Einen Monat nach Erscheinen von Hershs detailliert recherchiertem Bericht zu einer möglichen US-Urheberschaft des Nord-Stream-Anschlags sei am 7.3.2023 ein Ablenkungsbericht in der New York Times, der Zeit sowie ARD Kontraste erschienen, so Hersh in seinem neusten Text. »Diese Nebelkerze wurde vom deutschen Bundesnachrichtendienst geteilt und unterstützt«, so Hersh.
In seinem letzten Text zum Thema hatte Hersh am 22.3. Bundeskanzler Olaf Scholz und Präsident Joe Biden vorgeworfen, bei ihrem nicht-öffentlichen Treffen im Weißen Haus am 3.3.2023 diese Ablenkungsgeschichte in den deutschen und amerikanischen Medien vereinbart zu haben, um von Hershs wesentlich detaillierteren und glaubwürdigeren Enthüllungen abzulenken.
Danach soll eine unbekannte »pro-Ukrainische Gruppe« ohne Regierungsnähe von einer Jacht aus Rostock aus die Nord Stream Pipelines gesprengt haben (Freie Welt berichtete).
Diese Informationen hätte die deutsche Bundespolizei sowohl der Zeit als auch dem Spiegel zur Verfügung gestellt, so Hersh. Eigentlich stamme die Mär aber vom US-Geheimdienst.
Der Autor des Zeit-Berichts, Holger Stark, den Hersh seit etwa einem Jahrzehnt kenne, habe ihm gegenüber dementiert, seine Infos vom deutschen oder amerikanischen Geheimdienst zu haben. Dies habe Hersh in seiner Geschichte korrigiert.
Er wundere sich aber, dass Stark sich nicht frage, warum am selben Tag fast genau die gleiche Story in der Zeit und der New York Times erschiene, einen Ozean voneinander entfernt, wenn die beteiligten Journalisten nach eigenen Angaben nicht zusammengearbeitet hätten. Irgendjemand füttere offenbar die Zeit und die New York Times mit denselben Infos, so Hersh.
Von Stark stamme die Info, dass die USA als erste am Tatort gewesen seien. Eigentlich wollten Beamte in Deutschland, Schweden und Dänemark nach dem Anschlag Teams zum Standort schicken, um die nicht explodierte Sprengladung zu bergen. »Ein amerikanisches Schiff war jedoch innerhalb von ein oder zwei Tagen schon am Tatort gewesen und hatte die Bombe geborgen«, so Stark laut Hersh.
Hersh konsultierte einen Experten, der ihm zahlreiche Ungereimtheiten in der Zeit-Geschichte von einem 6-köpfigen Sprengkommando auf einer Jacht aufzeigte: So könne die Jacht in 70 m tiefem Wasser nicht ankern; eine 15m-Jacht könne man ohne Kapitänspatent mit »gefälschten Pässen« nicht ohne weiteres mieten; eine Nitox-Tiefsee-Tauchausrüstung benötige ebenfalls gesonderte Nachweise und Technik; die Pipelines wären auf handelsüblichen Seekarten nicht verzeichnet und von einem Segelboot nicht so leicht zu finden, usw.
»Die Medien stellen diese Fragen gar nicht«, so der Experte. »Nichts davon ist je passiert. Das hat alles nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Es ist eine Parodie.«
Seitdem hätten die New York Times und die Zeit auch keinerlei weitere Details genannt oder Nachforschungen angestellt, so Hersh. Es seien bisher noch keine Journalisten an Bord der angeblichen Tatjacht »Andromeda« gewesen, um den Tatort zu untersuchen, so Hersh. »Sie erklären auch nicht, warum Passagiere gefälschte Pässe an Bord einer Jacht lassen würden.«
»Nichts davon kann eine schlecht konzipierte Tarngeschichte retten«, so der Experte. »Die Bemühungen, aus einem Märchen Wahrheit zu machen, werden nicht aufhören.«
Am 3.4. räumte die Washington Post ein, dass die Erklärung einer »pro-Ukrainischen Gruppe« mit einer Segeljacht unwahrscheinlich sei. US-amerikanische und europäische Beamte »teilten die deutsche Skepsis, dass eine Besatzung von sechs Personen auf einem Segelboot« in der Lage gewesen wären, Nord Stream 1 und einen Teil von Nord Stream 2 zu sprengen, so die Post.
Europäische und NATO-Politiker hätten laut Post »eine Gangart gefunden: Nicht über Nord Stream reden«. Westliche Staats- und Regierungschefs hätten »wenig Anreiz, zu tief zu graben und vielleicht eine unangenehme Antwort zu finden,« so die Post laut einer »hochrangigen Quelle«. Westliche Beamte wollten »sich lieber nicht mit der Möglichkeit befassen, dass die Ukraine oder andere Verbündete« an der Nord-Stream-Sprengung beteiligt waren.
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