Kennedy-Neffe fordert Joe Biden im Rennen um die Präsidentschaft heraus

Robert Kennedy Jr._ Ich werde aus den USA wieder eine Demokratie machen

Joe Biden hat einen ernstzunehmenden Herausforderer um die demokratische Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur 2024: Am Mittwoch, den 19.4. kündigte Autor, Anwalt und Aktivist Robert F. Kennedy Jr. in einer fast 2-stündigen Rede seine Kandidatur an. Seine Rede dürfte ihn auch in Deutschland einige Sympathien einbringen. Seine Hauptthemen: Krieg, Korruption und Corona.

Robert F. Kennedy, Jr. ist der Sohn des 1968 ermordeten Präsidentschaftskandidaten Robert und Neffe des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy. Seit 1984 engagiert er sich als Anwalt für Umweltschutz und kämpfte in über 500 Prozessen gegen die Industrie mit Anglern und Fischern für einen sauberen Hudson River. 2011 gründete er das Children’s Health Defense Fund und wurde zum prominenten Impfkritiker. In Deutschland kennt man ihn als Kritiker der Corona-Zwangsmaßnahmen, Autoren des Standardwerks Das wahre Gesicht des Dr. Fauci und Redner auf der Corona-Demo am 10.9.2020 in Berlin.

Bei der Ankündigung seiner Kandidatur am St. Anselm College in Manchester, New Hampshire, sprach Kennedy 1 Stunde und 50 Minuten frei. Kennedy leidet an spasmodischer Dysphonie, seine Stimme klingt stark gequetscht, er tut sich beim Sprechen schwer. Trotzdem redete er sich fast 2 Stunden in Fahrt. „Wenn man einen Menschen 18 Jahre lang zensiert, dann hat er viel zu sagen“, scherzte Kennedy nach 50 Minuten. „Ich bin noch lange nicht fertig.“

Der Demokrat und Erbfolger einer der prominentesten linksprogressiven Familien der USA definierte seine Prioritäten als Präsident im Kampf gegen Zensur, gegen die Verflechtung von Staat und Großindustrie, gegen den „militärisch-industriellen Komplex“ und für eine bessere Gesundheitsversorgung. Er wolle die Teilung des Landes überwinden, denn die Großindustrie und Washington „lieben die Spaltung“,  sie benutzten sie „um das Land auszurauben“ und „die Mittelklasse in die Armut zu treiben“, so Kennedy.

In den 50er und 60er Jahren hätten 80% der Amerikaner der Regierung und den Medien vertraut, so Kennedy, nun seien es 80%, die ihnen nicht mehr trauen. „Die Bürger vertrauen den Medien nicht mehr, sie suchen sich jetzt Alternative – die dafür als Falschinformation gebrandmarkt werden. Das verstärkt die Spaltung nur, denn die Menschen wissen, dass sie angelogen werden.“

„Corona größte Umverteilung von unten nach oben, die es je gegeben hat“

Kennedy wurde auf allen sozialen Medien zensiert, weil er als einer der Ersten die Impfpflicht, vor allem für Kinder, Schulschließungen und den Lockdown kritisierte. Er nannte die Corona-Pandemie „die größte Umverteilung von unten nach oben, die es je gegeben hat“. 4 Billionen Dollar seien in der Pandemie von der Mittelschicht zu den Superreichen übertragen worden, die laut einer neuen Studie von Oxfam ihren Reichtum um 30% gemehrt hätten, so Kennedy. Die größten Lockdown-Nutznießer seien die Internetriesen gewesen, während diese Kritiker wie ihn zensiert hätten. Er klage aktuell gegen Amazon, die sein Buch zensiert hätten, während Amazon abertausende kleine Geschäfte weltweit von Markt verdrängt hätte.

Die Corona-Maßnahmen hätten vor allem Kindern, Jugendlichen und Minderheiten geschadet, so Kennedy. „Sie haben in den Ghettos die Basketballplätze gesperrt, und wenn das nicht ging, haben sie die Körbe abmontiert.“ 20% aller Jugendlichen hätten in der Corona-Zeit Selbstmordgedanken gehabt, 9% hätte Selbstmordversuche unternommen. 55% alle Jugendlichen klagten über Misshandlungen, über 13% körperlichen Missbrauch.

„Wenn man der Regierung das Recht gibt, Kritiker zum Schwiegen zu bringen, ist es ein Freischein für jede Art von Gräuel“

In der Corona-Pandemie sei „die Demokratie abgeschafft“ worden, so Kennedy. Nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern die Versammlungsfreiheit, die Freiheit der Religionsausübung, das Recht auf Privateigentum, die Unverletzbarkeit der Wohnung und der Privatsphäre, sowie das Recht auf einen fairen Prozess seien abgeschafft worden – praktisch alle wichtigen Grundrechte, auf die die USA gegründet wurden, seien ausgehebelt worden.

„Die Gründerväter haben keine Pandemieausnahme in der Verfassung vorgesehen“, so Kennedy. „Und sie wussten, was Pandemien waren.“ Schon während des Unabhängigkeitskrieges habe es zwei Pandemien gegeben, so Kennedy: „Die amerikanische Verfassung ist für harte Zeiten geschrieben worden.“

Präsident Donald Trump habe in der Corona-Zeit zwar „den richtigen Instinkt gehabt“, so Kennedy, „aber er ließ sich von den ganzen Bürokraten überrollen.“ Die Bürokratien seien von den Industrien unterwandert, die sie eigentlich regulieren sollen, ob es um das Gesundheitsministerium und die Pharma-Lobby gehe, oder um das Verkehrsministerium und die Eisenbahnkatastrophe in East Palestine, Ohio, so Kennedy.

Trump habe von Pfizer für seine Amtseinführung 1 Mio. $ erhalten, daraufhin den GlaxoSmithKline- und Pfizer-Mitarbeiter Scott Gottlieb zum Chef der Arzneimittelbhörde FDA  gemacht, der der Firma Pfizer einen Gewinn von 88 Mrd. $ durch die BioNTech-Impfung beschert habe und nun wieder in den Pfizer-Aufsichtsrat gewechselt sei, so Kennedy.

„Wir stecken in diesen ewigen Kriegen, weil die CIA dem militärisch-industriellen Komplex gehört“

Kennedy wisse, wie man den Filz bekämpfe, weil er dies seit 40 Jahren als Anwalt gemacht habe. Nach der gescheiterten Invasion der Schweinebucht in Kuba habe sein Onkel John F. Kennedy erkannt, dass „die Funktion der US-Geheimdienste ist es, dem militärisch-industriellen Komplex eine ständige Abfolge von Kriegen zu liefern“, so Kennedy. „Ich will die CIA in tausend Stücke zerschlagen und in alle Winde verstreuen“, habe sein Onkel gesagt, 2 Jahre bevor er umgebracht wurde.

Die USA müssten eine „grundsätzliche Debatte“ darüber führen, was mit dem Ukrainekrieg erreicht werden solle, so Kennedy. Es schätze den Mut der ukrainischen Verteidiger und verurteile den russischen Angriffskrieg scharf. Sein Sohn Conor habe als MG-Schütze in der französischen Fremdenlegion beim Angriff auf Kharkiw gekämpft. Amerika sei ursprünglich „aus den richtigen Gründen, aus humanitären Gründen“ auf der Seite Kiews gestanden, so Kennedy.

„Doch nun müssen wir uns fragen, was unsere Ziele in diesem Krieg sind… Es ist nicht im nationalen Interesse, Russland in die Arme Chinas zu treiben. Es ist auch nicht im nationalen Interesse, einen nuklearen Konflikt mit einem Land zu riskieren, das mehr Atomwaffen besitzt als wir.“

Präsident Biden habe kürzlich offenbart „dass eine unserer Ziele der Regimewechsel von Wladimir Putin sei“, so Kennedy. Dahinter stünden „dieselben Neokonservativen, die für den Irak-Krieg verantwortlich waren, und 2014 für den Umsturz in der Ukraine.“ Viele der Schritte, die die USA im Ukrainekrieg unternommen hätten, „scheinen eher darauf abzuzielen, den Krieg zu verlängern“. Das sei das Gegenteil eines humanitären Engagements, so Kennedy.

„Ist es unsere Strategie, die Blüte der ukrainischen Jugend in einen Orkus aus Tod und Vernichtung zu stürzen?“

„Wenn unser Ziel ist es, Russland auszubluten, bedeutet das, die Ukraine ist nur eine Spielfigur in der Auseinandersetzung zwischen zwei Supermächten?“, fragte Kennedy. „Ist es unsere Strategie, die Blüte der ukrainischen Jugend in einen Orkus aus Tod und Vernichtung zu stürzen, um Russland in die Knie zu zwingen? Wenn das unsere Strategie ist, dann muss der Präsident uns das sagen. Und wenn nicht, müssen wir wissen, was genau wir dort tun.“

Die USA hätten 113 Milliarden $ für den Ukrainekrieg ausgegeben, während zuhause die Armen und die Veteranen im Stich gelassen werden, so Kennedy. Seit 2008 hätten die USA 24 Billionen $ für „zwei sinnlose Kriege“ und die Lockdowns geopfert, von denen 10 Billionen $ aus der Notenpresse stammen, kritisiert Kennedy. Die Inflation, die daraus entstehe, gehe zu Lasten der ärmsten Amerikaner.

Die USA hätten 800 Militärbasen auf der ganzen Welt und geben 880 Milliarden $ im Jahr fürs Militär aus, so Kennedy. „Während wir in aller Welt Brücken, Straßen, Schulen und Krankenhäuser zerstören, hat China Brücken, Straßen, Schulen und Krankenhäuser gebaut.“ Er sei stolz darauf, dass in Afrika und Südamerika Eltern ihre Kinder nach seinem Onkel benennen. „Er wollte mit dem Friedenskorps zeigen, dass Amerika nicht nur für Krieg steht.“

Amerika müsse sich ein Vorbild an Chinas Strategie nehmen und seine Stärke „in Wirtschaft und Wohlstand suchen, nicht in Waffen und Patronen“, so Kennedy: „Ich werde die Militärbasen schließen, die Truppen nach Hause bringen, wieder in die heimische Wirtschaft investieren und aus den USA wieder eine vorbildliche Demokratie machen.“

Viele Demokraten und auch viele Kennedy-Familienmitglieder kritisierten seine Entscheidung, bei den Vorwahlen gegen Joe Biden anzutreten, so Kennedy, doch er wolle aus der Demokratischen Partei wieder eine Partei machen „die für die Menschen da ist“ und nicht „für Angst, Pharmaindustrie und Zensur steht.“

Sven von Storch

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