinen Versuch, mit seinem Leben aus der Ukraine zu entkommen, als »seinen Versuch, nach Ungarn zu verduften« bezeichnete.
Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die US-Botschaft Schritte unternommen hat, um Gonzalo Lira zu ermöglichen, das Land zu verlassen. Erst am 8.1.2024 verfasste die US-Botschaft eine »Diplomatische Note« zu seiner »Freilassung aus humanitären Gründen«. Leider zu spät.
In einer anschließenden E-Mail vom 4. August stellte die Botschaft fest, dass (Name geschwärzt - möglicherweise Liras Pflichtverteidiger) »forderte, dass die US-Botschaft sich erneut bei den ukrainischen Behörden im Fall Lira engagiert.«
Die E-Mails zeigen, wie das US-Außenministerium die falschen Vorwürfe wiederholte, die Gonzalo Lira das Leben gekostet haben: dass er ein »russischer Agent« sei:
Am 3. August schrieb American Citizen Services (ACS) Kiew an die ACS-Büros in Ungarn, Moldawien, der Slowakei und Rumänien und nannte Gonzalo Lira »ein US-Bürger und ausgesprochener Pro-Putin-Blogger, der zuvor in der Ukraine wegen Kriegspropaganda verhaftet wurde. Herr Lira ist bei bestimmten Nischenpopulationen sehr beliebt und unser Posteingang ist voll von seinen Followern. (Wir engagieren oder reagieren nicht.) Nach seiner Anklage ließ die ukrainische Regierung ihn gegen Kaution ohne Fußfessel frei und gab ihm sowohl sein Motorrad als auch seinen Reisepass zurück. Er hat der ukrainischen Regierung ein ziemlich viel Kopfschmerzen bereitet, also vermuten wir, dass sie hoffen, dass er klammheimlich aus dem Land verschwindet.«
Erstaunlicherweise scheint niemand bei der Konsularabteilung in Kiew das geringste Interesse daran gehabt zu haben, diesem amerikanischen Bürger dabei zu helfen, das vom Krieg gebeutelte Land zu verlassen, das hinter ihm her war.
Entgegen seiner Vermutung, dass die Ukrainer ihn »auf dem kurzen Dienstweg« außer Landes lassen wollten, wurde Lira an der ungarischen Grenze wieder verhaftet und in das Gefängnis in Charkiw zurückgeschickt, wo ACS am 21. August mit seinem Anwalt sprach, vor seiner Anhörung am 22. August.
Liras Anwalt »kommentierte, er sei der Ansicht, dass das Gericht nicht überzeugt ist, dass die US-Botschaft ausreichend an Liras Fall interessiert sei und dass dies die Entscheidung des Gerichts beeinflussen könnte.«
Im Gespräch mit Tucker Carlson behauptete Gonzalo Liras Vater im Dezember 2023, dass Lira im Herbst 2023 im Gefängnis in Charkiw daraufhin auf Geheiß der Behörden von Insassen gefoltert wurde.
Im November 2024 behauptete der ukrainische Oppositionspolitiker Alexander Dubinsky, er habe Beweise dafür, dass Gonzalo Lira vom Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) ermordet wurde, so TASS.
»Wir sind im Besitz unwiderlegbarer Beweise, dass der amerikanische Staatsbürger und Blogger Gonzalo Lira in der Haftanstalt Charkiw gefoltert wurde. Er wurde auf die gleiche Weise wie ich im Gefängnis in Kiew verprügelt - er wurde in eine modrige Zelle gebracht, wo sie Geld von ihm erpressten. Als er dies öffentlich machte, wurde er umgebracht«, so Dubinsky auf seinem Telegram-Kanal.
Dubinsky behauptete, dass Liras Entführer dem US-YouTuber die Rippen gebrochen hätten und drohten, ihm mit einem Zahnstocher das Auge auszustechen, so TASS.
Am 21. Dezember sollte eine weitere Anhörung im Fall Lira stattfinden.
Am 6. Dezember 2023 schrieb die US-Botschaft Kiew:
"Am 6. Dezember hatte ACS Kiew einen einstündigen virtuellen Besuch mit dem US-chilenischen Doppelstaatsbürger Gonzalo Lira", schrieb die Botschaft und stellte fest, dass "Herr Lira während des gesamten Gesprächs aufgeregt und unkooperativ war, und ACS-Beamte beschimpfte und bedrohte... Er klagte über chronische Herzprobleme und bat die Botschaft, ihm dabei zu helfen, Zugang zu seinen E-Mails zu erhalten...
Presseanfragen: Herr Lira erklärte, dass Vertreter von Tucker Carlson versucht haben, ihn und seine Familie für Interviews zu kontaktieren. Er forderte, dass die Botschaft bei dieser Planung helfe. ACS bot an, einen Antrag auf häufigeren Kontakt an seinen Anwalt weiterzuleiten, aber wir beabsichtigen keine weitere Unterstützung für seine Bitte, Interviews zu organisieren.
Vorwürfe gegen die US-Regierung: Mr. Lira beschuldigte die US-Regierung, (1) sich mit der ukrainischen Regierung zu verschwören, um ihm im Gefängnis sterben zu lassen; (2) den Fortschritt in seinem Strafverfahren zu behindern; (3) seinen Zugang zur chilenischen Botschaft zu behindern; und (4) sich wegen Voreingenommenheit nicht für seine Freilassung einzusetzen. ACS Kiew weist diese Anschuldigungen zurück.
Drohungen an US-Regierungsbeamte: Mr. Lira behauptete, dass er die Namen von ACS-Beamten Kiew an Dritte weitergegeben habe, die diese Beamten dedoxxt hätten. (Stichprobenartige Online-Suchen haben keine Beweise für diese Behauptung gezeitigt.) Während des gesamten Gesprächs äußerte er Kritik an zahlreiche US-Beamte in der Regierung und im Außenministerium, und drohte mit nicht näher bezeichneten rechtlichen Schritten.
Prozess: Mr. Lira warf der ukrainischen Regierung Justizfehler vor. Er glaubt, dass der vom Gericht ernannte Übersetzer »inkompetent« und nicht in der Lage sei, die Nuancen seiner angeblich aufruhrenden Aussagen einzufangen. ACS versicherte Mr. Lira, dass wir diese Probleme mit seinem Anwalt ansprechen werden.«
Als Lira mit zunehmender Wut und Angst um sein Leben reagierte, scheint die US-Botschaft in Kiew nichts getan zu haben, um zu seinen Gunsten einzugreifen, sondern reagierte arrogant und defensiv:
»Dieser Besuch klingt nicht angenehm und ich glaube nicht, dass jemand es verdient, diesen Müll (ja, Müll) zu hören«, schrieb ein namenloser Botschaftsbeamter in einer Antwort am 6. Dezember.
»Was war die genaue Art der Drohungen...? Rechtfertigung - wir wollen natürlich konsularische Dienstleistungen erbringen, aber das sollte nicht bedeuten, bedroht zu werden und die (persönlichen) Informationen von Kollegen zu veröffentlichen.«
»Keine Notwendigkeit, jetzt zu antworten. Keine Eile«, schrieb derselbe ungenannte Beamte später am selben Tag.
Demnächst: Wie die US-Botschaft Gonzalo Liras Tod hätte verhindern können – und es nichttat
Collin McMahon ist Autor von „George Soros‘ Krieg“, „Der Zensurkomplex“ und „Trump gegen den Deep State“.


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